Apple-Chairman Tim Cook: „Ich mische mich bei Ternus nicht ein“

Was macht eigentlich ein ehemaliger Apple-Chef, während sein Nachfolger das erste große Produktjahr stemmt? Tim Cook hat darauf jetzt eine klare Antwort gegeben, und sie läuft auf einen Satz hinaus: „Ich mische mich nicht ein. Ich bin keiner, der sich einmischt.“ Das sagte der heutige Executive Chairman diese Woche im Interview mit The Independent, geführt in Apples Londoner Zentrale in der Battersea Power Station.
Anlass des Besuchs war eine erweiterte Partnerschaft mit The King's Trust, der Jugendstiftung von König Charles III., der dafür ebenfalls nach Battersea kam. Unter dem Namen Apple x King's Trust Creative Labs bietet Apple jungen Menschen zwischen 18 und 30 Jahren Workshops mit Fachleuten aus dem eigenen Haus an. Die erste Gruppe umfasst bis zu 20 Teilnehmer, weitere sollen im Lauf des nächsten Jahres folgen.
Interessanter als der Anlass ist allerdings, was Cook über den Wechsel selbst erzählt. Die Übergabe an John Ternus habe „eigentlich schon vor Jahren begonnen“, Apple habe den besten Führungswechsel überhaupt hinlegen wollen – ein Lehrbuchbeispiel, auf das andere später zurückblicken können. Auch das Timing war geplant: Dass Ternus' Amtszeit am 1. September begann und er wenige Tage später das iPhone Duo vorstellen durfte, war Absicht. Cook wollte, dass sein Nachfolger Rückenwind hat, und der komme bei Apple nun einmal aus dem Produktzyklus.
Politik statt Tagesgeschäft
Seine eigene Rolle beschreibt Cook als die eines Außenpolitikers, wenn man so will. Er konzentriere sich auf weltweite Politik und den Austausch mit Regierungen, weil Apple an vielen Stellen Veränderungen anstoßen oder dafür werben wolle – und das sei eine Menge Arbeit. Ternus helfe er, wo dieser es wünsche. Die Grundlage dafür sei ein großes gegenseitiges Vertrauen und eine häufige, substanzielle Kommunikation.
Und sein Rat an den Nachfolger? Ternus solle den Job zu seinem eigenen machen, sagt Cook, und das heiße: ihn nicht zu imitieren, so wie er selbst Steve Jobs nicht imitiert habe. Der Satz hat Geschichte. Jobs hatte Cook 2011 mitgegeben, sich nie zu fragen, was Steve an seiner Stelle tun würde. Diese Freiheit reicht Cook jetzt weiter.
Was die Worte wert sind
Natürlich sagt ein Chairman so etwas, das gehört zum Ritual eines geordneten Wechsels. Ob es stimmt, zeigt sich an Entscheidungen, nicht an Interviews. Die ersten Signale sprechen für Cook: Ternus baut die Führungsebene bereits um, zuletzt mit einem neuen Chef für Übernahmen und einem neuen Vizepräsidenten für den App Store, wie Bloomberg berichtet. Zudem soll er schnellere Produktstarts und flachere Hierarchien planen. Das klingt nicht nach einem CEO, der auf Zuruf aus dem Board arbeitet.
Die eigentliche Probe steht trotzdem noch aus. Mit den für Oktober erwarteten Neuheiten, darunter das MacBook Pro mit OLED-Display, bringt Ternus sein erstes großes Produktpaket als CEO auf die Bühne. Cook hat ihm den Rückenwind organisiert – segeln muss Ternus selbst.




