Notebookcheck

Kolumne: Ich und mein Windows 7

von Florian Wimmer 09.11.2009

Teil 1: Hohe Erwartungen.

Weil man sich Neuem nicht verschließen soll, stürzt sich der Autor (zusammen mit seinem eigentlich zu alten Laptop) in das Wagnis Windows 7 und berichtet in dieser fünfteiligen Kolumne von seinen Erlebnissen. Heute: Was hatte ich denn erwartet?

Auf Wiedersehen, Windows XP. Vielleicht komm ich ja bald zurückgekrochen...
Auf Wiedersehen, Windows XP. Vielleicht komm ich ja bald zurückgekrochen...

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Ich führe eine glückliche Beziehung. Nein, wirklich! Wir sind seit 7 Jahren zusammen und fast nie wurde ich enttäuscht. Wir haben gemeinsam gespielt, Texte verfasst, Bilder angeschaut, haufenweise Filme verschlungen, stundenlang Musik gehört und uns weiter gebildet. Auch mit der Familie kam ich zurecht, schließlich hatte ich vorher schon eine Beziehung mit den älteren Geschwistern gehabt, so dass mir einiges bekannt vorkam. Doch mit niemand war ich so lange und so eng verbunden...

Nein, keine Sorge, notebookcheck.com ist nicht zum Beziehungsblog für Redakteure kurz vor der Midlife-Crisis geworden, ich rede natürlich von Windows XP. Aber, wenn man sich überlegt, wieviel Zeit man eigentlich mit so einem Betriebssystem verbringt, dann ist der Begriff „Beziehung“ vielleicht doch gar nicht so unangebracht: Bei der Arbeit, beim Zocken, beim Kinokarten kaufen, vor einer Reise: Immer ist der Computer und damit wohl oder übel auch das Betriebssystem dabei.

So ein Operating System kann einen natürlich auch zur Weißglut treiben: Welcher, mittlerweile wohl etwas betagtere Leser erinnert sich nicht an Bluescreens bei Windows 95, stundenlange Versuche, ein Netzwerk unter Windows 98 einzurichten oder die ellenlangen Textbefehle unter MS-DOS, die man im ungünstigsten Fall durch einen kleinen Schreibfehler noch einmal eintippen musste. Da war Windows XP eine richtige Wohltat: Kaum mehr Abstürze, wesentlich einfachere Netzwerkinstallation, schicke neue Oberfläche, und so weiter.

Natürlich hatte sich Microsoft auch wieder einige Nervereien einfallen lassen. Die armen Forenmitglieder im Internet hätten schließlich gar nichts mehr zum Lästern gehabt, hätte es nicht Ballon-Tipps gegeben, die schickanöse Aktivierung oder die fehlende DOS-Unterstützung, die einige ältere Spiele zu Staubfängern verdammte.

Alles wird gut, oder?

Gefühlte Millionen von Updates, Freeware-Programme und Selbsthilfe-Internetseiten später hat man aber doch den Kniff raus, wie man Windows XP auch direkt nach einer frischen Installation zu einem flotten und kaum mehr nervigen Betriebssystem macht, auf das man sich im täglichen Arbeits- und Spielebetrieb auch verlassen kann.

Na das war ja nicht so toll...
Na das war ja nicht so toll...

Und dann, gerade als sich die Beziehung beruhigt hatte und aller anfänglicher Groll langsam im Nebel des Vergessens verschwand, da wollte Microsoft schon wieder Geld von uns: Windows Vista hieß das Betriebssystem, das man uns als noch besser, schneller und stabiler anpries. Vor allem aber enthielt man den mit XP zur Ruhe gekommenen Spielern DirektX 10 vor, dafür sollte man schön brav auf Vista umsteigen. Selbst die inzwischen wirklich mächtige Internet- und Freeware-Community schaffte es nicht, dafür einen Ersatz zu basteln.

Wenn man nun ohnehin kein großer Shooter-Fan ist, oder sich zwecks guter Grafik eh schon eine XBOX 360 angeschafft hatte (vielleicht war das ja auch der Plan von Microsoft), dann konnte man darauf verzichten. Ansonsten musste man wohl in den Apfel beißen. Und der war in diesem Fall wirklich sauer: Alles befand sich plötzlich woanders oder sah anders aus, der Programmpunkt zum Löschen von Software bei den Systemeinstellungen hieß beispielsweise plötzlich nicht mehr „Software“ sondern „Programme“. Umsteigerfreundlichkeit konnte man Vista wirklich nicht unterstellen, zudem war es langsamer, kam nicht mit allen Programmen zurecht und stürzte auch noch ab.

Ein schweres Erbe

Jeder, der im Zuge der Einführung von Windows 7 auch nur einen Zeitschriften- oder Internetartikel dazu gelesen hat, wird wissen, dass sich daran bis heute zwar in manchen Bereichen etwas geändert hat, das Vista allerdings immer noch langsamer ist als XP und zudem nach wie vor seine User mit der Benutzerkontensteuerung in den Wahnsinn treibt: „Möchten Sie dieses Programm auch wirklich installieren?“ „Ja.“ „Wirklich?“ „Ja!“ „Sind Sie ganz sicher?“ „Ja!!!“ „Na dann, ich sags aber gleich dazu, es könnte ein Virus oder so drin sein“ „Installier endlich“ „Ich wollte es ja nur gesagt haben, nicht dass Sie nachher kommen...“. Na gut, das war jetzt vielleicht etwas übertrieben, aber manchmal fühlt sich Vista schon so an.

Trotz anfänglicher Skepsis und einigen Seitensprüngen zu Linux und sogar Mac OS war ich im Großen und Ganzen und vor allem im Vergleich zu den Alternativen aus dem Hause Microsoft bisher also sehr zufrieden mit „meinem“ Windows XP. Aber dem Reiz des Neuen erliegt man dann doch ab und an, zudem wenn einem Microsoft das Neue, sprich Windows 7, so schmackhaft macht: Eine Beta-Version für (fast) Alle zum Herunterladen, dann noch ein Release-Candidate und beides ist stabil und sieht gut aus. Zeitweise habe ich sogar Teile meiner täglichen Computernutzung, beispielsweise das Internet surfen ganz auf Windows 7 Beta verlegt, das auf einer zweiten Partition neben Windows XP installiert war.

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Darf's ein bisschen mehr sein?
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Und dann warf Microsoft seinen neuesten Sprößling auch noch massenwirksam zum Schleuderpreis auf den Markt: Wer ab 15. Juli („ab“, haha, nach 7 Minuten waren alle Bestände weg) vorbestellte, erhielt ein Exemplar von Windows 7 Home Premium für 49,97 Euro. Obwohl ich bei diesem ganzen Versionen-Wirr-warr nie so ganz durchgeblickt habe und eigentlich immer die Ultimate-Version kaufen wollte, entdeckte ich bei einem genaueren Vergleich, dass ich in den nächsten Jahren eigentlich nicht plane, ein Firmennetzwerk zu eröffnen oder mein Betriebssystem in einer anderen Sprache zu betreiben.

Und so machte ich mich am 15. Juli besonders früh auf den Weg in die Arbeit, um pünktlich um 9 Uhr am Rechner zu sitzen und von dort aus meine Kopie zu bestellen (Ich hoffe, mein ehemaliger Arbeitgeber verzeiht mir die zwei Minuten, ich hab sie brav abends nachgearbeitet...). Wobei es dann doch länger dauerte als ich dachte: Beim Internethändler meines Vertrauens brachen sämtliche Server zusammen und dann musste ich auch noch meine Lieferadresse ändern, was der überlastete Server gar nicht mochte. Trotzdem erhielt ich letztendlich den Zuschlag für zwei Exemplare von Windows 7 Home Premium.

Da sie dann natürlich doch an die falsche Adresse geschickt wurden, halte ich sie erst jetzt in Händen und kann überlegen, was ich eigentlich damit mache: Vor zwei Wochen ist mein treues Toshiba Dual-Core-Notebook mit der niederschmetternden Diagnose Hauptplatinenschaden eingegangen. Jetzt arbeite ich mit einem alten Thinkpad, bei dem vorm Komma der Rechenleistung noch eine „1“ steht, der Prozessor noch Pentium heißt und der Arbeitsspeicher in Megabyte gemessen wird. Das verleitete mich zu einem tollkühnen Experiment: Wie wäre es, auf diesem Rechner, der mit Windows XP relativ problemlos läuft, Windows 7 zu installieren?

Wird meine Textverarbeitung dadurch unbenutzbar oder sitze ich tagelang allein vor der Installation? Wiederholt sich also der Vista-Horror erneut? Und wenn es dann funktioniert, wie verändert sich die Leistung im Vergleich zu „good old XP“? Eigentlich habe ich ja recht hohe Erwartungen an Windows 7 und soviel man hört, soll es ja in einer abgespeckten Version sogar auf Netbooks laufen. Na dann schauen wir mal, in der nächsten Folge meiner Kolumne stürze ich mich ins Abenteuer und installiere Windows 7 auf meinem Thinkpad T41. Ich hoffe, dass daraus eine lange und fruchtbare Beziehung erwächst.

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Autor: Florian Wimmer,  9.11.2009 (Update:  9.07.2012)
Florian Wimmer
Florian Wimmer - Managing Editor Mobile
Als ich 12 war, kam der erste Computer ins Haus und sofort fing ich an rumzubasteln, zu zerlegen, mir neue Teile zu besorgen und auszutauschen – schließlich musste immer genug Leistung für die aktuellen Games vorhanden sein. Als ich 2009 zu Notebookcheck kam, testete ich mit Leidenschaft Gaming-Notebook, seit 2012 gilt meine Aufmerksamkeit vor allem Smartphones, Tablets und Zukunftstechnologien.