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CheckMag | Gamescom 2025: Rekorde, Infrastruktur samt ÖPNV am Limit und Schwarzarbeit

Blick auf den Messeeingang Süd mit Gamescom-Besuchern auf dem Weg zu West. (Bildquelle: Andreas Sebayang/Notebookcheck.com)
Blick auf den Messeeingang Süd mit Gamescom-Besuchern auf dem Weg zu West. (Bildquelle: Andreas Sebayang/Notebookcheck.com)
Die Gamescom war auch 2025 wieder erfolgreich. Der Erfolg hatte jedoch einige Schattenseiten. Die Infrastruktur in und um der Koelnmesse war schon am Fachbesuchertag am Limit und der deutsche Zoll ist wegen Schwarzarbeit gegen Sicherheitsunternehmen vorgegangen.

Die Gamescom 2025 schließt mit sehr guten Zahlen ab. 357.000 Besucher wurden dieses Jahr gemeldet. Das ist nochmal eine Steigerung von 24.000 Menschen. Neu war zudem die Einführung eines Partnerlandes. Thailand war das erste Jahr und lud am Mittwoch zu einem Empfang ein, um die Spieleentwicklungen des Landes vorzustellen. 

Die Anzahl der Aussteller steigerte sich von 1.462 auf nunmehr 1.568. Um das Mehr an Besuchern besser zu verkraften, hat die Gamescom zudem die Messehallen etwas entzerrt und breitere Wege geschaffen. Der Ausstellungsbereich selbst wurde kaum vergrößert.

Er stieg von 230.000 qm auf jetzt 233.000 qm. Die etwas luftigere Messe zeigte durchaus Wirkung. Doch schon am Mittwoch wurde es nachmittags spürbar voller und es bildeten sich teils lange Schlangen an den Spielstationen. Das lag an den Wildcard-Tickets, die auf Privatbesuchern einen Zugang ermöglichten. Sie hatten aber keinen Zugang zu den Business-Hallen. Am Freitag zeigte sich dann schnell, dass die Koelnmesse längst an ihrem Limit ist. Doch die Probleme waren schon vor den Hallen zu sehen.

Gamescom-Ticket-Scanner am Limit

Ein großes Problem hatte die Gamescom nämlich mit der Infrastruktur. Das gilt sowohl für die eigene wie auch die drumherum liegende.

So war der Südausgang – direkt am S-Bahnhof – schon am Fachbesuchertag dem Andrang nicht gewachsen. Hier hat die Gamescom aus dem Fehler der letzten Jahre nicht gelernt. Es gibt zu wenige Ticketscanner in der Eingangshalle, die zudem an einem Nadelöhr positioniert sind. Würden die Scanner in die Eingangshalle vorgezogen werden, könnten deutlich mehr Besucher parallel den langwierigen Ticketprozess absolvieren und anschließend gemütlich durch das Nadelöhr gehen.

Denn das digitale Messeticket, was umständlich unter einen Scanner gehalten werden muss (im ÖPNV ist das Scannen von oben üblich), löst einen Druckvorgang beim ersten Besuch von Fachbesuchern aus. Erst dann wird das Drehkreuz freigegeben. Das Prozedere kostet insgesamt erstaunlich viel Zeit für einen Ticketscan. Für Privatbesucher stellte sich das Problem freilich nicht.

Andere Messen, wie etwa der Mobile World Congress in Barcelona, bauen deswegen ihre Infrastruktur um. Dort gibt es sogar die aufwendige Variante eines extra gebauten Zelts, das die Massen auffächert. Das löst zumindest die meisten Nadelöhre. Außerdem wird in Barcelona mit schnellen Scannern gearbeitet. Die in Köln installierte Anlage ist eher für kleinere Messen geeignet.  

Schon am ersten Tag war die Messe daher so voll, dass wir uns im mittleren Bereich der Schlange entschieden, wieder rauszugehen, zum Osteingang zu laufen. Der liegt direkt neben der Straßenbahnstation, war aber geschlossen. Wir wurden anschließend quer unter der Messe zum Westeingang geleitet. Selbst mit dem Umweg war dies insgesamt erheblich schneller als den Haupteingang zu verwenden. Am Nordeingang war derweil nichts los, wie ein Kollege berichtete. Der ist allerdings auch nur mit einem längeren Fußweg oder mit dem Auto zu erreichen.

An den Publikumstagen wurde der Besucherverkehr aufgrund der Problematik grundsätzlich nach West umgeleitet. Das war auch schon im letzten der Fall. Die Messe kennt die Problematik also und könnte mit verbesserter Infrastruktur auch mehr Privatbesucher durch den Südeingang lotsen.

Mit der Bahn an- und abreisen ist ein Problem

Größere Probleme konnten wir auch beim ÖPNV beobachten. Der war ebenfalls am Limit. Dabei machte National Express, der Betreiber einiger RRX-Linien, groß Werbung, dass man nicht mit dem Auto anreisen muss. Auch Sonderzüge wurden eingesetzt, die von TRI Train Rental gestellt wurden. Doch das reichte schon am Donnerstag nicht mehr aus. Noch vor 18 Uhr konnte Notebookcheck.com an diesem Tag beobachten, dass es teilweise nur noch Stehplätze gab. Der RRX gen Düsseldorf war trotz einer Doppeltraktion aus Desiro-HC-Vierteilern so stark überfüllt, dass es oft Probleme beim Schließen von Türen gab. 

Derweil gab es auf den Bahnsteigen auch keine Ansagen zu den Verstärkerzügen. Im Rahmen einer Recherche  für einen anderen Artikel hat der Autor von der Deutschen Bahn allerdings erfahren, dass dies bewusst so gehandhabt wird. Die Deutsche Bahn verweist in solchen Fällen auf die ausgehängten Änderungsfahrpläne und den DB Navigator. Erstere sind bei einem vollen Bahnsteig allerdings kaum zu erreichen. Immerhin ist das Gamescom-Publikum technikaffin. Das half aber trotzdem nicht.

Zusätzliches Service-Personal der Deutschen Bahn haben wir übrigens erst am Freitag in nennenswerter Anzahl beobachten können. Das soll die Verkehrsströme leiten. Am Donnerstag war deutlich weniger Personal zu beobachten, obwohl es an diesem Tag schon schwierig war. Bei National Express heißt es: "So gewährleistet die DB auch zu Zeiten, an denen es besonders voll wird, einen optimalen Service für Fahrgäste. Zusätzliches Sicherheitspersonal sorgt dabei dafür, dass es auf den Bahnsteigen nicht zu eng wird."

RRX-Linien sind zudem seit Jahren notorisch unpünktlich. Es entwickeln sich also schnell Situationen, bei denen zu viele Menschen auf einen Zug warten. Kommt dann noch eine Messe dazu, dann verschlimmert sich die ohnehin schon schwierige Situation nochmal deutlich.

Eine weitere Schwierigkeit besteht im Gleisbereich. Die Sonderzüge wurden beispielsweise über den Kölner Hauptbahnhof geschickt. Im unteren Gleisbereich fuhr hingegen keiner der Sonderzüge. Technisch ist das nachvollziehbar, da die Gleise 11 und 12 nur mit großen Umwegen von den Abstellanlagen in der Nähe erreicht werden können.

Züge könnten zwar dort eingesetzt werden, entsprechende Weichen existieren. Doch es würde keine Bahnhofsansagen geben, die die Besucher auf die ungewöhnliche Abfahrtsposition hinweisen würden. Hier ist also keine Besserung zu erwarten.

Wer kann, sollte tendenziell über die Straßenbahnlinien 3, 4 und 14 anreisen (Station Koelnmesse). Nach unserer Beobachtung ist hier weniger los. Über diese Station sind sowohl der Eingang Ost als auch mit etwas Fußweg West sowie Nord erreichbar. Das bietet sich aber nur bei direkter Anreise aus der unmittelbaren Umgebung an.

Schwarzarbeit auf der Gamescom

Der Zoll fand derweil schon am ersten Tag der Messe zahlreiche Hinweise auf Schwarzarbeit. Mit einer Großaktion hat die Behörde zahlreiche Personen kontrolliert. Ungewöhnlich hierbei: Die Aktion richtete sich nicht an Standpersonal oder Aussteller, die fragwürdige Waren präsentierten. Stattdessen wurden die Unternehmen in den Fokus genommen, die auf der Gamescom eigentlich für Sicherheit sorgen sollten.

150 Beschäftigte von mehr als 40 Sicherheitsunternehmen wurden kontrolliert. Die erste Zahl ist nicht unbedingt sonderlich hoch, die zweite allerdings schon. Dabei wurden bei "60 Personen erste Anhaltspunkte für Schwarzarbeit und Sozialleistungsmissbrauch" entdeckt, so das Hauptzollamt Köln. Auch ein Minderjähriger wurde als Sicherheitskraft angestellt. Die Verflechtungen durch Subunternehmen machen die Sache recht komplex, so der Zoll.

Verdi kritisiert mangelnde Kontrolle durch die Messe

Die Gewerkschaft Verdi nutzte die Situation, um deutliche Kritik an der Gamescom und der Koelnmesse zu üben, wie der WDR berichtet. Laut Verdi hatten die Sicherheitskräfte teilweise nicht einmal Dienstausweise und Bewacher-Identifikationsnummern bei sich. "Ohne diese Dokumente dürfen Sicherheitskräfte nicht eingesetzt werden", zitiert der WDR den Verdi-Sicherheitsexperten Özay Tarim.

Verdi fordert die Messe daher auf, die eigenen Kontrollen zu verbessern, die wohl nur stichprobenartig geschehen. Angesichts der auffallend hohen Quote von 60:150 erscheint die Kritik gerechtfertigt.

Die nächste Gamescom findet zwischen dem 26. und dem 30. August 2026 statt. Davor findet vermutlich auch wieder die Devcom statt.

Nahe Hauptbahnhof war viel Rollmatieral von TRI (rechts) für den Gamescom-Sonderverkehr zu sehen. (Bildquelle: Andreas Sebayang/Notebookcheck.com)
Nahe Hauptbahnhof war viel Rollmatieral von TRI (rechts) für den Gamescom-Sonderverkehr zu sehen. (Bildquelle: Andreas Sebayang/Notebookcheck.com)

Quelle(n)

Gamescom, Zoll und eigene Recherchen

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Autor: Andreas Sebayang, 24.08.2025 (Update: 24.08.2025)