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Gefährliche Chemikalien in dutzenden Kopfhörern: Weichmacher, Paraffine, Flammschutzmittel

Kopfhörer auf Labortisch (Symbolbild)
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Kopfhörer auf Labortisch (Symbolbild)
81 Kopfhörer hat das Projekt ToxFreeLife untersucht. Ein Großteil der Produkte enthielt gefährliche Stoffe. Sony, Sennheiser, JBL, Bose und weitere waren unter den getesteten Marken. Unter den besonders schlecht bewerteten Kopfhörern waren auch einige für Kinder.

Das Projekt ToxFreeLife hat Kopfhörer vom europäischen Markt sowie von großen Online-Marktplätzen wie Temu und Shein auf bedenkliche Chemikalien untersucht. Für die umfassende Analyse wurden die Geräte in 180 Einzelproben aus harten und weichen Kunststoffen zerlegt. Im Labor lösten die Forschenden die Zielverbindungen mehrfach mit verschiedenen Lösungsmittelgemischen unter dem Einsatz von Ultraschall aus den Materialien heraus. Die exakte Bestimmung der Schadstoffe erfolgte anschließend durch hochpräzise Verfahren wie Flüssig- und Gaschromatografie in Kombination mit Massenspektrometrie. Ein besonderer Fokus der Untersuchung lag auf den Bauteilen, die beim Tragen direkten Hautkontakt haben.

Normalerweise werden solche Teile mit einer Lösung aus künstlichem Schweiß untersucht, um festzustellen, ob sich die Schadstoffe beim Tragen aus den Kunststoffen lösen. Da die Kombination aus Körperwärme und dem leicht sauren Milieu des Schweißes das Herauslösen von Chemikalien aus den Kunststoffen erheblich beschleunigt, gehen die Forscher jedoch davon aus, dass diese Analysemethode nicht ausreicht. 

Die chemische Analyse konzentrierte sich auf Stoffgruppen, die den Hormonhaushalt stören oder krebserregend wirken können. Gesucht wurde gezielt nach Bisphenolen wie BPA, Phthalaten, chlorierten Paraffinen sowie bromierten und organophosphatbasierten Flammschutzmitteln. In sämtlichen getesteten Produkten wurden gefährliche Substanzen nachgewiesen. Bisphenol A war in fast allen entnommenen Proben präsent. Extreme Ausreißer zeigten sich vorwiegend bei Kopfhörern von unregulierten Online-Marktplätzen, wo etwa ein Modell von Temu enorme Mengen des Weichmachers DEHP enthielt. Auch bei einem Kinderkopfhörer wurde eine sehr hohe Konzentration an chlorierten Paraffinen gemessen. Die Studie belegt zudem, dass ein hoher Preis oder der Name einer Premium-Marke keinen automatischen Schutz vor Schadstoffen garantieren und speziell Produkte für Teenager und Gamer oft eine noch höhere Belastung aufweisen.

Unter den getesteten Kopf- und Ohrhörern waren diverse Geräte von Sony, Beats, Apple, Samsung, Sennheiser, Philips und Panasonic. Es lohnt sich somit, einen Blick auf die Ergebnisse der Studie zu werfen. Diese lässt sich etwa bei arnika.org als PDF herunterladen. Unter den getesteten Kopfhörern für Kinder gab es vergleichsweise wenige, die von den Forschenden als stark belastet eingestuft wurden. Besonders viele Schadstoffe fanden die Forschenden hingegen in Gaming-Headsets.

Ob von den schadstoffbelasteten Kopfhörern eine echte Gefahr für die Gesundheit ausgeht, klärt die Studie nicht. Die Analysemethoden der Forscher zielen nämlich nur darauf ab, die entsprechenden Schadstoffe nachzuweisen. Inwiefern diese Stoffe vom Körper aufgenommen werden können, wurde in der Studie nicht untersucht.

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> Notebook Test, Laptop Test und News > News > Newsarchiv > News 2026-02 > Gefährliche Chemikalien in dutzenden Kopfhörern: Weichmacher, Paraffine, Flammschutzmittel
Autor: Marc Herter, 20.02.2026 (Update: 20.02.2026)