Bilibili expandiert weltweit und fordert YouTube, Crunchyroll und weitere Plattformen heraus

Bilibili wurde 2009 gegründet und begann ursprünglich als Nischen-Videocommunity für Fans von Anime, Comics und Gaming, bevor die Plattform massiv wuchs und sich zu einer der größten digitalen Unterhaltungsplattformen Chinas entwickelte. Bilibili wird häufig als Chinas Antwort auf YouTube bezeichnet und zählt rund 376 Millionen monatlich aktive Nutzer.
Die Plattform ist für ihre von den Nutzern geprägte Kultur, ihre vielfältigen Lifestyle- und Bildungsinhalte sowie für die in Echtzeit über Videos eingeblendeten, schwebenden „Bullet Comments“ bekannt. Nach dem großen Erfolg im Heimatmarkt expandiert Bilibili nun über die chinesischen Grenzen hinaus und startet eine koordinierte internationale Offensive, um Zuschauer und Creator aus aller Welt zu gewinnen.

Im Rahmen dieser Expansion hat Bilibili eine aktualisierte internationale App für Android veröffentlicht. Sie steht jetzt im Google Play Store zum Download bereit und verzeichnet bereits mehr als 5 Millionen Downloads (Stand: 21. August, 8:00 Uhr). Die App ist derzeit nur in ausgewählten Regionen verfügbar. So kann sie beispielsweise weder in Indien noch in Rumänien, einem EU-Mitgliedstaat mit knapp 20 Millionen Einwohnern, heruntergeladen werden.
Bilibili verspricht, dass eine iOS-Version bald folgen soll. Außerdem sollen im Laufe der Zeit weitere Länder Zugriff erhalten. Die internationale Version ist an ihrem pinkfarbenen App-Symbol mit einem kleinen Globus in der oberen linken Ecke zu erkennen. Sie bietet einen vereinfachten Anmeldeprozess, bei dem keine Identitätsprüfung erforderlich ist.
Damit entfällt die bisherige Vorgabe, nach der Nutzer aus dem Ausland einen Reisepass oder Personalausweis einreichen mussten. Als Reaktion auf eine Nutzerfrage auf X bestätigte Bilibili außerdem, dass die internationale App nicht von der chinesischen Plattform getrennt ist. Nutzer aus aller Welt können somit direkt chinesische Videos ansehen. Das Team hat Nutzer zudem in seinen offiziellen Discord-Server eingeladen, um Feedback zu sammeln und Probleme zu melden.
Laut einem Bericht von Semafor arbeitet Bilibili derzeit an einer englischsprachigen Website. In Präsentationsunterlagen, die an Creator verteilt wurden, präsentiert das Unternehmen die Plattform als direkten Zugang zu einem jungen, gebildeten Gen-Z-Publikum. Aus den Unterlagen geht außerdem hervor, dass ein internationaler Creator-Marktplatz entwickelt wird, der Content-Erstellern dabei helfen soll, Markenkooperationen und Sponsoring-Deals zu erhalten.
Auch bekannte westliche Creator, darunter MrBeast, veröffentlichen bereits Videos auf Bilibili. Während Bilibili internationale Talente gewinnen möchte, bleiben Piraterie und der Schutz von Urheberrechten ein erkennbares Problem. Als Creator auf X auf frühere Fälle unerlaubter Reuploads und von Piraterie hinwiesen, erklärte das Bilibili-Creator-Hub-Konto, dass sich das Team intern mit diesen Bedenken befassen und Meldungen über Urheberrechtsverletzungen ernst nehmen werde, während die Plattform weltweit expandiert.

Auch die Stellenausschreibungen zeigen, dass Bilibili aktiv Community Manager in wichtigen Städten weltweit sucht, darunter Los Angeles, London, Tokio, Mexiko-Stadt, São Paulo und Istanbul. Darüber hinaus entwickelt das Unternehmen in Singapur KI-gestützte Systeme zur Moderation von Inhalten, wie aus einer entsprechenden Stellenausschreibung hervorgeht.
Während die weltweite Expansion Bilibili in eine stärkere direkte Konkurrenz zu YouTube bringt, könnte die Ausweitung auf internationale Märkte auch regulatorische Fragen rund um die Moderation von Inhalten und die Datensicherheit aufwerfen. Das gilt insbesondere vor dem Hintergrund, dass bestimmte Märkte den Zugang Minderjähriger zu sozialen Netzwerken inzwischen einschränken.
Quelle(n)
Semafor, Bilibili X-Konto, Google Play, Bilibili.tv






