"Bait and Switch": FPGA-Entwickler kritisiert Plaion NeoGeo AES+

Das Neo Geo AES+ soll am 13. November 2026 wieder auf den Markt kommen. Dabei handelt es sich um eine moderne 1:1-Reproduktion der legendären Heimkonsole aus den 1990er-Jahren, die damals ein kleines Vermögen kostete. Die Vorbestellungen wurden vor wenigen Tagen gestartet: Die schwarze Standardversion liegt bei 250 US-Dollar, die weiße Jubiläumsausgabe fällt etwas teurer aus. Äußerlich bleibt das Design identisch, technisch gibt es jedoch Unterschiede – auch wenn ein FPGA-Entwickler behauptet, dass Plaion auf MiSTer-basierte FPGA-Kerne statt auf ASIC-Chips setzen könnte.
Zunächst stellte Plaion ausdrücklich klar, dass es sich beim Neo Geo AES+ weder um eine Emulationslösung noch um eine FPGA-basierte Nachbildung handelt. Laut Unternehmen kommt stattdessen neu entwickelte, überarbeitete ASIC-Hardware zum Einsatz, die Hard- und Software des Originals möglichst exakt nachbilden soll.
Während Plaion seine Beteiligung anfangs nicht bestätigt hatte, wurde inzwischen bekannt, dass die FPGA-Spezialisten Jotego und Furrtek – zwei etablierte Namen der Retro-Szene – an dem Projekt mitgewirkt und die Entwicklung der maßgeschneiderten ASIC-Chips unterstützt haben.
Furrtek ist unter anderem für den Neo CD SD Loader bekannt, der das Abspielen von Spielen ohne physische Discs ermöglicht, sowie für den Fusion Converter, mit dem sich MVS-Arcade-Module auf AES-Konsolen nutzen lassen.
In einem inzwischen gelöschten Social-Media-Beitrag äußerte sich Furrtek kürzlich zum Neo Geo AES+: „Der Neo Geo AES+ hat das Potenzial, das beste Gerät zu werden, seit SNK selbst keine Hardware mehr produziert. Perfekt vielleicht nicht, aber mit dem klaren Anspruch, es besser zu machen als reine Emulation, die Marke zu ehren und die Fans zu respektieren.“
Später präzisierte Furrtek, dass er mit „besser“ meinte, dass die neue Hardware mehr Möglichkeiten bietet, als es reine Emulation leisten kann. Dennoch sind nicht alle von diesem Ansatz überzeugt.
Der FPGA-Entwickler Pramod Somashekar vertritt die Ansicht, dass Plaion und SNK mit dem Neo Geo AES+ im Grunde eine Art Lockvogeltaktik verfolgen. In einem Beitrag auf X erklärte er:
„Das bedeutet im Kern, dass es sich um den MiSTer-Kern handelt, der statt auf einem FPGA auf mehrere ASICs verteilt wird. Das ist ‚Bait and Switch‘, insbesondere wenn das Marketing etwas anderes suggeriert. Ein ASIC ist eine fest verdrahtete Lösung, während ein FPGA dynamisch rekonfiguriert werden kann. Wenn das System also darauf basiert, lässt es sich nachträglich nicht aktualisieren. Wenn ein Fehler vorhanden ist, bleibt er bestehen.“
Das Neo Geo AES+ unterstützt sowohl originale als auch neu aufgelegte Cartridges. Zudem bietet die Konsole einen HDMI-Ausgang für moderne Fernseher sowie Unterstützung für klassische CRT-Geräte über RGB, Composite-Video und Stereo-Sound. Auch DIP-Schalter zur Regionsauswahl sind vorhanden.
Ob das System jedoch den hohen Erwartungen und dem wachsenden Anspruch der Retro-Gaming-Szene gerecht wird, bleibt angesichts der aktuellen Vorwürfe abzuwarten. Für die Glaubwürdigkeit des Projekts spricht immerhin, dass Furrtek in der Szene kein Unbekannter ist und Jotego sich insbesondere durch frühere Beiträge rund um das MiSTer-FPGA einen Namen gemacht hat.











