Notebookcheck

Test: Refurbished-Notebooks - Klassiker oder Technik-Schrott?

Von: Sebastian Jentsch, 04.11.2010

Zweites Leben. Aufbereitete ThinkPads und Dell Latitudes sind teils deutlich billiger als Neuware. Die Technik ist zwar von Gestern, aber Features wie hochauflösende, matte Displays, Business-Keyboards oder SmartCard-Reader gibt es hier zum Low-Budgets-Preis.

Wir prüfen die Qualität von einem wiederaufbereiteten ThinkPad und einem Dell Latitude
Wir prüfen die Qualität von einem wiederaufbereiteten ThinkPad und einem Dell Latitude

Warum gebrauchte Notebooks?

Wer als Privat- oder Geschäftskunde anspruchsvolle Wünsche an sein neues Notebook heranträgt, der muss oft tief in die Tasche greifen. Laptops für den Office-Einsatz gibt es zwar schon ab 350 Euro, jedoch leiden in der Regel die Anschlussvielfalt, das Display, die Eingabegeräte und die Verarbeitung unter den Dumping-Preisen.

Ein Professional-Notebook muss also her, damit das Tippen der Rechnungen oder der Master-Arbeit nicht zum Martyrium zwischen klapprigen Tasten und lärmenden Lüfter wird. Für ein brandneues ThinkPad T410i oder Dell Latitude legt der Kunde locker einen Tausender hin.  Hierfür wandert im Falle des T410i aber nur die kleinste Konfiguration mit einem Intel Core i3-370M (2 x 2.4 GHz) und 6-Zellen Akku über die virtuelle Ladentheke. An ein hochauflösendes Display oder einen integrierten SmartCard-Reader ist nicht zu denken.

Aber muss es wirklich ein Neugerät sein? Leasing-Rückläufer oder Demo-Geräte werden als Refurbished-Ware für 250 bis 500 Euro im Online-Handel verkauft. Die gebrauchten Notebooks sind in Regelfall zwei bis drei Jahre alt (nicht Demo-Geräte) und werden als „Refurbished“ oder „Demo-Ware“ bezeichnet.

Wir prüfen die Qualität von einem wiederaufbereiteten ThinkPad und einem Dell Latitude. Zudem klären wir Ihre Fragen: Woher stammen die Laptops? Welche Marken werden angeboten? Welche Garantien erhalte ich beim Kauf?

Die Refurbished-Notebooks für eine Stichprobe haben wir vom Online-Händler notebooksbilliger.de bestellt. In welcher Verpackung werden die Geräte geliefert? Wie ist der optische und technische Zustand? Die Stichprobe zählt einen 14.1-Zoller Lenovo ThinkPad T61 (Core 2 Duo T8100, 463 Euro) und einen 15.4-Zoller Dell Latitude D830 (Core 2 Duo T7300, 332 Euro). Alle genannten Preise sind Endkunden-Preise inklusive Umsatzsteuer.

Ein gebrauchtes ThinkPad kann immer noch gute Dienste leisten.
Ein gebrauchtes ThinkPad kann immer noch gute Dienste leisten.
Wiederaufbereite Laptops gibt es inzwischen im Handel.
Wiederaufbereite Laptops gibt es inzwischen im Handel.
Damit erhalten Business-Klassiker ein zweites Leben.
Damit erhalten Business-Klassiker ein zweites Leben.

Was sind Refurbished-Notebooks?

Refurbishing steht für Aufbereitung. Ein zwei Jahre altes, gebrauchtes Notebook soll durch Überholung und Instandsetzung wieder in den Verkauf gebracht werden (Remarketing). Bei Komponenten aus Kraftfahrzeugen ist Derartiges schon lange Usus (z. B. Lichtmaschinen, Getriebe) und auch bei EDV- und Bürogeräten passiert es. Vor allem Business-Kopiergeräte und Profi-Drucker werden als Refurbished erneut verkauft.

Ein gebrauchtes Notebook wird vom Hersteller, Händler oder einem Service-Betrieb technisch geprüft, gereinigt und ggf. instand gesetzt. Dazu gehören die Reinigung des Lüfters und der Austausch abgenutzter Eingabegeräte. Teure Reparaturen werden nicht ausgeführt (z. B. Austausch eines defekten Displays).

Technisch werden die Notebooks nicht aufgerüstet. Ein zwei Jahre altes ThinkPad bleibt demnach auf dem Stand seines Baujahres. Verschleißteile werden ebenfalls im Normalfall nicht getauscht. Scharniere, Festplatte, DVD-Laufwerk und Akku verbleiben also in ihrem Zustand. Eingabegeräte sind im Falle sehr starker Abnutzung eine Ausnahme.

Ohne Originalverpackung (OVP)
Ohne Originalverpackung (OVP)
Abnutzungen an den Ecken und an
Abnutzungen an den Ecken und an
den Tasten müssen in Kauf genommen werden.
den Tasten müssen in Kauf genommen werden.

Woher stammen die gebrauchten Laptops?

Große Unternehmen aber auch Mittelständler mit einem Fuhrpark an identischen Notebooks nutzen die Geräte nicht über viele Jahre. Wenn die Leasing-Periode (z. B. zwei Jahre) oder die Abschreibungszeit vorüber ist, dann gehen die Geräte zurück an den Anbieter/Hersteller bzw. werden an einen Wiederverwerter verkauft.

Refurbishing betrifft üblicherweise Business-Geräte von Dell, Fujitsu, Lenovo oder HP. Consumer-Laptops spielen keine Rolle, das hat zwei Gründe. Business-Notebooks haben mehrheitlich eine langlebige Konstruktion. Dadurch sind die Geräte auch nach zwei oder drei Jahren noch benutzbar. Hinzu kommen die Vertriebskanäle und die  hohen Stückzahlen der Großkunden und die Anwendung von Leasing. Ein Unternehmen kauft nun einmal nicht 150 identische Acer Aspire oder MSI-Laptops. Die großen Stückzahlen machen es Händlern möglich, große Mengen von gebrauchter Ware einzukaufen.

Demo-Geräte sind keine Refurbished-Ware. Sie sind deutlich jünger und entsprechen dem aktuellen Stand der Technik. Solche Notebooks stammen aus dem Demo-Pool des Herstellers und waren maximal einige Monate bei Kunden für Vorführungen oder Schulungen eingesetzt.

Gibt es eine Garantie?

Wir unterscheiden Garantie und Gewährleistung. Neue Geräte haben eine Herstellergarantie von 12 oder 24 Monaten (je nach Hersteller Bring-In, Pick-Up oder Next Business Day). Bei gebrauchten Laptops gibt es für Privatkunden nur die Gewährleistung des Händlers von 12 Monaten. Die Herstellergarantie, wenn nicht bereits erloschen, liegt bestenfalls in einer Restlaufzeit vor. Die Pflicht zur Gewährleistung entsteht aus dem Kaufvertrag mit einem Privatkunden. Dabei spielt es keine Rolle, ob  Neu- oder Gebrauchtware verkauft wird.

Wenn die vereinbarte Beschaffenheit nicht stimmt (z. B. Tastatur abgenutzt obwohl „Tastatur erneuert“ angegeben), kann der Kunde reklamieren, denn es handelt sich um einen Sachmangel. Hinzu kommt bei jedem Online-Kauf die Option, bei Nicht-Gefallen oder Mängeln den Kauf 14 Tage lang zu widerrufen.

Zwei Gebrauchte auf dem Prüfstand

Wir haben zwei Refurbished-Laptops vom Online-Versender notebooksbilliger.de bestellt. Der 14.1-Zoller Lenovo ThinkPad T61 (Baujahr 5/2008) kostete 463 Euro und der 15.4-Zoller Dell Latitude D830 (Baujahr 12/2007) war für 332 Euro (inkl. USt.) zu haben. Die Geräte besitzen eine neue Windows XP Professional Lizenz (neuer Aufkleber auf Unterseite) inklusive Recovery-DVD.

Lenovo ThinkPad T61 – 14.1-Zoll, Core 2 Duo T8100

Der ThinkPad T61 war für uns interessant, weil er in 14.1-Zoll eine entspiegelte Auflösung von 1440 x 900 Pixeln mitbringt. Zudem besitzt er viele Anschlüsse (Docking-Port, Modem, FireWire, ExpressCard54) inklusive einem integrierten SmartCard-Reader. Der Preis von 463 Euro (inkl. USt.) beträgt etwa ein Drittel eines Neugerätes.

Der T61 ist optisch in einem sehr guten Zustand. Lediglich den Stoßecken (Gummierung abgeschliffen), dem Deckel (leichte Kratzer in Gummierung) und dem Akku (Kratzer) sieht man Gebrauchsspuren an. Tastatur und Touchpad sind neuwertig da ausgetauscht.

In einem Leerlauf-Test hielt der 56 Wattstunden 6-Zellen-Akku noch 164 Minuten durch (2:44 Stunden). Das Neugerät lag im damaligen Idle-Test bei 3:55 Stunden. Mit dem Core 2 Duo T8100 (2 x 2.0 GHz) sind wir natürlich nicht mehr auf der Höhe der Zeit. Schon ein Core i3-330M (kleinster Arrandale Prozessor), rechnet schneller. Immerhin bleiben die Temperaturen stabil und das T61 wird kaum laut. Im mehrstündigen Stresstest (Prime95 und Furmark) wird der Prozessor maximal 82 Grad warm und der Lüfter dreht gleichmäßig. Bei Ende der Last dreht das Kühlsystem binnen Sekunden wieder herunter.

Im Falle unseres T61 war sogar eine Restlaufzeit der ursprünglichen Herstellergarantie vorhanden (Vor-Ort Garantie bis 05/2011). Dies ist aber ein Zufall, Käufer müssen davon ausgehen, dass keine Herstellergarantie mehr besteht.

Dell Latitude D830 – 15.4-Zoll, Core 2 Duo T7300

Das D830 fiel uns wegen seines günstigen Preises von 332 Euro (inkl. USt.) auf. Für mobil ambitionierte Schnäppchenjäger ist der Koloss von 3.0 Kilogramm nicht geeignet. Wer aber auf ein solides Tischgerät aus ist, das mit vielen Anschlüssen glänzt, der liegt hier richtig. Gerade der serielle Port, S-Video, Firewire, PC-Card Typ I/II sowie ExpressCard sind heute selten geworden. Zudem ist der D830 Docking fähig.

Der massiv gebaute Laptop ist fast drei Jahre alt (Baujahr 12/2007). Der Dell Service Tag gibt über den Garantie-Status Auskunft: Es gibt eine dreijährige Next Business Day Garantie (ab 9.12.2007), demnach verbleiben uns noch 40 Tage der Herstellergarantie.

Der 15.4-Zoller zeigt deutliche Gebrauchsspuren an der Tastatur und an den Kanten des Chassis. Die Tastatur wurde also nicht getauscht, was uns aber akzeptabel erscheint. Das Touchpad sieht wie unbenutzt aus, es wurde aber ebenso nicht getauscht. Negativ fallen die Gelenke auf. Der Deckel wackelt in jeder Position zirka fünf Grad, die Arretierung hat ein Spiel bekommen. Er wird dennoch in jeder Position sicher gehalten. Positiv ist die Gesamt-Optik. Auf dem Deckel finden wir nur einen einzigen Kratzer, die Unterseite ist wie neu.

Die Leerlauf-Laufzeit liegt trotz des hohen Alters bei 4:44 Stunden. Dies legt die Vermutung nahe, dass der 56Wh-Akku schon einmal erneuert wurde. Konkrete Hinweise darauf gibt es aber nicht. Der Händler spricht in der Artikelbeschreibung von „mindestens 60% der Ursprungszeit“, was wir als erfüllt ansehen. Wie beim ThinkPad arbeitet die Kühlung noch perfekt. Während eines mehrstündigen Stresstests (Prime95 und Furmark) dreht der Lüfter gleichmäßig und die Temperatur am Core 2 Duo T7300 klettert nicht über 77 Grad.

Refurbished-Stichprobe aus Lenovo ThinkPad T61 (5/2008)
Refurbished-Stichprobe aus Lenovo ThinkPad T61 (5/2008)
und Dell Latitude D830 (12/2007).
und Dell Latitude D830 (12/2007).
Mit neuer Windows XP Professional Lizenz (Aufkleber Unterseite)
Mit neuer Windows XP Professional Lizenz (Aufkleber Unterseite)

Fazit: Günstig ans ThinkPad kommen

Gebrauchte Business-Klassiker wie Dell Latitude D830 und Lenovo ThinkPad T61 eignen sich für Käufer, die kein technisch hochgerüstetes Notebook benötigen. Vielmehr sind sie auf der Suche nach bestimmten, zeitlosen Eigenschaften wie Robustheit, perfekte Eingabegeräte, mattes Display, hohe Auflösung oder spezielle Anschlüsse (z. B. Docking Port, Seriell, PCMCIA).

Unsere Stichprobe  des Online-Shops notebooksbilliger.de erfüllt die Erwartungen an gebrauchte Business-Notebooks. Die als Refurbished verkauften Laptops waren technisch in Ordnung, Abnutzungsspuren und Verschmutzungen waren gering (ThinkPad) bzw. akzeptabel (Dell). Mehr als angemessen waren die Akkulaufzeiten der zweieinhalb bis drei Jahre alten Geräte: Leerlauf-Test, T61 2:44, D830 4:44 Stunden. Unsere Stichprobe kann natürlich keine Vorhersage für irgendwelche anderen Modelle und Angebote sein.

Ein genaues Lesen der Beschreibung des Händlers ist vor dem Kauf Pflicht. Da es für Privatkunden nur eine gesetzliche Gewährleistung von 12 Monaten gibt, muss man sich bei Sachmängeln direkt mit dem Händler auseinandersetzen. Wer gleich Anmerkungen wie „kleine Kratzer/Gehäusebrüche die ein normales Arbeiten mit dem Gerät zulassen“ liest, dem blühen auch keine Überraschungen. Geräte mit defekten Display-Pixeln oder Rissen am Gehäuse sollten besser nicht in die engere Auswahl kommen. Bei der Laufzeit sollten die Erwartungen am Boden bleiben. Günstige Ersatz-Akkus kosten zwischen 30 und 70 Euro.

» Das Thinkpad T61 (refurbished) ist derzeit ab 499,- bei Notebooksbilliger.de erhältlich

» Das Dell D830 (refurbished) ist derzeit ab 329,- bei Notebooksbilliger.de erhältlich

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Stichprobe: Lenovo ThinkPad T61 & Dell Latitude D830
Stichprobe: Lenovo ThinkPad T61 & Dell Latitude D830
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Autor: Sebastian Jentsch,  4.11.2010 (Update:  9.07.2012)
Sebastian Jentsch
Sebastian Jentsch - Senior Editor
Computer haben mich schon zeitig interessiert. Mit 14 habe ich die ersten PCs für die Verwandtschaft zusammengesteckt, mit der 90er Jahre waren das 80286er bis 486er bis zum Pentium 1. Was lag da naeher als Produkt-Tester zu werden? Seit 2007 verfolge ich die Welt der Windows-Laptops und Convertibles. Heute will ich auch bei Staubsauger-Robotern, Brotbackautomaten oder Bewässerungscomputern die Spreu vom Weizen trennen, weshalb ich als freier Redakteur auch fuer andere Test-Websites unterwegs bin.