Kein Smartphone, das derzeit erhältlich ist, besitzt oder unterstützt einen Xenon-Blitz. Stattdessen nutzen Smartphones LEDs, um Fotos bei wenig Licht zu beleuchten, was in der Praxis einige gravierende Nachteile hat. Die fehlende Unterstützung für Blitze ist auch einer der größten Nachteile gegenüber dedizierten Kameras. Das könnte sich aber schon bald ändern, denn Samsung soll derzeit einen Sensor für Smartphone-Kameras mit globalem Verschluss entwickeln.
Warum funktionieren Blitze (bis jetzt) nicht mit Smartphones?
Dass Smartphones weder mit einem integrierten Xenon-Blitz ausgeliefert, noch mit Studio-Blitzen verwendet werden können, liegt an der Art und Weise, wie der Verschluss einer Smartphone-Kamera funktioniert. Bei einer herkömmlichen Kamera kommt ein Schlitzverschluss zum Einsatz, bei dem für einen kurzen Zeitraum der gesamte Sensor zu sehen ist, bevor ein Teil des Sensors durch den zweiten Verschlussvorhang verdeckt wird.
In diesem Zeitraum kann ein Blitz ausgelöst werden. Das klappt je nach Kamera meist bis zu einer Verschlusszeit von 1/320s, da bei noch kürzerer Belichtungszeit nie der ganze Sensor zu sehen ist. Das unten eingebettete Video vom YouTube-Kanal SlowMoGreg zeigt in Zeitlupe, wie ein herkömmlicher Schlitzverschluss funktioniert.
Einige Kameras, wie die Fujifilm X100 VI (ca. 1.800 Euro auf Amazon), nutzen einen Zentralverschluss im Objektiv, und können Blitze so mit einer Verschlusszeit von bis zu 1/4.000s synchronisieren. Smartphones lesen den Sensor dagegen elektronisch aus, und zwar Zeile für Zeile. Löst man währenddessen einen Blitz aus, wäre dieser nur auf jenem Teil des Sensors zu sehen, der währenddessen ausgelesen wird, sprich auf dem Foto wäre ein heller Streifen zu sehen.
Dadurch waren Blitze bisher inkompatibel mit Smartphones. Durch einen globalen Verschluss ändert sich das grundlegend, denn wenn alle Pixel zur gleichen Zeit ausgelesen werden, ist der ausgelöste Blitz auch auf allen Pixeln zu sehen. Dass das funktioniert, demonstriert schon die Sony A9 III, die durch einen globalen Verschluss Blitze mit einer Belichtungszeit von bis zu 1/80.000s synchronisieren kann.
Xenon-Blitze eröffnen eine Welt neuer Möglichkeiten
Smartphones brauchen nicht unbedingt einen Blitz, um brauchbare Fotos bei wenig Licht aufzunehmen – der Nachtmodus vieler Smartphones leistet dabei gute Arbeit, die LED-Leuchte reicht häufig aus, um ein Motiv auszuleuchten. Xenon-Blitze bringen aber auch abgesehen davon ganz neue Möglichkeiten mit sich. Allen voran kann das Umgebungslicht gänzlich durch einen Blitz ersetzt werden.
Da die Helligkeit von Blitzen nicht durch die Verschlusszeit beeinflusst wird, ist es möglich, Fotos aufzunehmen, die beispielsweise mit einer Belichtungszeit von 1/4.000s ohne Blitz einfach Schwarz wären. Da das gesamte Licht vom Blitz stammt, haben Fotografen so die volle Kontrolle über die Helligkeit, die Richtung und die Form des Lichts. Das erlaubt es nicht nur, Studio-Porträts mit schwarzem Hintergrund bei hellem Tageslicht aufzunehmen, mit entsprechenden Lichtformern können auch dramatische Effekte erzielt werden, ohne das Umgebungslicht dimmen zu müssen.
Blitze können Bewegungen einfrieren, da ein Blitz je nach Leistung unter 1/20.000s kurz ist – wird stattdessen eine derart kurze Verschlusszeit gewählt, wäre eine enorme Menge Licht erforderlich, um das Motiv noch ausreichend hell zu beleuchten. Blitze sind aber auch nützlich, um ein Motiv bei Tageslicht aufzuhellen, um beispielsweise harte Schatten zu verhindern, welche die Mittagssonne ansonsten verursachen würde.
Durch Sensoren mit globalem Verschluss haben Smartphones endlich die Möglichkeit, auch in diesem Bereich zu herkömmlichen Kameras aufzuschließen. Spätestens wenn Blitz-Fernsteuerungen wie der Profoto Connect Pro oder der Godox X3 auch mit Smartphones kompatibel sind, könnten diese in mobilen Fotostudios eine echte Alternative zu schwereren, größeren und teureren Kameras werden.
Quelle(n)
Eigene | Sisajournal
















