Notebookcheck

Test Runcore Pro V 200 GB SSD

Klaus Hinum, 22.09.2010

Der ganz normale Sandsturm. Im Vergleich zur kürzlich getesteten OCZ Vertex 2, verwendet die Runcore V Pro den nicht modifizierten SF1200 Controller. Ob sich die High-End SSD trotzdem noch vor die Intel X25-M positionieren kann, erfahren Sie in folgendem Testbericht.

Runcore Pro V 200GB
Runcore Pro V 200GB
im Test
im Test

Die Runcore Pro V (Website) ist eine High-End MLC SSD für Desktop und Notebooks. Sie basiert auf den Sandforce 1200 Controller mit der Standardfirmware und ist daher bei zufälligen 4K Schreibzugriffen auf 10.000 IOPs limitiert (SF-1500 30.000 IOPs). Die maximalen Transferraten der Runcore Pro V sind mit 260MB/s für sequentielle Schreib- und Lesezugriffe angegeben. Wir hatten die 200 GB Version im Test (256GB verbauter Speicher), wobei Runcore nun wie OCZ mehr Speichplatz auf Kosten der Haltbarkeit freigibt und dadurch ganze 240GB dem Nutzer zur Verfügung stehen.

Die Funktionsweise von SSDs sowie deren Vor- und Nachteile haben wir bereits ausführlich in unserem Vergleichstest von SSDs abgehandelt. Zusammengefasst bieten SSDs derzeit den wohl spürbarsten Upgrade-Nutzen und können mit minimalen Zugriffszeiten und hohen zufälligen Schreib- und Leseraten punkten. Aufgrund des Aufbaus können sie jedoch bei starker Benutzung insbesonders bei den Schreibraten deutlich einbrechen und auch die Lebenserwartung ist etwas begrenzt.

Sandforce Power

Der von Runcore verwendete Sandforce Controller bietet einige Besonderheiten auf die wir nun kurz eingehen möchten. Als erster SSD-Controller komprimiert Sandforce die Daten vor dem Schreiben in den Flash Speicher. Laut Hersteller wird die Datengröße im Schnitt auf 50% eingestampft. Dadurch können die hohen maxmalen Schreib- und Leseraten erreicht werden und auch die Speicherzellen geschont werden. Dies funktioniert klarerweise am besten bei noch nicht komprimierten Daten.

Eine weitere Besonderheit sind die RAID-5 ähnlichen Funktionen durch die der Controller selbst die Daten von beschädigten Speicherzellen wieder herstellen kann. Außerdem sollen alle Daten mit einer 128-bit AES-Verschlüsselung gespeichert werden.

In unseren Tests mit der OCZ Vertex 2 (ebenfalls Sandforce SF1200 basierend) ist uns noch eine weitere Besonderheit aufgefallen. Nach zahlreichen intensiven Benchmarks, nahm die Leistung der SSD deutlich ab. Dies soll ein besonderer Schutzmechanismus der SSD sein, um die Lebensdauer der Speicherzellen zu schützen. Für mehrere Tage soll sich die SSD dadurch in einen gebremsten Modus versetzen um die Performance und Datenintegrität über längere Zeit zu erhalten. Im täglichen normalen Einsatz sollte dieser Schutzmechanismus jedoch nicht aktiviert werden.

Da die Benchmarks mit der Runcore V bereits vor der Vertex 2 durchgeführt wurden, und wir das Phänomen der verringerten Leistung erst mit der Vertex 2 untersucht haben, können viele Benchmarks in diesem Test im geschützen Modus erzeugt worden sein.

Testsystem

Die verschiedenen Benchmarktests haben wir mit folgendem Desktop System durchgeführt:

  • Intel Core i5-750 Quad Core 2.66 GHz
  • 4 GB DDR3 RAM
  • Intel P55 Chipsatz
  • ATI Radeon HD 4850

Speedstep, Turbo und der C6 State waren bei der CPU aktiviert. Erst beim späteren Test der Vertex 2 haben wir jedoch festgestellt, das genau diese Funktionen zu deutlich schlechteren Schreib- und Leseraten in einigen Benchmarks führten. Anscheinend wird der Chipsatz ebenfalls in einen Stromsparmodus geschickt, wenn keine CPU Last anliegt. Dadurch sind die im folgenden angeführten Benchmarks eher als Worst Case anzusehen.

Die maximalen Übertragungsraten sind bei unserem P55 Desktop Testsystem auf etwa 170 MB/s limitiert. Dadurch können die Intel und Sandforce basierten SSDs in folgendem Chart mit h2benchw Datenraten auch nicht die volle Geschwindigkeit erreichen. Die ebenfalls Sandforce 1200 basierte Vertex 2 erreichte mit deaktiviertem Speedstep, Turbo und C6 Modus 235 MB lesend und schreibend. Dies sollte die Runcore V Pro ebenfalls schaffen, da sie sich in unserem limitierten System ebenfalls gut schlägt.

h2benchw - durch das Testsystem auf etwa 165 MB / Sekunde limitiert.
h2benchw - durch das Testsystem auf etwa 165 MB / Sekunde limitiert.

Im CrystalDiskMark kann die Runcore Pro V wieder mit der OCZ Vertex 2 beim Lesen mithalten. Die Geschwindigkeiten sind hier deutlich weniger limitiert und erreichen fast die Ergebnisse der Vertex 2 ohne Speedstep, C6 und Turbo (216MB / Sekunde). Die X25-M G2 und die Samsung SSD können jedoch beim Lesetest die Sandforce basierten SSDs überholen.

Im Schreibtest schlägt sich die Runcore Pro V ebenfalls wacker. Die Vertex 2 kann anscheinend durch ihre modifizierte Firmware noch etwas mehr Schreibgeschwindigkeit herausholen. Nur die Samsung SSD kann die beiden Sandforce basierten SSDs noch schlagen.

Sequentielle Schreib- und Leseraten bei CrystalDiskMark
Sequentielle Schreib- und Leseraten bei CrystalDiskMark

Auch beim AS SSD Benchmark sind die sequentiellen Datenraten plausibel und zeigen das selbe Bild wie beim CrystalDiskMark. Die 4K Lese- und Schreibraten sind jedoch nicht aussagekräftig da vom Chipsatz limitiert. Die Vertex 2 erreichte hier deutlich bessere Ergebnisse im Test. 4K Transferraten mit 64 Threads sind jedoch wieder aussagekräftig und bescheinigen der Runcore Pro V eine gute Leistung auf Höhe der anderen SSDs. Besonders schreibend kann sie sich hinter der Vertex 2 (mit modifizierter Firmware) plazieren, mit deutlichen Abstand zur Intels und Samsungs SSDs. 

Bei den 4K Tests des CrystalDiskMark zeigt sich ein ähnliches Bild. Besonders die Schreibperformance der Sandforce basierten SSDs kann überzeugen (4K und 512K).

AS SSD Transfer Raten (4k Werte nicht aussagekräftig da limtiert).
AS SSD Transfer Raten (4k Werte nicht aussagekräftig da limtiert).
CrystalDiskMark 4K, ebenfalls limitiert
CrystalDiskMark 4K, ebenfalls limitiert

Der errechnete Gesamtscore beim AS SSD Benchmark zeigt die Leistungsfähigkeit der Sandforce und Intel SSDs. Besonders die Schreibtests können die Vertex 2E und die Runcore Pro V auszeichnen und dadurch setzen sich beide knapp vor der Intel an die Spitze.

Beim eigenständigen Kopierbenchmark im AS SSD Tool werden in drei verschiedenen Szenarien praxisübliche Dateien (Spiele-, Programm- und ISO-Daten) dupliziert. Bei den gemessenen Übertragungsraten kann sich die Samsung SSD besonders auszeichnen. Die Runcore V ist hier auf dem Niveau der Vertex 2 und der Intel X25-M.

Punktewertungen des AS SSD Benchmarks
Punktewertungen des AS SSD Benchmarks
Kopiertest des AS SSD Benchmarks
Kopiertest des AS SSD Benchmarks

Die kurzen Zugriffszeiten sind einer der Hauptgründe für die gefühlt schnelle Performance mit SSD Laufwerken. Traditionelle Festplatten (bzw. wie hier im Test nicht konditionierte Hybrid-Platten beim 1. Durchlauf) sind mindestens den Faktor 25 langsamer. Vergleicht man die SSDs untereinander, dann können sich die Intel SSDs deutlich von der Konkurrenz absetzen. Hier dürfte die automatische Komprimierung der Daten bei den Sandforce SSDs  die Zugriffszeiten erhöhen. Trotzdem sind sie vergleichbar mit den Ergebnissen der Samsung SSD (welche beim Lesen schneller, aber beim Schreiben langsamer ist).

AS SSD Benchmark Zugriffszeiten
AS SSD Benchmark Zugriffszeiten
h2benchw Zugriffszeiten
h2benchw Zugriffszeiten
ATTO Lese- und Schreibleistung
ATTO Lese- und Schreibleistung

Im ATTO Test erreichen SSDs meist die beworbenen maximalen Schreib- und Leseraten. Die Runcore Pro V, Vertex 2 und Intel X25-M erreichten im Test ungefähr vergleichbare Leseraten. Die Intel startet am Besten und wird dann von der Vertex 2 überholt. Die Runcore V braucht am längsten um "auf Touren" zu kommen, kann aber dann ab 256 KB Transfergröße die Führung übernehmen.

Beim Schreiben ist die Sachlage interessanterweise umgekehrt. Hier startet die Runcore V besser, die Vertex 2 übernimmt dann jedoch knapp die Führung. Die Intel SSDs bleiben aufgrund der Schreiblimitierung deutlich zurück.

ATTO Lese- und Schreibleistung im Vergleich
ATTO Lese- und Schreibleistung im Vergleich

Bei den Anwendungsprofilen IOMix und Workstation des IOMeter Tools können die beiden Sandforce basierten SSDs ihre Stärke beweisen. Mit deutlichem Abstand verweisen Sie die bereits sehr starken Intel SSDs auf die Ränge.

IOMeter: Profil IOMix 5min
IOMeter: Profil IOMix 5min
IOMeter: Profil Workstation 5min
IOMeter: Profil Workstation 5min

Beim PCMark Vantage wird die Systemleistung des gesamten Rechners gemessen. Wir betrachten den Gesamtscore und auch den Festplatten Teilbereich. Hier kann die Runcore Pro V die Samsung SSD knapp schlagen und erreicht eine vergleichbare Leistung wie die Intel X25-M (nicht im Chart da ohne Speedstep). Die Vertex 2 schafft trotzdem noch einen deutlich besseren HDD Score.

Bei den Gesamtpunkten ist die Runcore Pro V jedoch nur noch sehr knapp hinter der Vertex 2 auf dem 2. Platz.

Fazit

Runcore Pro V 200GB - sehr empfehlenswert

Die Runcore Pro V gehört dank dem schnellen Sandforce 1200 Controller zu den schnellsten SSDs am Markt. Trotz der durch unser Testsystem eingeschränkten Leistung, kann die SSD in allen Benchmarks überzeugen und sich im Schnitt knapp vor die Intel X25-M setzen. Die OCZ Vertex 2 bleibt aufgrund einer leicht modifizierten Firmware knapp vor der Runcore Pro V. Der avisierte Gegner von OCZ wäre auch die Agility 2, welche eine zur Runcore V vergleichbare Leistung zeigen sollte.

Größter Nachteil der Runcore Pro V ist die noch sehr spärliche Verfügbarkeit. In Europa sind die SSDs derzeit nur bei 8 Shops erhältlich. Preislich startete die Runcore Pro V über der Intel X25-M. Wie bei der Vertex 2 wurden aber gerade die Preise deutlich nach unten korrigiert. Seit 21. September sind die SSDs mit folgenden Listenpreisen geführt:

  • 60GB $159
  • 120GB $299
  • 240GB $529

Im Vergleich zu den Vertex 2 bzw. Agility 2 Listenpreisen schlägt sich die Runcore Pro V dadurch sehr gut. Nun müssen noch die Shops nachziehen um ein attraktives Preisgefüge zu schaffen.

Runcore Pro V - Sandforce 1200 SSD
Runcore Pro V - Sandforce 1200 SSD
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Autor: Klaus Hinum, 22.09.2010 (Update:  6.06.2013)
Klaus Hinum
Klaus Hinum - Founder, CTO - @klaushinum
Als Gründer von Notebookcheck und Tech-Enthusiast kümmere ich mich hauptsächlich um technische Themen und auch die Weiterentwicklung unserer Plattform. Direkt nach dem Doktorat in Informatik startete ich Vollzeit bei Notebookcheck durch.