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Kolumne: Netbooks - Spielzeug oder Werkzeug?

von Uli Ries 24.11.2009

Was hat man ihnen nicht schon alles zugeschrieben: Von der Revolution des Notebookmarkts bis hin zur Rettung des gesamten PC-Markts – Netbooks sind der Heilsbringer der IT-Branche. Aber warum eigentlich? Weil sie schon fast als Mitnahmeartikel für Impulskäufer gelten? Oder sind sie wirklich sinnvoll einsetzbar?

Heilsbringer der IT-Branche?
Heilsbringer der IT-Branche?

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Danke, Netbook: Ohne Dich würde die PC-Branche dank Wirtschaftskrise noch viel schlechtere Zahlen schreiben, als sie es ohnehin tut. Du hast Dich wirklich rasant verkauft. Bist ja auch wirklich günstig im Vergleich zu Deinen großen Geschwistern. Dein Erfolg ist so groß, dass inzwischen reichlich Varianten auf dem Markt sind: Nokia mischt mit, Microsoft mischt ohnehin überall mit, Google will auch und Apple kommt natürlich wie immer ins Gespräch, wenn irgendein Hype-Produkt herumschwirrt. Nur die Linux-Fraktion schaut inzwischen in die Röhre: Die Akzeptanz der Käufer war zu gering und das angestaubte Windows XP plötzlich erschwinglich für die Netbook-Produzenten.

Kann es sein, dass Dich, liebes Netbook, so mancher einfach mal mitgenommen hat beim Besuch im nächst gelegenen Ich-bin-doch-nicht-blöd-Geiz-ist-geil-Markt? Und dass die hohen Absatzzahlen auf die Art zustande gekommen sind?

Erstaunlich finde ich, dass Dich viele klaglos kaufen, obwohl Du doch so wenig Dampf unter der Haube hast. All die Jahre wollten alle immer nur höher-schneller-weiter, der Gigahertz-Rausch tobte und brachte den Gigabyte-Hunger gleich mit. Und plötzlich sind die Speed-Junkies mit Deinen vergleichsweise schwachbrüstigen Atom-CPUs zufrieden. Oder etwa doch nicht? Folgte für viele der Impulskäufer vielleicht das böse Erwachen, als sie das erste Mal beim Abspielen eines HD-Videos auf YouTube mit einem hässlichen Ruckeln konfrontiert wurden? Das würde bedeuten, dass Dich viele nur einmal kaufen, sich dann enttäuscht abwenden und beim nächsten Mal wieder zum ausgewachsenen Notebook greifen. Schnäppchen gibt’s hier inzwischen auch reichlich.

Denn ich frage mich schon lange, was Du nun bist: Werkzeug oder Spielzeug? Notebookersatz für Vielreisende und Sparwütige, oder doch nur Gadget für Technikfreaks? Denn Deine Tastaturen sind dann doch recht klein und längere Texte gehen nicht gerade flüssig von der Hand. Deine Bildschirme sind – typischerweise – winzig und aufgrund der trotzdem recht hohen Auflösungen für Menschen mit Sehschwäche nur unter Anstrengung zu nutzen.

Als Luxus-Surfbrettchen taugst Du ganz gut, dank integriertem UMTS-Modul sogar ziemlich flächendeckend. Aber Achtung, iPhone, Blackberry Storm & Co. können das auch. Und fürs schnelle Surfen zwischendurch gefallen sie auch besser, da sie a) nicht booten müssen, b) hübsch-praktische Touchscreens haben und c) nun wirklich in jede Jackentasche passen. Deinen Vorteil der Tastatur und des größeren Displays kannst Du nur ausspielen, wenn Dein Nutzer länger ins Netz und Text produzieren will.

Was mach ich nur mit Dir, wo Du doch weder Fisch noch Fleisch bist? Gekauft hab ich Dich, genutzt bisher kaum. Ich seh Dich und Deine Geschwister draußen auch selten. Wohnt Ihr alle beim Anwender zu Hause, auf dem Sofa, in der Küche oder im Schlafzimmer? Vielleicht können diese Fragen ja andere Menschen beantworten – am besten hier im Forum – die eines Deiner Familienmitglieder gekauft haben?

Eins aber steht fest: Artikel wie diesen hier hast Du nun wirklich nicht verdient. Denn wer kommt bitte auf die Idee, Dir mit einem Benchmark wie dem 3DMark06 zu Leibe zu rücken, um Dir Deine maximale Akkulaufzeit zu entlocken? Natürlich ist der im Artikel beziehungsweise dessen Infografik genannte Mobile Mark 2007 auch nicht der Weisheit letzter Schluss. Aber einem zarten Pflänzchen wie Dir einen derart hardwareintensiven Benchmark wie den 3DMark zumuten zu wollen, grenzt dann doch an arge Ahnungslosigkeit. Ich mag auch kaum glauben, dass der zitierte AMD-Marketingfuchs Patrick Moorhead ernsthaft 3DMark als Alternative vorgeschlagen hat.

Mir scheint, es gibt Schreiber da draußen, die Dir mit noch größerem Unverständnis gegenüber treten, wie ich es tue…

Eee PC & Co - Werkzeug oder Spielzeug?
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Autor: Uli Ries, 24.11.2009 (Update:  9.07.2012)
J. Simon Leitner
J. Simon Leitner - Founder, Editorial Director - @simleitner
Nach meinem Studium an der TU-Wien widmete ich mich als Mitbegründer vollends dem Projekt Notebookcheck. Seit Commodore C64 und Atari 1040 ST sind Computer fester Bestandteil meiner täglichen Aktivitäten. Meinen Energieausgleich finde ich vor allem bei sportlichen Aktivitäten in freier Natur.