
Nostalgie pur mit moderner Technik: Gothic 1 Remake im Test
Voller Erfolg?
Nach jahrelanger Wartezeit ist das Remake von Gothic 1 nun endlich erschienen. Wenngleich es noch den ein oder anderen Stolperstein gibt, sind die meisten Käufer bisher zufrieden mit der Neuauflage. Auch wir haben uns erwartungsvoll in die raue Dark-Fantasy-Welt gestürzt.Florian Glaser 👁 Veröffentlicht am
Gameplay & Technik
Als Gothic-Liebhaber der ersten Stunde hat die damalige Ankündigung eines Remakes erst einmal für zwiespältige Emotionen gesorgt. Einerseits war natürlich die Hoffnung auf eine gelungene Wiederkehr mit schönerer Grafik vorhanden. Andererseits stand die Frage im Raum, ob das neue Studio das usprüngliche Flair überhaupt adäquat transportieren kann. Um es gleich vorwegzunehmen: In unseren Augen ist letzteres Ziel definitiv gelungen. Das beginnt schon im Hauptmenü, wenn einen die bekannte sowie stimmungsvolle Originalmusik begrüßt. Auch kurz nach den ersten Spielminuten wird klar, dass die Macher von Alkimia Interactive das Erbe von Piranha Bytes ernst nehmen und sich (trotz einiger kleiner Ungereimtheiten bzw. Bugs) redlich Mühe gegeben haben.
So erinnert fast alles an das Original, sei es nun der raue Ton der Charaktere, der knackige Schwierigkeitsgrad oder die packende Atmosphäre, wobei uns der Umstieg auf einen deutlich gestättigeren Farbton etwas übertrieben erscheint und ein klein wenig an der eher trist gehaltenen Vorlage kratzt. An anderer Stelle sind die Änderungen bzw. Verbesserungen gerne gesehen. Das Inventar lässt sich jetzt beispielweise angenehmer bedienen und es gibt mehr Komfortfunktionen, ohne den Anspruch des Spiels zu mindern respektive es zu "casual" erscheinen zu lassen. Gothic ist und bleibt ein knackiges Rollenspiel, das Fehler kaum verzeiht und eine gewisse Einarbeitung in die Welt und die Mechaniken erfordert, wenngleich man jetzt einen Tick besser herangeführt wird. Insgesamt gelingt den Entwicklern eine gute bis sehr gute Kombination aus Alt und Neu, so dass sowohl Serienkenner als auch Frischlinge angesprochen werden.
Die Spielwelt punktet erneut mit einem sehr organischen und glaubwürdigen Aufbau bzw. Umgebungsdesign und besticht durch eine tolle Mischung aus Story, Kampf, Schleichen, Erkunden bzw. Entdecken und Handeln. Das Wirtschaftssystem ist dabei so ausgelegt, dass jedes gekaufte bzw. verkaufte Item von Relevanz ist und man nicht - wie in anderen RPGs häufig - nach kurzer Zeit in Saus und Braus lebt. Das eher behäbig wirkende Kampfsystem wird für manche Spieler etwas gewöhnungsbedürftig sein, fällt aber anspruchsvoll im positiven Sinne aus und motiviert zum Verbessern des Charakters. Dass sich die Bedienung generell etwas clunky anfühlt, erinnert ebenfalls an die Vorlage. Das Skill-System bietet einen schönen Umfang und fast jedes Upgrade wirkt sich spürbar aus, was die Langzeitmotivation noch weiter steigert.
Grafisch gibt es abgesehen davon, dass viele Sammelobjekte aufgrund der Masse an Vegetation oft kaum erkennbar sind, fast nichts zu meckern. Umgebung und Figuren sind nicht nur ungemein detailliert, sondern begeistern auch durch meist sehr scharfe Texturen. Dank der extrem umfangreichen bzw. dichten Flora und Fauna erreicht der Titel eine erstklassige Atmosphäre, die zusätzlich vom Wetterwechsel und dem Tag/Nacht-Zyklus profitiert. Allerdings hat die zugrunde liegende Unreal Engine 5 mal wieder mit den üblichen Nachlade- respektive Zwischenrucklern zu kämpfen - selbst bei starken Systemen. Ansonsten lief das Remake auf unserem Testgerät mit Core i9-13900K, GeForce RTX 4080 und 48 GB RAM recht flüssig beim Einsatz von 3.840 x 2.160 Pixeln, DLSS Quality und sehr hohen Details.
Apropos Settings: Das Grafikmenü enthält jede Menge Stellschrauben, um die Optik an die eigenen Bedürfnisse und den eigenen Rechner anzupassen. Wie zu erwarten sind verschiede Upscaling-Techniken an Bord, sei es nun TSR, XeSS, FSR oder eben DLSS. Opional steht auch Frame Generation zur Verfügung. Im Verlauf des Menüs finden sich dann noch Schalter für das Post-Processing, die Farbkorrektur und die Render-Qualität, welche über 10 Einzelsettings umfasst, die sich in einem Rutsch per Preset umstellen lassen. Änderungen werden dabei direkt ohne Neustart übernommen, was natürlich praktisch ist. Als etwas nervig entpuppt sich nur, dass Auflösungen abseits der nativen im Fenstermodus dargstellt werden (müssen).
Fazit - Ein würdiges Erbe
Während man beim Anblick des Originals inzwischen fast Augenkrebs bekommt, sieht die Neuauflage einfach wunderschön aus. Spielerisch und atmosphärisch bleibt das Remake den Gothic-Wurzeln größtenteils treu, so dass man hier von einem gelungenen Projekt sprechen kann, welches die meisten Serien-Fans zufriedenstellen wird und die Marke in ein neues Zeitalter führt - auch ohne das ursprünglichen Entwicklerstudio, was durchaus eine Leistung ist und Respekt verdient.

















