
Dieses E-Bike ist auch ohne Unterstützung richtig gut: Urtopia Carbon 1 ST im Test
Dreifach gut.
Das Urtopia Carbon 1 ST will ein schlankes, urbanes E‑Bike mit Smart‑Features sein – wir testen Rahmen, Motor, Ausstattung und Fahrverhalten und sind von dem smarten E-Bike durchaus angetan.Silvio Werner Veröffentlicht am
Das Urtopia Carbon 1 ST überzeugt, aber nicht für jeden
Das Urtopia Carbon 1 ST ist dreierlei: Es ist ein sehr gutes Fahrrad, ein gutes E-Bike und kommt mit sinnvollen, smarten Funktionen. Die Verarbeitungsqualität ist frei von Tadel, zudem überzeugen die verbauten Komponenten. Das durch den Carbonrahmen relativ leichte Fahrrad agiert schon ohne Unterstützung dynamisch und bietet eine kraftvolle und reaktive Unterstützung. Unser größter Kritikpunkt ist die Geometrie, insbesondere für größere Fahrer, wobei sich an dieser natürlich unglücklicherweise nur wenig ändern lässt. Die grundsätzlich sehr gute Ausstattung wird nur durch das fehlende, integrierte Rücklicht getrübt. Das Utopia Carbon 1 ST ist für nicht zu große Fahrer empfehlenswert, die ein leichtes Fahrrad wollen und auch ohne elektrische Unterstützung viel Spaß auf einem Fahrrad mit modernen Features haben wollen. Der Preis von aktuell 2.199 Euro erscheint insbesondere angesichts der grundsätzlich guten Ausstattung und starken Fahreigenschaften angemessen.
Pro
Contra
Preis und Verfügbarkeit
Das Modell ist derzeit für einen Preis von 2.199 Euro direkt beim Hersteller erhältlich - und zwar bis zum 24. Mai. Der Preis steigt dann auf 2.299 Euro und ab Ende Mai auf 2.499 Euro. Urtopia-Fahrräder lassen sich auch kostenlos bei Partnern in Deutschland ausprobieren, was wir auch sehr empfehlen würden.
Spezifikationen
| Kategorie | E-Bike |
| Rahmenmaterial | Carbon (Rahmen u. Gabel) |
| Motor | Nabenmotor, 250 Watt, 45 Nm |
| Akku | 352,8 Wh, entnehmbar |
| Sensoren | Drehmomentsensor, Beschleunigungssensor, Gyroskop |
| Gewicht (mit Schutzblechen, Akku, Beleuchtung) | rd. 18 kg |
| Maximale Gesamtlast | 110 kg |
| Bremsen | Tektro HD-M280 |
| Display | LED-Punktmatrix |
| Beleuchtung | Vorhanden |
| Schaltung | 10 Gänge, Shimano Cues |
Montage
Das Urtopia Carbon 1 ST wird teilweise zusammengebaut geliefert. In dem großen Paket sind die Einzelteile sehr gut durch jede Menge Verpackungsmaterial und Kabelbinder geschützt. Die Endmontage dürfte weder in Bezug auf das Werkzeug - alles Nötige wird mitgeliefert – noch auf die Fähigkeiten selbst Anfänger vor große Herausforderungen stellen. Das Vorderrad wird mit einer Steckachse befestigt. Die Montage des Lenkers ist einfach möglich, selbiges gilt für das smarte Display. Es gibt ein Video, welches den Aufbau sehr gut zeigt. Ein Montageständer ist hilfreich, aber auf keinen Fall nötig. Die Einstellung der Sattelhöhe erfolgt über eine verdeckte Inbusschraube und einem Spreizer. Nutzer sollten sich im Klaren sein: Es handelt sich um ein Carbon-E-Bike, dementsprechend sollten Schrauben auf keinen Fall zu fest angezogen werden.
Leichtes Carbon-Bike mit starker Verarbeitung
Mit einem Gewicht von unter 20 Kilogramm ist das Fahrrad verhältnismäßig leicht. Die Verarbeitung ist ohne Tadel, Grate oder Ähnliches sucht man vergeblich. Es handelt sich um einen Tiefeinsteiger, wobei wir auf die Geometrie noch etwas später zu sprechen kommen. Verbaut ist eine Shimano Cues-Schaltung mit 10 Gängen. Standesgemäß kommen hydraulisch agierende Scheibenbremsen zum Einsatz. Die verwendeten Flachpedale sind zweckmäßig. Bei der Ausstattung sehen wir doch einen deutlichen Kritikpunkt - und das schon vor der Fahrt. Es gibt zwar ein Schutzblech hinten, allerdings bringt dieses weder ein Rücklicht noch einen Reflektor mit. Schutzblech und Reflektor liegen bei und sind übereinander zu positionieren. Wirklich smart ist das angesichts des Anspruchs von Utopia gleichwohl nicht. Zudem ergibt sich bei einem solchen Rücklicht auch immer ein gewisses Diebstahlrisiko. Auf der linken Seite des geneigten Lenkers befindet sich der Controller mit vier Richtungstasten und einem Knopf. Geschaltet wird mit Ganganzeige und damit bequem mit Hebeln. Eine Klingel fehlt im Lieferumfang. Hier würden wir dringend raten, eine günstige Klingel (bei Amazon) nachzurüsten - der Lautsprecher klingelt auf Knopfdruck, könnte dafür aber nach § 64a StVZO unzulässig sein, da sich auch andere Sounds aktivieren lassen. In zukünftigen Revisionen soll Herstellerangaben zufolge mitgeliefert werden. Ein Gepäckträger ist nicht vorhanden, einen speziell angepassten Gepäckträger gibt es zu kaufen. An der Gabel stehen auf jeder Seite drei Gewindelöcher bereit, dazu kommen noch zweimal zwei am Rohr, etwa für die Montage von Flaschenhaltern.
Fahreindruck: Ziemlich flink
Beim ersten Fahrtest gab es durchaus eine Überraschung: Das Utopia Cabon 1 ST reagiert auch schon ohne jede Unterstützung stark, soll heißen: Mit dem Utopia Cabon 1 ST lässt sich sehr dynamisch fahren. Dazu trägt wohl maßgeblich das geringe Gewicht bei, allerdings trägt daran auch die Shimano-Cues-Schaltung ihren Anteil. Diese schaltet knackig, Geschwindigkeiten von über 35 km/h sind relativ problemlos erreichbar. Die Bremsen verzögern scharf, hier gibt es keinerlei Probleme zu vermelden. Das Utopia Carbon 1 ST ist ganz klar als City-E-Bike konzipiert und bringt so keine Federgabel mit. Das zeigt sich auch bei der Bereifung. Diese ist eher im City-Bereich verortet als im MTB-Bereich, bringt gleichwohl aber doch ein recht griffiges Profil mit. Ich habe das Utopia Carbon 1 ST auch auf Schotter, den typischen Waldwegen mit festgetretenem, aber nicht komplett stabilen Untergrund und zudem Gras ausprobiert und jederzeit ein sicheres Gefühl gehabt. Dementsprechend ist das Utopia Cabon 1 ST abgesehen vom echten Gelände gut einsetzbar, Fahrer sind nicht auf perfekte Wege beschränkt. Einen positiven Eindruck hat der Rahmen in Bezug auf die Federung hinterlassen: Dieser dämpft grundsätzlich schon etwas, Kopfsteinpflaster verliert so ein wenig seinen Schrecken. Bei einer Bordsteinkante kann ein Carbonrahmen aber eine Federgabel schlicht nicht ersetzen.
Gute Unterstützung, kompakte Geometrie
Ein nennenswerter oder zumindest störender Widerstand ergibt sich durch den Nabenmotor nicht. Das Utopia Carbon 1 ST bietet quasi vier Leistungsstufen, eigentlich handelt es sich aber um drei Leistungsstufen und einen zusätzlichen Fahrmodus. Die drei Leistungsstufen lassen sich konfigurieren, die drei Stufen sind schon recht sinnvoll bestimmt. Die erste Stufe lässt sich am ehesten als Rückenwind beschreiben, die zweite Stufe bietet eine schon deutlich spürbare Unterstützung und die höchste Leistungsstufe bietet eine sehr starke Unterstützung. Dabei ist die Unterstützung dynamisch und springt schnell ein. Der Turbo-Modus nimmt eine Sonderstellung ein: Hier unterstützt der Motor maximal und das nur beim Treten. Damit eignet sich dieser Modus perfekt zum Cruisen. Im Prinzip kommt die Fahrerfahrung dann der eines E-Bikes mit Pedalsensor sehr nahe. Wir haben das Utopia Carbon 1 ST natürlich auch auf einem bei Radsportlern recht beliebten Anstieg getestet, nämlich auf der Grundstraße. Im Turbo-Modus lassen sich faktisch ohne Kraftaufwand sehr leicht 20 km/h erreichen. Wir haben mit größtenteils maximaler Unterstützung eine Reichweite von rund 40 Kilometern erreichen können - das ist nicht überragend, aber definitiv praxistauglich, da bereits eine geringere Unterstützung ausreichend ist. Mit der Geometrie des Fahrrads sind wir nicht ganz glücklich - zumindest als 1,87 Meter großer Fahrer. Bei einem E-Bike ist es im Grunde nicht ganz so relevant, dass die Knie auch vollständig durchgestreckt sind, da ein Motor Kraftspitzen in gewisser Weise abfedert. Sehr komfortabel ist die Nutzung des Utopia Carbon 1 ST über lange Strecken mir aber nicht mehr möglich. Die Überstandshöhe ist mit 477 mm zwar noch recht komfortabel, die relativ hohe und im Prinzip positive Bodenfreiheit beschränkt aber die Nutzbarkeit doch. Eine zweite Testperson mit einer Körpergröße von knapp unter 170 Zentimetern kam hingegen erheblich besser mit der Geometrie zurecht. Herstellerangaben zufolge ist das Fahrrad für Fahrer bis zu einer Körpergröße von 185 Zentimetern geeignet, die (sinnvolle) Obergrenze würden wir ein deutliches Stück darunter verorten.
Ungewöhnliches Display, smarte Funktionen
Geworben wird mit smarten Funktionen. Das Display kommt dabei mit einer Pixel-Matrix, die sich auch im direkten Sonnenlicht gut ablesen lässt. Allerdings ist es so nicht möglich, beispielsweise eine Karte anzuzeigen. Mit dem Fingerabdrucksensor lässt sich das Fahrrad zuverlässig aktivieren, eine Alarmfunktion ist vorhanden und mit einem nach dem ersten Jahr kostenpflichtigen Abo ist die Ortung möglich. Um ein Fahrradschloss dürften Nutzer aber trotzdem nicht herumkommen. Die Sperrung macht das Fahrrad nicht unbeweglich und Wegtragen geht immer - aus der Ferne lässt sich das Fahrrad zwar deaktivieren, das Ausschlachten des Fahrrads ist aber möglich und ein Diebstahl aus diesem Grund nicht unrealistisch und ob die laute Sirene immer Diebe abschreckt, bleibt unklar. Bei der Navigation sind Nutzer nicht nur auf ein Smartphone angewiesen, so gibt es Abbiegehinweise auch akustisch. Der doch relativ kompetente Lautsprecher kann auch als Bluetooth-Lautsprecher genutzt werden. In der App lassen sich vergangene Fahrten anzeigen, dort ist auch die Anzeige der Leistung möglich.
Transparenz
Die Auswahl der zu testenden Geräte erfolgt innerhalb der Redaktion. Das vorliegende Testmuster wurde dem Autor vom Hersteller oder einem Shop zu Testzwecken leihweise zur Verfügung gestellt. Eine Einflussnahme des Leihstellers auf den Testbericht gab es nicht, der Hersteller erhielt keine Version des Reviews vor der Veröffentlichung. Es bestand keine Verpflichtung zur Publikation. Als eigenständiges, unabhängiges Unternehmen unterliegt Notebookcheck keiner Diktion von Herstellern, Shops und Verlagen.
























