Notebookcheck

Kolumne: Bloatware - Das fehlte gerade noch...

von Uli Ries 18.11.2009

Ich will Eure Software nicht!

Liebe Notebokhersteller: Ich will Eure Software nicht. Und schon gar nicht gigabyteweise. Gebt mir entweder gar keine Beigaben, oder schaut Euch an, was die Anwender wirklich wollen und brauchen. Übrigens: 90-Tage-Testversionen von Antiviren-Software sorgen wahrscheinlich für mehr Vireninfektionen. Also auch damit gleich weg.

Bloatware: Zwar nicht zwingend ein PC Problem, aber mittlerweile weit verbreitet...
Bloatware: Zwar nicht zwingend ein PC Problem, aber mittlerweile weit verbreitet...

So gern ich meine Muttersprache mag, in Sachen Technik ist Englisch immer wieder ein Gewinn. So auch in diesem Fall. Denn mit „Crapware“ („crap“ bedeutet höflich übersetzt „Mist“) und „Bloatware“ („to bloat“: englisch für „aufblähen“) hat das Englische gleich zwei wirklich passende Worte für die größtenteils nutzlosen Softwarebeigaben, die Notebookhersteller auf ihren Geräten vorinstallieren. Damit meine ich beispielsweise 90-Tages-Testversionen von Microsoft Office, DVD-Brennsoftware, Spielen oder dem unvermeidlichen Virenscanner.

Die Software verschlingt nicht nur Plattenplatz. Beispielsweise Acer und HP packen je nach Notebookmodell mehr als zwei Gigabyte überflüssige Software aufs Gerät. Die Crapware verlangsamt den Start des Rechners auch, da etliche der Programme eigene Windows-Dienste installieren, die alle erst einmal gestartet werden wollen. Der Hunger des solchermaßen aufgeblähten Betriebssystems nach Arbeitsspeicher und CPU-Ressourcen steigt natürlich auch an.

Nicht genug damit, dass die vorinstallierte Crapware zumeist nach wenigen Wochen aktiviert – und damit bezahlt – werden will. Oftmals sind die Programme einfach mies und ohnehin kaum brauchbar. Es gibt reichlich Gratis-Software im Netz, die schlanker, praxisgerechter und kundenfreundlicher ist. Warum wird die nicht auf die Geräte gepackt?

Ganz einfach: Am ärgerlichsten im Zusammenhang mit dem Vollmüllen der Platte ist die Motivation der Notebookhersteller: Geld. Die Softwarelieferanten zahlen dafür, dass ihre kastrierten Testversionen den Notebookkäufern auf die Nerven gehen. Die Notebookhersteller nehmen also die Verärgerung der Kunden in Kauf, um hie und da noch ein paar Beziehungen zu pflegen und reichlich Geld einzusacken. Experten gehen davon aus, dass es um siebenstellige US-Dollar-Beträge geht.

Solange mir kein Notebookhersteller vorrechnet, dass ich durch die Softwaredeals der IT-Firmen bei einem 500-Euro-Notebook mindestens 20 Prozent Ersparnis bekomme, will ich die Dreingaben nicht haben. Wahrscheinlich reichte auch ein günstigeres, schwachbrüstigeres Notebook aus, wenn die vermeintliche Gratis-Software die Maschine nicht unnötig ausbremsen würde.

Aber zum Glück ist nicht alles schlecht und überflüssig. So gibt es hin und wieder wirklich brauchbare vorinstallierte Software. Bezeichnenderweise kommt die aber nicht von einer Softwarebude, die sich die Vorinstallations-Pole-Position  erkauft – sondern von den Notebookherstellern selbst. Lenovos ThinkVantage-Tools sind ein gutes Beispiel für eine Sammlung nützlicher Programme. Über Stabilität und Ressourcenschonung von solch umfangreichen Programmen wie Rescue & Recovery – Lenovos kostenloser Backup-Software – kann man streiten. Aber kleiner Helferlein wie die Netzwerkverwaltungstools ThinkVantage Access Connections oder Dells Connection Manager sind im Notebookalltag für jeden Nutzer eine Hilfe.

ThinkVantage
ThinkVantage
ThinkVantage
Es gibt auch sehr hilfreiche vorinstallierte Tools: Lenovo ThinkVantage

Keine Hilfe, sondern eine Gefahr sind hingegen vorinstallierte 90-Tages-Versionen von Antiviren-Software. Natürlich schützen sie den Rechner direkt nach dem ersten Auspacken vor allerlei Malware. Zumal dann, wenn dem PC noch wichtige Windows-Sicherheitsupdates fehlen und der Notebooknutzer keine Ahnung hat, was er sich im Netz ohne Antiviren-Software alles einfangen kann. Trotzdem bergen die Programme eine Riesengefahr: Sie vermitteln dem Anwender eine trügerische Sicherheit. Denn nach 90 Tagen gibt es keine Updates mehr für den Virenscanner, wenn der Nutzer kein Abonnement abschließt und mit jedem Tag wird die Software ein Stückchen nutzloser.

Zwar warnt die Software regelmäßig und fordert auf, jetzt doch bitte die Vollversion zu kaufen. Aber ein Großteil der Nutzer weiß gar nicht, wie das Abo abgeschlossen wird und ignoriert die Meldungen von daher beharrlich. Was über kurz oder lang dazu führt, dass sich irgendein neuer Cyber-Schädling auf dem betreffenden Notebook breit macht.

Erheblich zielführender wäre es, eine zeitlich nicht limitierte Gratis-Software zu installieren. Der mögen dann schicke Funktionen wie ein Browser-Schutz oder ein Rootkit-Killer fehlen. Dafür funktioniert sie länger als nur drei Monate und ist somit sicherlich deutlich mehr im Sinn des Notebooknutzers. Und um deren Interessen geht’s Euch doch, nicht wahr, liebe Notebookhersteller?

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Autor: Uli Ries, 18.11.2009 (Update:  6.06.2013)
J. Simon Leitner
J. Simon Leitner - Founder, Editorial Director - @simleitner
Nach meinem Studium an der TU-Wien widmete ich mich als Mitbegründer vollends dem Projekt Notebookcheck. Seit Commodore C64 und Atari 1040 ST sind Computer fester Bestandteil meiner täglichen Aktivitäten. Meinen Energieausgleich finde ich vor allem bei sportlichen Aktivitäten in freier Natur.