Opera gehört seit 1994 zum Internet dazu. Der Browser bietet heute alles, was man sich wünscht: Werbeblocker, VPN und Social-Media-Integrationen. Mit der neusten Version sind auch starke KI-Tools hinzugekommen. Alledings haben wir vor Kurzem ein seltsames Verhalten festgestellt.
Nach der Installation von AdGuard Home im eigenen Netzwerk fiel auf, dass bestimmte Seiten plötzlich nicht mehr erreichbar waren. Während Links von anderen Seiten zum Ziel normal funktionierten. Zum Beispiel führte die direkte Eingabe von "notebooksbilliger.de" in die Opera-Adresszeile zu Fehlermeldungen. Was genau passierte, war, dass Opera die eingegebene Adresse abänderte. In diesem Fall zu "[https:]//pc[.]com/h/0Hu30v_R0PDm&model=cpc&subid=pc-de-takeads-notebooksbilliger-ab". Mit der Umleitung wird ein Cookie als Affiliate-Partner gesetzt, Opera verdient damit bei einem Einkauf eine kleine Provision.
Auch bei Amazon, Otto.de und kaufland.de konnten wir feststellen, dass Opera die Adresseingabe aktiv manipuliert, um über Affiliate-Marketing Geld zu verdienen. Opera selbst bietet einen Tracking-Schutz an, wobei dieser ironischerweise Operas eigene Affiliate-Links und Cookies manchmal durchlässt. Eine Suche in diversen Foren bestätigte die Probleme. Das Verhalten überschreitet die Grenze zwischen einem neutralen Werkzeug (Browser) und einem aktiven Werbevermittler. Wer das Verhalten unterbinden möchte, findet die Lösung tief in den Einstellungen: Unter dem Punkt "Verbesserte Adressleiste" muss die Option "Werbevorschläge anzeigen" deaktiviert werden. Ein deutlicherer Hinweis wäre für einen Browser, der sich Privatsphäre auf die Fahne schreibt, wünschenswert.
In den Datenschutzbestimmungen und Nutzungsbedingungen findet man zwar allgemeine Hinweise auf Monetarisierung und Werbepartner, doch der aktive Eingriff in die manuelle Adresseingabe wird nicht explizit erwähnt. Insgesamt finden wir nur folgenden Text:
Unsere Dienste sind werbefinanziert. Alle unsere Dienste werden grundsätzlich kostenlos angeboten. Opera entstehen dabei erhebliche Kosten für Entwicklung, Kollokation und Bandbreite. Um unser Geschäft zu unterstützen und dir die Dienste weiterhin kostenlos zur Verfügung zu stellen, zeigen wir dir Werbung von ausgewählten Partnern an.
Dass Opera Geld verdienen muss, um die Entwicklung und die Gehälter der Angestellten zu finanzieren, ist absolut legitim. Niemand erwartet ein komplexes Produkt geschenkt. Allerdings ist die Adresszeile für viele das heiligste Werkzeug im Browser – man erwartet dort Neutralität. Ein so massiver Eingriff in die Nutzereingabe sollte klarer kommuniziert werden. Mehr Transparenz in den Datenschutzbestimmungen und ein offenerer Umgang mit diesen „Shopping-Features“ würden dem Image des Browsers sicher guttun.










