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Bildung statt Verbot – Eine Altersgrenze für Social Media ist der falsche Weg

Gemeinsam in Netz Medienkompetenz ist Familiensache (Symbolbild KI | Nano Banana Pro)
Gemeinsam in Netz Medienkompetenz ist Familiensache (Symbolbild KI | Nano Banana Pro)
Rufe nach strengen Altersgrenzen für soziale Netzwerke werden lauter. Nach Australien und Großbritannien diskutiert auch die EU ein Mindestalter. Doch staatliche Verbote gehen an der Realität vorbei. Die Verantwortung liegt im Elternhaus. Medienkompetenz lässt sich nicht per Gesetz verordnen.
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Die Diskussion um den Jugendschutz im digitalen Raum nimmt weltweit an Fahrt auf. Während Australien bereits Fakten geschaffen hat und Großbritannien nachzieht, fordert nun auch das EU-Parlament einheitliche Regeln: Ein Mindestalter von 16 Jahren für die Nutzung sozialer Medien soll Jugendliche schützen. Der Vorschlag sieht vor, unter 13-Jährigen den Zugang komplett zu verwehren und ihn für 13- bis 16-Jährige von der Zustimmung der Eltern abhängig zu machen. In Deutschland erlaubt die aktuelle Lage dank DSGVO meist eine Nutzung ab 13 Jahren mit Zustimmung der Eltern. Ab 16 Jahren sind die meisten Dienste ohne Zustimmung nutzbar.

Ein Blick auf das australische Gesetz offenbart erste Schwachstellen: Es bezieht sich lediglich auf "große" Netzwerke, wodurch aktuell nur etwa zehn Unternehmen betroffen sind. Dies wirft die Frage auf, wo man die Grenze zieht. Was definiert ein soziales Netzwerk und wie geht man mit Plattformen um, die speziell für Kinder entwickelt wurden? Zudem bleibt das offene Web ein Einfallstor. Unzählige Webseiten funktionieren gänzlich ohne Alterscheck und fallen durch das Raster solcher Gesetze.

Ein generelles Verbot ist für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen kaum zuträglich, da Medienkompetenz erlernt werden muss. Wer Kindern Smartphones oder Laptops gänzlich ohne Aufsicht überlässt, vernachlässigt elterliche Pflichten. Es ist sinnvoller, wenn Eltern gemeinsam mit ihren Kindern prüfen, welche Plattformen einen Mehrwert bieten, und Inhalte kritisch hinterfragen. Betriebssysteme wie Android, iOS und ChromeOS bieten bereits hervorragende Möglichkeiten für die elterliche Aufsicht, mit denen sich Apps kuratieren und Webseiten sperren lassen (in den Quellen haben wir Links zu den Angeboten von Google, Apple und Microsoft zur elterlichen Kontrolle hinterlegt). Diese Verantwortung auf Anbieter abzuwälzen, führt lediglich zu Datenschutzrisiken durch harte Altersverifikationen, die sich für technikaffine Minderjährige zudem leicht per VPN umgehen lassen.

Dennoch ist eine Anpassung der rechtlichen Rahmenbedingungen dringend nötig – allerdings an einer anderen Stelle. Die eigentlichen Torwächter sind die Anbieter der Betriebssysteme. Aktuell erlaubt Google das Erstellen von Nutzerkonten ab 16 Jahren, Apple sogar schon ab 13 Jahren ohne zwingende elterliche Zustimmung. Da diese Konten essenziell sind, um Geräte überhaupt erst einzurichten, erhalten Jugendliche hier leicht einen unkontrollierten Zugang zur digitalen Welt.

Hier sollte der Gesetzgeber deutlich schärfere Regeln definieren. Es ist unverständlich, warum beschränkt geschäftsfähige Personen derart weitreichende Verträge zur Kontenerstellung ohne die Erziehungsberechtigten abschließen dürfen. Würde man an diesem Punkt ansetzen und sicherstellen, dass Minderjährige keine eigenständigen Hauptkonten für die Geräte-Einrichtung erstellen können, wären Eltern automatisch früher im Boot. Die technische Kontrolle läge wieder dort, wo sie hingehört: in der Familie, noch bevor die erste Social-Media-App installiert wird.

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> Notebook Test, Laptop Test und News > News > Newsarchiv > News 2026-01 > Bildung statt Verbot – Eine Altersgrenze für Social Media ist der falsche Weg
Autor: Marc Herter, 24.01.2026 (Update: 24.01.2026)