Notebookcheck

Test Seagate GoFlex Thunderbolt Adapter

Tobias Winkler, Stefanie Voigt, 02.05.2012

Thunderbolt für jedermann? Obwohl die Thunderbolt Schnittstelle bereits in vielen Macs zu finden ist, bleibt diese meist ungenutzt. Grund dafür ist das sehr überschaubare Peripherieangebot, das sich bisher entweder als kaum erschwinglich oder arg speziell herausgestellt hat. Ob Seagates Thunderbolt Adapter besser für den Massenmarkt geeignet ist, haben wir in folgendem Test genauer unter die Lupe genommen.

Die gemeinsame Schnittstellenentwicklung von Intel und Apple kommt seit der Einführung mit dem MacBook Pro Anfang 2011 nicht so richtig in die Gänge. Passende Peripherie war zu Beginn so gut wie gar nicht verfügbar, lediglich wenige Ankündigungen mit vagen Verfügbarkeitsdaten konnte man präsentieren. Inzwischen sind Apples Thunderbolt Display, einige Raid-Systeme und auch verschiedene Adapterlösungen lieferbar und füllen so langsam die Angebotsregale.

Thunderbolt wird vor allem von Apple verstärkt in Rechnern eingesetzt, da man dort weder USB 3.0 noch eSata als schnelle Schnittstelle unterstützt. Somit hat Thunderbolt einerseits die Aufgabe, die inzwischen nicht mehr ausreichend leistungsfähigen Firewire-Anschlüsse zu ersetzen und zudem die Anzahl der benötigten Schnittstellen an den Rechnern zu minimieren. Das ermöglicht den Bau kompakterer Gehäuse, insbesondere bei Notebooks, und senkt natürlich den Herstellungsaufwand. Die Thunderbolt Technologie ermöglicht die gleichzeitige Übertragung von bis zu 10 Gbit/s in entgegengesetzte Richtungen (I/O) und bietet damit genügend Geschwindigkeit, um über ein einziges Kabel eine Vielzahl von verschiedenen Peripheriegeräten ansprechen zu können. Externe Geräte haben daher in der Regel zwei Anschlüsse und können wie bei FireWire in Reihe geschaltet werden. Ein weiterer Vorteil ist, dass sowohl das PCIe-Protokoll als auch das Displayport-Protokoll unterstützt werden. Dadurch können nahezu alle erdenklichen Arten externer Peripherie inklusive Displays über diesen einen Anschluss in das System eingebunden werden. Weitere technische Details sind auf Intels Thunderbolt Homepage zu finden.

Allgemeines/ Stromversorgung

Bild Intel: Thunderbolt-Kabel
Bild Intel: Thunderbolt-Kabel
Bild Intel: Arbeitsweise/ Performance
Bild Intel: Arbeitsweise/ Performance

Seagates Thunderbolt Adapter für die GoFlex-Serie ist zum Testzeitpunkt nur über den Apple Store erhältlich. Der Preis liegt bei happigen 119 Euro inklusive Versand. Dazu kommt dann noch ein Thunderbolt Kabel, das mit weiteren 50 Euro zu Buche schlägt. Bedenkt man, dass auch sonstige externe Festplattensysteme wie z. B. LaCies Little Big Disk oder Western Digitals My Book Duo ebenfalls ohne Thunderbolt Kabel geliefert werden, relativiert sich die Gesamtanschaffung zwar etwas, täuscht aber nicht darüber hinweg, dass Thunderbolt derzeit noch eine sehr teure Angelegenheit ist. 

Eine weitere Einschränkung ist, dass Seagates Adapter lediglich über einen Thunderbolt Anschluss verfügt und somit immer am Ende der Kette (wenn mehrere Thunderbolt Geräte in Reihe geschaltet sind) betrieben werden muss. Das Gewicht liegt bei etwa 90 g (Adapter) + 70 g (Kabel) + 140 g (GoFlex 500 GB) = 300 g und übertrifft damit viele externe Festplatten in 2,5-Zoll-Bauform. Im Betrieb wird die Erweiterung handwarm und zeigt, dass die üppig gewählte Gehäuseform mit ihren Kühlöffnungen schon Sinn macht. Unsere netzseitig durchgeführten Stromverbrauchsmessungen bei ruhendem Desktop bescheinigen dem Thunderbolt Adapter bereits beim Nichtstun einen hohen Energiebedarf. Während unser MacMini im Idle mit 9,6 Watt auskommt, steigt der Stromverbrauch mit Seagate GoFlex 500 GB und USB-3.0-Adapter (am USB-2.0-Port angeschlossen) auf moderate 10,7 Watt (Idle). Wählt man jedoch stattdessen den Thunderbolt Adapter, so genehmigt sich das Gespann satte 16,9 Watt. Das sind 7,3 Watt mehr als regulär und wird bei den MacBooks die Akkulaufzeit dramatisch reduzieren. Für den Mobilbetrieb ist das Konzept daher alleine aus diesem Grund schon nicht zu empfehlen.

Performance

Wir haben Seagates Lösung - wie vom Hersteller vorgesehen - als erstes mit der bereits genannten GoFlex-Festplatte (500 GB, 5400 U/min) getestet.  Hier kann maximal die Performance weitergegeben werden, die das interne Laufwerk (ST9500325AS) imstande ist zu leisten. Die mit xBench ermittelten Werte erreichen 75 MB/s beim Lesen und 69 MB/s beim Schreiben und reizen damit die Leistungsfähigkeit der Festplatte aus. Thunderbolt wird übrigens auch unter Windows (MacMini mit Bootcamp) problemlos erkannt und liefert nahezu identische Ergebnisse.

Es sieht zwar nicht wirklich vertrauenserweckend aus, das Anschließen interner Speicherlaufwerke ist aber dennoch eine durchaus praktikable Möglichkeit, vorhandene Massenspeicher vor allem an Macs mit Thunderbolt Geschwindigkeit zu betreiben. Wir haben verschiedene SSDs und Festplatten getestet, die alle mit ihrer nativen Geschwindigkeit angesprochen werden konnten. Die für FireWire 800 übliche Grenze von 80 MB/s fällt und bietet vor allem den von uns getesteten SSDs freien Lauf. Intels SSD 320 mit 120 GB erreichte 243 MB/s beim sequentiellen Lesen und 130 MB/s beim sequentiellen Schreiben. Die etwas ältere Kingston SSD brachte mit 155 MB/s (Lesen) und 73 MB/s (Schreiben) zwar nicht ganz die Leistung wie unter Windows, agiert aber immer noch deutlich schneller als in einem FireWire-Gehäuse.

mobile Festplatten für den Mac im Vergleich
mobile Festplatten für den Mac im Vergleich

Fazit

Thunderbolt bringt endlich hohe Geschwindigkeiten externer Geräte zu den Macs. Seagates Adapterlösung ist, wie schon in vorangegangenen Tests festgestellt, eine sehr ansprechende Schnittstellenkonzeption, die Massenspeicher für nahezu alle Anschlussarten einsatzbereit macht. Profitieren werden von der getesteten Thunderbolt Erweiterung vor allem Mac User, die bereits Geräte der Seagate-GoFlex-Serie besitzen und so nun ihren Gerätepark ausbauen wollen.

Der Griff nach Geschwindigkeit hat jedoch seinen Preis: Seagates Thunderbolt Adapter ist groß, teuer, energiehungrig und wird ohne Kabel geliefert. Zudem bietet Seagate derzeit nur konventionelle Laufwerke für das Schnittstellensystem, was die eigentlichen Möglichkeiten deutlich bremst. Für das gelegentliche Nutzen interner  Laufwerke scheint der Thunderbolt Adapter aber gut geeignet zu sein und öffnet so zumindest die Hintertür für schnelle externe Massenspeicher an Macs.

» Die Seagate Thunderbolt Erweiterung ist derzeit bei Amazon.de nicht erhältlich.

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Im Test:  Seagate GoFlex Thunderbolt Adapter.
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Seagate GoFlex: flexibles Schnittstellensystem
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nun auch mit Thunderbolt-Adapter erweiterbar
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Das Adaptergehäuse ist realtiv groß und verfügt über eine Vielzahl an Kühlöffnungen.
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Mit Kabel und passender Festplatte erreicht unsere Testkonfiguration ein Gewicht von 300 g.
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Die Sata-Schnittstelle am Adapter ermöglicht auch den Anschluss interner Laufwerke.
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Vor allem SSDs profitieren von der sehr guten Leistungsfähigkeit.
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Ein Thunderboltkabel befindet sich nicht im Lieferumfang und kostet noch mal 50 Euro extra.
Ein Thunderboltkabel befindet sich nicht im Lieferumfang und kostet noch mal 50 Euro extra.
Ein zusätzlicher USB-3.0-Adapter ist deutlich günstiger, am Mac aber nicht nutzbar.
Ein zusätzlicher USB-3.0-Adapter ist deutlich günstiger, am Mac aber nicht nutzbar.

Shortcut

Was uns gefällt

Hohe Geschwindigkeiten am Mac und damit eine gute Alternative zu FW800, USB 3.0 und eSata.

Was wir vermissen

Bessere mobile Eigenschaften.

Was uns verblüfft

Das sehr exklusive Preisgefüge.

Die Konkurrenz

Elgato Thunderbolt SSD, LaCie Little Big Disk, Western Digital My Book Thunderbolt Duo.

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Autor: Tobias Winkler,  2.05.2012 (Update: 28.06.2018)