Notebookcheck

Kolumne: Ich und mein Windows 7

von Florian Wimmer 20.11.2009

Teil 3: Hochbetrieb

Als wir unseren Autor das letzte Mal verließen, freute er sich gerade über die gelungene Installation von Windows 7 auf seinem (eigentlich zu alten) Laptop. Aber wie wird es weitergehen? Lesen Sie heute: Die ersten (und zweiten) Schritte.

Auf in ein neues Zeitalter... oder?
Auf in ein neues Zeitalter... oder?

So, noch die Auflösung umstellen, und ohja, ganz wichtig, die Benutzerkontensteuerung herabsetzen, ganz ausschalten kann man sie wohl nicht mehr... Ah, da sind Sie ja wieder, schön, dass Sie mich auch diesmal auf meinem Abenteuer begleiten.

Gut, Windows 7 Home Premium ist nun also auf meinem Thinkpad installiert, aber es gibt noch einiges zu tun, bis alles wirklich so funktioniert, wie ich mir das vorstelle. Ein Grafik- und Soundtreiber gehört dazu. Und natürlich erstmal Windows Update laufen lassen.

Noch mehr Überraschungen

Aber was ist das? Windows Update schlägt mir vor, ich soll doch einen Soundtreiber für meinen Laptop herunterladen. Ja toll, darauf bin ich auch schon gekommen. Achso, der liegt auf Microsofts Server und wird automatisch von Windows Update heruntergeladen und installiert... Na, das klingt mal gut. Microsoft wird es doch wohl nicht geschafft haben, einen vernünftigen Online-Service mit Treibern für Windows auf die Beine gestellt zu haben? Doch, sieht ganz so aus. Na dann, auf geht’s Windows Update, lad mal runter...

Schon als man den obligatorischen Neustart verlangt, ertönt endlich Sound aus den Boxen, das klappt ja echt gut mit den Treibern. Jetzt brauch ich nur noch einen Grafiktreiber, da ist nämlich immer noch der VGA Standardtreiber installiert und der bremst das Ganze schon ziemlich aus. Eine ATI Mobility Radeon 7500 steckt in meinem Laptop, das hab ich allerdings in Windows XP nachgeschaut, in Windows 7 zeigt er mir ja nur „Standard VGA Grafikkarte“ an, wenn ich wissen will, was denn da eigentlich arbeitet.

Nach mehreren Minuten erfolglosem Suchens nach der Grafikkarte auf ATIs Homepage beginne ich zu ahnen, das 5 Jahre doch eine verdammt lange Zeit in Grafikkartenjahren sind. (1 Menschenjahr = 20 Grafikkartenjahre?)

Neue Ansichten

Uralt? Nach 5 Jahren?
Uralt? Nach 5 Jahren?

Mein Grafikkartengreis muss sich also anderswo Unterstützung suchen, denn von offizieller ATI-Seite und offenbar auch bei Lenovo (genau, die chinesischen Piraten, die IBMs Computerspartenschiff geentert haben) gibt es, zumindest bis jetzt, keine Grafikkartentreiber für Windows 7. Gut, dass freundliche Menschen im Internet die Treiber so verändern, dass sie auch mit älteren Grafikkartenmodellen zusammenarbeiten, offenbar ist dafür gar nicht so viel Arbeit nötig, wenn es ein Hobbyprogrammierer allein schafft. Böse, böse, ihr Grafikkartenhersteller.

Nach einigem Suchen entdecke ich einen Treiber, der meine Grafikkarte noch unterstützt (sie hat die 100 Grafikkartenjahre wohl doch schon überschritten) und auch gleich eine Anleitung, wie man den Treiber (der eigentlich für Windows XP gedacht ist) unter Windows 7 zum Laufen bringt. Puuh, das ist jetzt irgendwie gar nicht mehr so einfach. Aber als ambitionierter Teilzeitprofi und erfahrener Notebookcheck-Redakteur lässt man sich natürlich von solchen Kleinigkeiten nicht entmutigen.

Eine gute halbe Stunde später startet Windows 7 das erste Mal mit dem neuen, alten Grafiktreiber. Der scheint zwar zu grundsätzlich zu funktionieren: Windows 7 liefert fremde und heimische Fauna in HD zum Ausprobieren, also ein Video natürlich, das lass ich doch gleich mal laufen. Und wieder eine positive Überraschung, das Video läuft, ohne Ruckler oder andere Probleme.

Jetzt würde ich ja gerne mit Spieletests dienen, aber auf meinem vorsintflutlichen Laptop läuft ja kaum was. Während ich so überlege, ob ich vielleicht mal Diablo 2 installieren sollte, um herauszufinden, ob 10 Jahre alte Spiele sich mit Windows 7 verstehen, zeige ich meine Multitaskingfähigkeiten, indem ich gleichzeitig ein Browser-Game starte. Allerdings zeigen sich bei den Flash-Animationen Streifen in den Grafiken und die Hintergründe flackern. Naja, das ist ja nicht so toll, so ganz scheine ich Windows mit dem gefakten Treiber dann doch nicht überzeugt zu haben.

Dafür hat mich während meiner Treiberodyssee Windows 7 aber doch nochmal positiv überrascht: Sowohl in der Systemsteuerung, als auch in den Ordnern ist alles wieder an einem Platz, wo man es instinktiv suchen würde und nicht wie bei Windows Vista besonders gut versteckt (vielleicht hatte damals ja der Osterhase mitprogrammiert?).

Spieletest mit Diablo 2... oder doch nicht.

Das sieht doch gut aus...
Das sieht doch gut aus...
... und das noch viel besser.
... und das noch viel besser.

Das interessiert mich jetzt aber doch. Also Diablo 2, es wird Zeit... wo ist denn nur die CD? Ja, äh, also, das ist jetzt natürlich etwas peinlich: Erst was versprechen und dann die CD nicht finden. Naja, dann nehm ich halt Icewind Dale, das hat den Vorteil, dass es noch einen Monat älter ist und damit die Frage, ob Windows 7 ältere Spiele mag, noch besser beantworten kann. Oder so...

Wow, das Jahr 2000, was waren das noch für Zeiten! Nostalgisch verklärte Computerspieler werden sagen, dass damals die Welt noch in Ordnung war, die Spiele großartige Geschichten erzählten und überhaupt viel besser funktionierten. Ob es auch im späten Jahr 2009 mit einem brandneuen Betriebssystem funktioniert, das werden wir gleich wissen.

Also erst mal die CD ins Laufwerk (jaha, damals kamen die Spiele noch auf CDs, in diesem Fall sogar 2, bei Baldur's Gate waren es glaube ich 5... oder 15... oder vielleicht sogar mehr). Und siehe da, Windows 7 zickt nicht rum, installiert brav und schnell und dann kanns auch schon losgehen. Das Intro-Video ist zwar etwas pixelig, aber erzeugt immer noch eine tolle Stimmung. Das Spiel selbst läuft auch einwandfrei, wenn man erst mal durch die unglaublich, wahnsinnig detaillierte Charakterentwicklung durch ist.

Echt toll, dass bei Windows 7 diesmal alles von Anfang an läuft, offenbar auch ältere Software. Icewind Dale spricht natürlich nicht für alle anderen Spiele aus der Epoche, aber man kann im Internet nachschauen, ob ein Spiel mit Vista lief. Wenn ja, dann sollte es auch mit Windows 7 keine Probleme geben.

Kleine Nervensägen zum Schluss

Einige Kleinigkeiten nerven mich immer noch: So heißt der „Software“-Punkt in den Systemeinstellungen immer noch „Programme“ (gut, inzwischen weiß ich's), wenn ich den Task-Manager aufrufen will, muss ich nach Eingabe der Tastenkombination (das berühmte „Strg, Alt + Entf“) nochmal klicken, dass ich wirklich den Taskmanager will und mein geliebtes, seit Windows 95 bewährtes klassisches Start-Menü ist auch wegrationalisiert. Aber das ist alles Geschmackssache und daran wird man sich wohl gewöhnen können.

Natürlich kann ich mir vorstellen, dass Steve Ballmer, der CEO (Chaos Engineer for Operating Systems oder so) von Microsoft, jeden Tag fette Partys im Hauptquartier schmeißt, weil man es endlich geschafft hat, ein von Anfang an gut funktionierendes Betriebssystem zu schaffen.

Aber so ganz traue ich der siebten Ausgabe von Windows immer noch nicht über den Weg, ich will Fakten, Fakten, Fakten. Zum Beispiel Benchmarkergebnisse, irgendetwas, was ich den Apple-Fans und den XP-Nostalgikern um die Ohren hauen kann, wenn sie wieder kommen mit „Dein Betriebssystem ist doof!“. Also werde ich jetzt Vergleichstests mit Windows XP starten und zwar viele.

Sie können ja inzwischen mal versuchen, auf einem 4 Jahre alten Laptop Windows Vista zu installieren, das dürfte die Zeit bis zum nächsten Teil ganz gut füllen.

Das könnte echt was werden mit den beiden...
Das könnte echt was werden mit den beiden...
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Autor: Florian Wimmer, 20.11.2009 (Update:  9.07.2012)
Florian Schmitt
Florian Schmitt - Managing Editor Mobile
Als ich 12 war, kam der erste Computer ins Haus und sofort fing ich an rumzubasteln, zu zerlegen, mir neue Teile zu besorgen und auszutauschen – schließlich musste immer genug Leistung für die aktuellen Games vorhanden sein. Als ich 2009 zu Notebookcheck kam, testete ich mit Leidenschaft Gaming-Notebook, seit 2012 gilt meine Aufmerksamkeit vor allem Smartphones, Tablets und Zukunftstechnologien.