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MWC 2022 | Kommentar: Alles Meta(verse) oder was?

Der Mobile World Congress 2022 ist vorbei. (Bild: Andreas Sebayang/Notebookcheck.com)
Der Mobile World Congress 2022 ist vorbei. (Bild: Andreas Sebayang/Notebookcheck.com)
Da sind sie wieder, die weitetsgehend bedeutungslosen Marketing-Begriffe. Nach langer Abstinenz von IT-Messen wurde es mal wieder Zeit sich von neuen Wörtern berieseln zu lassen, ohne dass man diesen ausweichen kann und ohne dass diese einem wirklich helfen.
Kommentar-Artikel geben ausschließlich die individuelle Meinung des/der angeführten Autors/Autorin wieder.

Der letzte IT-Messebesuch ist zugegebenermaßen schon eine Weile her. Es ist - nach dem World ATM Congress - erst die zweite Messe, die ich seit dem Beginn der Pandemie besucht habe. Umso mehr erstaunte mich, was mir im ersten Termin auf dem Mobile World Congress 2022 in Barcelona entgegenschlug. Metaverse! NFT!

Keine 20 Minuten habe ich mich hingesetzt und schon war der Ton klar. Ohne neue Begriffe geht auf dem Mobile World Congress gar nichts. Das - Verzeihung - Bullshit-Bingo  wurde nochmals ordentlich erweitert und löste bei mir einiges an Fremdschämen aus, oder "Cringe", wie man heute so schön mit dem Jugendwort des Jahres 2021 sagt. Das Problem an der Sache: Auf einer Messe kann man dem kaum ausweichen, während ich in meinem E-Mail-Postfach so etwas einfach lösche.

Neben Metaverse und NFT kam noch der Digital Twin dazu. Das ist ein Begriff den ich vor allem aus der Luftfahrt kenne. Im Mobilfunkkontext ist mir das aber neu. Zumal gefühlt am liebsten alles, von der Person über die Stadt bis zum Universum, als digitaler Zwilling abgebildet werden soll. Hauptsache die Bandbreite und geringe Latenz wird voll ausgenutzt. Die braucht die Industrie, könnte man meinen, nicht etwa die Kunden.

Ein paar alte Begriffe gab es natürlich auch. Die Cloud war allgegenwärtig, für die, die noch nie IMAP als E-Mail-Protokoll verwendet haben. Und natürlich wandert die Cloud weiter in die Edge, also zurück zum Anwender, sozusagen als Anti-Cloud. Virtual Reality oder Mixed Reality, jetzt auch gerne XR genannt, sind ebenfalls solche Themen. Erinnert sich noch jemand an die Google-Glass-Vision von vor zehn Jahren? Ja genau, da sind wir wieder.

Fast schon komisch wurde es, wenn hier und da Second Life genannt wurde. Dieses damals ach so revolutionäre Metaversum, welches irgendwann von der halben Menschheit besiedelt wird. Nunja, soweit kam es nicht. Und jeder, der Second Life als Beispiel für den nächsten Durchbruch nennt, sollte eigentlich Inne halten, auch wenn Second Life tatsächlich noch existiert und bald 20 Jahre alt wird.

So ging das fast den ganzen MWC über, wenn man sich ein wenig mit dem Thema der Netzwerktechnik  beschäftigte. Das ein oder andere Mal konnte ich mir in persönlichen Gesprächen auch das Augenrollen nicht verkneifen, was bei einem Gegenüber für leichte, wenn auch nur kurze Irritationen sorgte. 

Ein Gutes hat das Ganze allerdings. Glaubt man den Versprechungen diverser Teilnehmer, können Metaverse und NFT gar nicht ohne 5G und Co durchstarten. Wohl dem der keinen 5G-Vertrag hat. Vielleicht überspringen wir das Ganze einfach bis 2029. Dann kommt voraussichtlich 6G, welches übrigens noch ohne Bullshit-Bingo auskommt.

Meine Bullshit-Bingo-Karte ist damit fast voll. Nur Blockchain war irgendwie - abseits der oberflächlichen NFT-Thematik - nicht Teil meiner MWC-Termine. Nächstes Jahr gibt es die nächste Chance Bingo! zu rufen. 

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Autor: Andreas Sebayang,  5.03.2022 (Update:  5.03.2022)