Notebookcheck

Kolumne: Ich und mein Windows 7

von Florian Wimmer 27.11.2009

Teil 4: VerGleich.

Unser Autor hat es tatsächlich geschafft, Microsofts neuestes Betriebssystem Windows 7 auf seinem (eigentlich zu alten) Laptop ohne Probleme zu installieren und die ersten Tage zu überstehen. Aber er will es genau wissen: Wo sind die Unterschiede zwischen XP und 7? Lesen Sie heute: "Drum vergleiche, wer sich ewig bindet".

In Vergleichstests kann es keine Freunde geben!
In Vergleichstests kann es keine Freunde geben!

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Vergleiche sind unser gutes Recht als Männer: Wer hat das schnellere Auto, das schönere Boot, den größeren Golfschläger... oder auch einfach das bessere Betriebssystem. Und wenn uns Männern gerade kein Rivale über den Weg läuft, mit dem wir uns vergleichen könnten, dann schauen wir uns halt an, wie wir selbst gerade im Vergleich zur Vergangenheit dastehen.

Oberflächlichkeiten

Bei mir gibt es da, zumindest betriebssystemtechnisch, einige Verbesserungen: Auch wenn es oberflächlich ist und ich die Designs der Geschwindkeit wegen bestimmt bald ausschalten werde, genieße ich den coolen Windows 7-Look. Auch wenn mein Thinkpad T41 natürlich kein halbdurchsichtiges Aero-Design schafft, sind die Effekte recht ansehnlich.

Und stabil ist es auch und schnell... Ja, wie schnell eigentlich? Das lässt sich subjektiv recht einfach beantworten: Einen wirklichen Geschwindigkeitsunterschied zu Windows XP merke ich bei meinen, zugegebenermaßen recht einfachen, Office-Tätigkeiten kaum. Allerdings habe ich das Gefühl, dass der Systemstart etwas länger dauert.

Naja, genug herumgerätselt, harte Fakten sollen endlich Klarheit schaffen. Also statte ich mich mit einem Notebookcheck Tester's Survival Kit aus („Überleben Sie im gefährlichen Dschungel aus Systemspezifikationen und Benchmarkergebnissen“ steht vollmundig auf der Packung) und mache mich auf, die Unterschiede zwischen zwei Betriebssystemsgenerationen messbar zu machen.

Survivaltraining

Das "Notebookcheck Tester's Survival Kit". Leider nicht überall erhältlich.
Das "Notebookcheck Tester's Survival Kit". Leider nicht überall erhältlich.

Ein "Notebookcheck Tester's Survival Kit" (kurz: NTSK) enthält übrigens folgendes:

  • Ein Maßband (auch Notebookhersteller schummeln bei der Größe)
  • Eine Stoppuhr (wie herrlich antiquarisch, sogar mit Zeiger)
  • Eine UV-Glühbirne (als Notebooktester sieht man nur selten das Tageslicht)
  • Einen Geiger-Zähler (falls mal ein Notebookhersteller auf die Idee kommt, anstatt des Akkus einen Mini-Kernreaktor zu verbauen)
  • Strahlungstabletten (falls das Notebook mit dem Kernreaktor runter fällt)
  • Eine Banane (ganz klar, Vitamine)
  • Und natürlich einen USB-Stick mit den wichtigsten Benchmarks.

Sie sehen also, man ist für alle Eventualitäten des Testerlebens gerüstet mit so einem Kit. Danke Notebookcheck für diese tolle Erfindung, ganz ehrlich.

Jetzt aber los mit den Benchmarks, erst mal die Hälfte aussortieren, schließlich ist mein Notebook doch schon etwas älter. Für ältere Spiele soll der 3DMark2001 stehen, der Battery Reader Pro schaut, ob es Unterschiede in der Akkulaufzeit gibt und Cinebench R10 sowie PCMark05 als anspruchsvolle CPU und Grafik-Benchmarks sollten über hohe Belastungen Auskunft geben.

Alle diese Testprogramme lassen wir mal unter Windows XP und dann unter Windows 7 laufen, mal schauen, was dabei rauskommt.

Benchmark-tastisch

Ich glaube, Benchmarks wurden vor allem deshalb erfunden, um gestressten Notebooktestern mal eine kleine Auszeit zu gönnen und es ihnen zu ermöglichen, in die richtige Welt zurückzufinden. Da fällt einem plötzlich auf, dass es auch noch andere Menschen um einen herum gibt, dass da noch eine halbvolle Teetasse steht, die ausgetrunken werden will oder dass die Katze schon seit längerem kein Futter mehr im Napf hat.

Benchmarks gönnen einem diese Ruhe, indem sie jede Benutzung des System verhindern, man will ja schließlich die Ergebnisse nicht verfälschen. Gerade Batteriebenchmarks eignen sich herrlich dazu: Schließlich hat man bei modernen Subnotebooks schon mal 12 Stunden Zeit, um sich mit anderen Dingen als dem Testgerät zu beschäftigen. Wenn man Benchmarks auf dem Rechner ausführt, auf dem man auch seine Artikel schreibt, dann wird es besonders erholsam.

Allerdings sind die Batteriebenchmarks bei meinem altgedienten Akku keine sonderlich lange Angelegenheit mehr: In nur 12 Minuten saugt Battery Eater Pro im Classic-Test den Akku unter Windows XP leer, und Windows 7 sind es sogar nur 7 Minuten (wie passend). Ja, ich weiß, ich bräuchte einen neuen Akku, aber darum geht es hier nicht. Vielmehr darum, dass Windows 7 anscheinend etwas weniger schonend mit Ressourcen umgeht als Windows XP.

Allerdings möchte ich Windows 7 mal den „Benefit of the doubt“ einräumen, den sonst wohl nur Engländer verteilen: Sieht man sich die Vergleiche der Kollegen im Internet an (z.B. hier bei PC Welt), dann hat Windows 7 bei der Akkulaufzeit fast immer ähnliche Ergebnisse gebracht wie Windows XP. Also wollen wir den krassen Unterschied bei uns mal dem alten Akku zuschreiben und einfach glauben, dass die Unterschiede in Wirklichkeit nicht ganz so groß sind.

Zieleinlauf bei der Leistungsolympiade

Atemlose Spannung, meine Damen und Herren.
Atemlose Spannung, meine Damen und Herren.

Das wird ein enges Rennen, meine Damen und Herren, gerade bewies Windows XP die bessere Ausdauer, aber wenn es an der Geschwindigkeit fehlt, dann sollte für Windows 7 ein knapper Sieg noch möglich sein.

In der Disziplin Cinebench R10 treten die beiden Konkurrenten zuerst an: Windows 7 legt vor und erzielt 1267 Punkte für die CPU und 678 Punkte für die GPU. Das wird hart für Windows XP das noch zu knacken. XP geht auf die Strecke und... ja, das reicht ganz knapp für den Sieg: 1341 Punkte bei der CPU und 692 bei der GPU, ein denkbar knapper Vorsprung meine Damen und Herren. Trainer Balmer jubelt.

Aber der Gesamtsieg entscheidest sich erst im 3D Mark 01 und ich kann Ihnen gleich sagen, das wird ein Fotofinish. Windows 7 mit 3954 Punkten in Führung, gefolgt von Windows XP mit 3885 Punkten. Oh, das war wieder ganz knapp, nur dass diesmal der Jüngere die Nase vorn hatte. Die Zuschauer sind völlig aus dem Häuschen bei so viel Spannung.

Aber was ist das: Der Schiedsrichter kommt über den Platz und disqualifiziert Windows 7 für die Disziplin PCMark05, weil die alten Laufschuhe Modell T41 nicht die entsprechende Leistung für die Aero-Qualifikation bringen. Ohje, ohje, ein bitterer Tag. Windows XP läuft allein und bringt lockere 1505 Punkte nach Hause.

Am Ende entscheiden sich die Punkterichter, die letzte Disziplin nicht zu werten und wir sehen zwei Sieger, da ein klarer Unterschied zwischen beiden sich nicht ausmachen lässt. Vielleicht kann eines der beiden Systeme ja in den Softskill-Disziplinen noch einen Vorteil ausspielen.

Softskills

Unter "Softskills" versteht dieser etwas übereifrige Kommentator wohl sowas wie Zeit für den Systemstart oder das Aussehen. Zu letzterem habe ich mich ja schon geäußert, mir gefällt es sehr gut, man sollte sich aber überlegen, ob man es nicht doch lieber der Leistung wegen ein bisschen reduzieren will.

Beim Systemstart kommt die Stoppuhr aus dem Survival Kit zum Einsatz... und zeigt diesmal einen Sieger an. Schade, dass es so schwierig ist, einen Trommelwirbel in einen Test einzubauen... Es ist Windows 7, das nach ziemlich genau einer Minute den Desktop anzeigt. Windows XP schafft das zwar in exakt der selben Zeit, dann kann man aber noch nicht damit arbeiten, sondern muss sich weitere 27 Sekunde gedulden, bis das System bereit ist. Bei Windows 7 kann man sofort zu arbeiten beginnen, auch wenn das System die ersten 10 Sekunden noch etwas langsamer ist.

Was? Ach Sie wollen noch ein abschließendes Urteil von mir? Eine Empfehlung, ob Windows 7 jetzt auch für ältere Computer geeignet ist? Naja, da muss ich erst nachdenken, am besten verlegen wir diese Ergebnisse in den letzten Teil der Kolumne. Ich geh inzwischen noch einige Leute fragen, was die so von Windows 7 halten...

Die beiden Zittern schon etwas vor dem endgültigen Urteil: Wird ihre Beziehung genehmigt?
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Autor: Florian Wimmer, 28.11.2009 (Update:  9.07.2012)
Florian Schmitt
Florian Schmitt - Managing Editor Mobile
Als ich 12 war, kam der erste Computer ins Haus und sofort fing ich an rumzubasteln, zu zerlegen, mir neue Teile zu besorgen und auszutauschen – schließlich musste immer genug Leistung für die aktuellen Games vorhanden sein. Als ich 2009 zu Notebookcheck kam, testete ich mit Leidenschaft Gaming-Notebook, seit 2012 gilt meine Aufmerksamkeit vor allem Smartphones, Tablets und Zukunftstechnologien.