Mindestens im Chemieunterricht gibt es eine sehr hilfreiche und im Prinzip auch realitätsgetreue Regel: Chemische Elemente bleiben als solche auch unabhängig von (chemischen) Reaktionen erhalten. So können Elemente zwar etwa oxidiert, allerdings nicht vernichtet oder neu erzeugt werden. In der Natur und auch in der Technik ist dies aber möglich: Der Begriff der Transmutation beschreibt die Elementumwandlung, also die Umwandlung eines chemischen Elements in ein anderes. Solche Transmutationen treten etwa bei Kernwaffenexplosionen oder der Kernspaltung in Atomkraftwerken auf, aber auch beim natürlichen Zerfall radioaktiver Substanzen oder der Kernfusion in der Sonne. Theoretisch ist es damit möglich beziehungsweise denkbar und auch dokumentiert, etwa Gold aus weniger wertvollen Stoffen zu erzeugen - und damit ein Ziel der Alchemie zu erreichen.
Das amerikanische Start-up Marathon Fusion hat nun eine Möglichkeit gezeigt, wie sich Gold als Nebenprodukt bei der Kernfusion herstellen ließe. Dabei handelt es sich noch um ein wissenschaftliches Paper, das auch noch keinem formalen Peer-Review unterzogen wurde. Ein hohes Maß an Skepsis ist dementsprechend noch angebracht, allerdings handelt es sich bei der Kernfusion um einen Prozess, der eben auch perspektivisch zur Energieerzeugung eingesetzt werden soll - allerdings ist die Technik trotzt jahrzehntelanger Forschung noch nicht produktiv zur Stromerzeugung nutzbar.
Die von Marathon Fusion gezeigte Möglichkeit nutzt 198Hg, welches dann zu 197Hg wird - und dann mit einer Halbwertzeit von knapp drei Tagen in das stabile Gold-Isotop 197Au zerfällt. Vorteilhaft an dieser Methode wäre der direkte Zerfall in ein stabiles Isotop. Je Gigawatt erzeugter Energie sollen sich damit 5.000 Kilogramm Gold im Jahr erzeugen lassen - beim aktuellem Goldpreis wäre diese Menge Gold über 450 Millionen Euro wert. Mit diesem Nebenprodukt ließ sich die Rentabilität der Stromerzeugung entsprechend erhöhen. Zum Vergleich: Das Kernkraftwerk Olkiluoto mit einer Leistung von 3,55 Megawatt kostete rund 11 Milliarden Euro - und dabei handelt es sich um ein Atomkraftwerk und keinen Fusionsreaktor und damit um einen grundsätzlich bekannten, verbreiten und erforschten Anlagentyp zur Energieerzeugung.
Quelle(n)
Marathon Fusion, Bild von Peter Schmidt auf Pixabay










