Garmin CIRQA im „wissenschaftlichen“ Test: Schlaf-Debakel oder Präzisions-Wunder?

Der Postdoc und YouTuber Rob ter Horst hat auf seinem YouTube-Kanal einen Test zum Garmin CIRQA veröffentlicht. In diesem geht es natürlich auch um die Genauigkeit der Herzfrequenz. Bei dieser schneidet das displaylose Wearable durchaus gut ab und erzielt bei gleichmäßigem Lauftempo gute Ergebnisse. Beim Intervalltraining zeigt sich dabei interessanterweise nicht die bei optischen Sensoren ganz typische Trägheit als Hauptproblem. Das Problem ist eher das Überschießen: So hat der Garmin CIRQA-Tracker an mehreren Stellen deutlich höhere Werte aufgezeichnet als der als Referenz genutzte Polar H10. Für den typischen Nutzer muss das nicht unbedingt relevant sein, es sei denn, dieser läuft harte Intervalle und will unbedingt auf Grundlage der Herzfrequenz die Intensität steuern.
Besonders interessant sind die Messwerte zur Messung der Schlafqualität. So stimmt die Detektion beziehungsweise Aufzeichnung von Tiefschlafphasen zu 76,5 Prozent mit der Referenz überein, was laut Rob ter Horst eines der besten Ergebnisse ist, die er je gesehen hat. Die Erkennung von REM-Schlafphasen hingegen ist definitiv verbesserungswürdig. Dabei erkennt der Garmin CIRQA offenbar nicht nur die Länge falsch, sondern REM-Schlafphasen teils gar nicht.
Dabei sind diese Werte mit Einschränkungen versehen, die Rob ter Horst durchaus selbst adressiert und insgesamt keineswegs verschweigt. Offensichtlich ist dabei, dass es sich natürlich nur um einen Probanden handelt. Bei anderen Personen könnte sich ein anderes Bild ergeben. Die zweite Einschränkung ist messtechnisch bedingt: Genutzt wird als Referenz ein Hypnodyne ZMax. Damit werden primär Hirnströme gemessen, welche beim REM-Schlaf denen des Leichtschlafs oder sogar dem Wachzustand (desynchronisiertes EEG) ähneln. Dementsprechend könnte auch schlicht die Referenz falsch liegen, weshalb bei einer klinischen Schlafüberwachung auch Elektroden in Augennähe (und nicht nur an der Stirn) und am Kinn genutzt werden. Mit diesem Elektrookulogramm und Elektromyogramm am Kinn können die für den REM-Schlaf namensgebenden, schnellen Augenbewegungen (Rapid Eye Movement) und die Muskelentspannung aufgezeichnet werden. Diese Einschränkungen des Hypnodyne ZMax werden auch in Studien (PDF) adressiert.
Quelle(n)
The Quantified Scientist, Bildquelle: Garmin








