Zuverlässiges Blutdruckmessen ohne Manschette und Kalibrierung: Ein neuer Smart Ring verspricht das Unmögliche

Die Geschichte, erzählt von Bloomberg, klingt wie ein Märchen. Ein laut eigener Aussage fast an undiagnostizierter Hypertonie (Bluthochdruck) verstorbener Techniker aus Kalifornien gründet ein Startup das sich fortan der Revolution der Blutdruckmessung widmet und drei Jahre später mit dem Signal Ring auf den Markt kommt. Aktuell werben zwar viele Hersteller mehr oder weniger direkt mit einer Blutdruckmessung ohne klassische Manschetten am Oberarm, doch abgesehen von der Huawei Watch D2 (hier bei Amazon erhältlich) und ähnlichen Produkten, die eine aufblasbare Manschette am Handgelenk mitbringen, müssen eigentlich alle regelmäßig mit klassischen Blutdruckmessgeräten kalibriert werden.
Auch 2026 messen also letztlich fast alle Personen, die an hohem oder schwankenden Blutdruck leiden in der einen oder anderen Form mit einer Technologie aus dem 19. Jahrhundert. Laut Vital Signal CEO Tom Moss sind auch die mit herkömmlichen Messmethoden ermittelten Blutdruckwerte tendenziell unzuverlässig, weil sie stark Situations- und messabhängig sind und etwa durch falsches Tragen der Manschette, Nervosität oder Kaffeegenuss vor der Messung verfälscht sein können.

Rund-um-die-Uhr-Messung
Genau hier soll der neue Signal Ring ansetzen, denn er bietet neben einer Echtzeitmessung rund um die Uhr inklusive Analyse beim Schlaf auch eine gezielte Messung unter kontrollierten Bedingungen, dem sogenannten Zen Mode. Die Daten landen in einer Android- oder iOS-App, auch die Synchronisierung mittels Google Health oder Apple Health wird unterstützt. Für uns nicht ganz nachvollziehbar ist, wie die Messung konkret genauer als bei anderen Herstellern mit PPG-Sensorik (Photoplethysmographie) ausfallen soll. Weder bei Bloomberg noch auf der brandneuen Produktseite für den Signal Ring sind konkrete technische Details hierzu zu finden.

Hersteller verspricht mehr Genauigkeit
Keine Manschette und keine Kalibrierung - beides verspricht der Hersteller mit klaren Worten auf seiner Webseite. Die konkret genannten Versprechungen basieren offenbar auf einem vier bis fünfmal schnelleren Sensor als bei Konkurrenzprodukten, der eine höhere Auflösung bietet und den ermittelten Pulsdaten somit mehr Details entlocken kann. Darauf aufbauend sollen proprietäre Algorithmen korrekte Blutdruckwerte ermitteln. Mehr Details sind etwa hier nachzulesen. Ob das alles so stimmt bleibt unklar, Bloomberg erwähnt in einem kurzen Hands-On-Test durchaus inkorrekte Messergebnisse - potentiell aufgrund nicht korrekt passender Ringe.
Medizinische Studie an Universitäten
Interessant ist noch ein Hinweis im Bloomberg-Artikel auf eine laufende Studie an vier US-Universitäten, darunter auch Stanford. Der Hintergrund hierfür ist offenbar, dass neben der aktuell vorbestellbaren Consumer-Version des Signal Ring auch noch eine medizinisch validierte Version geplant ist, die dann auch zur Diagnose von Hypertonie geeignet ist. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass die aktuell verfügbare wohl eher nicht dafür gedacht ist.
Vorerst nur in den USA bestellbar
Wer dennoch schon jetzt die "Zukunft der Blutdruckmessung" erleben will, kann den Signal Ring auf der Webseite des Herstellers um 399 US-Dollar vorbestellen, im Oktober soll der Smart Ring dann vorerst exklusiv in den USA ausgeliefert werden. Ein Kit mit den Größen 5-13 wird noch in diesem Monat verschickt. Das nach IP68 staub- und wasserdichte Bluetooth LE Wearable bietet 5 Tage Akkulaufzeit mit Ladecase. Die App benötigt für die Analyse ständig eine Cloud-Verbindung, allerdings wird laut CEO niemals ein Abomodell eingeführt "solange Manschettengeräte auch keines haben".










