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Kommentar: Es braucht mehr Ladekabel mit … Displays!

USB-Kabel mit Display für USB Typ C, Micro-USB und Lightning (von hinten nach vorne). (Bild: Andreas Sebayang/Notebookcheck)
USB-Kabel mit Display für USB Typ C, Micro-USB und Lightning (von hinten nach vorne). (Bild: Andreas Sebayang/Notebookcheck)
USB Typ C ist eine wahrhaftig universelle Stromversorgung. Doch was macht eigentlich mein USB-Kabel gerade? Liefert das Ladegerät wirklich die notwendige Spannung und Stromstärke? Oder funktioniert die Aushandlung per Power Delivery mit meiner Powerbank? Diese Fragen lassen sich bei Endgeräten kaum beantworten. Deswegen braucht es mehr Displays.
Kommentar-Artikel geben ausschließlich die individuelle Meinung des/der angeführten Autors/Autorin wieder.

Trotz allem (C)haos rund um den USB-Standard mit dem C ist die Entwicklung in den letzten Jahren für alle sehr positiv gelaufen. Es gibt eine weltweit gültige und gleichzeitig leistungsfähige Stromversorgung für IT-Equipment und das ist USB Typ C mit oder ohne Power Delivery (PD). Bis zu 15 Watt funktionieren über USB Type C Current.  Jenseits dieses Werts handeln Versorger und Empfänger per USB Power Delivery ein vielfaches davon aus.

Bis jetzt liegt das Maximum meist bei 100 Watt. In Zukunft werden 240 Watt möglich sein. Und tatsächlich gibt es auch schon Netzteile dazwischen.  Apples 140-Watt-Netzteil entspricht bereits dem aktuellen PD-Standard. Nur ein zertifiziertes reines USB-Typ-C-Kabel fehlt noch. Das ist aber nur eine Frage der Zeit.

Aber was passiert da eigentlich zwischen dem Netzteil und dem Endgerät? Lädt das gerade mit 5, 9, 15 oder 20 Volt? Wird gar die optionale und doch oft verbreitete Spannung von 12 Volt genutzt? Oder ist das Netzteil so neu, dass es in Richtung 48 Volt geht? Und wieviel Stromstärke nimmt sich das Notebook gerade? Gibt es vielleicht Kompatibilitätsprobleme? Während insbesondere die Spannung bei herkömmlichen Netzteilen irrelevant ist, kann dies bei USB Typ C der Unterschied zwischen "Laden über Nacht ist ok" und "Laden beim Videoschnitt" bedeuten.

Power-Delivery-Chip und Betriebssystem reden kaum miteinander

Das sind alles Fragen, die sich eigentlich nicht beantworten lassen. Denn eine derartig genaue Kommunikation zwischen PD-Chip und Betriebssystem ist auf der Sink-Seite, also dem Empfänger, gar nicht vorgesehen. Das USB Type-C Connector System Software Interface (UCSI) hat hier begrenzte Möglichkeiten. Eine Diagnose ist nicht vorgesehen, dafür können aber sogenannte Contracts für die Aushandlung vorgegeben werden.

Dem Netzteil fehlen solche Möglichkeiten mangels Betriebssystem sowieso und das Kabel ist - nun - schlicht ein Kabel. Prinzipiell kann natürlich auch ein Notebook als Energiequelle dienen. Es ist beispielsweise oft möglich mit einem Notebook ein anderes aufzuladen. Doch auch hier erfährt man nicht, was eigentlich über das Kabel tatsächlich geschickt wird.

Im Zubehörmarkt gibt es aber längst eine Lösung: Powerbanks, Netzteile und USB-Kabel mit Displays. Sicher, mit wackeligen Zwischensteckern lässt sich das auch irgendwie herausfinden. Doch wie Youtuber Zerobrain alias Dominik Schuierer korrekt anmerkt, die Genauigkeit lässt zu wünschen übrig und es gibt eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass der Zwischenstecker die Power-Delivery-Aushandlungen nicht korrekt durchlässt. Zum Bestätigen von korrektem Verhalten reichen solche Stecker aber. Wenn der Zwischenstecker 20 Volt meldet, wird das Netzteil sicher nicht 5 Volt liefern.

Noch schöner ist es allerdings, wenn die Messtechnik gleich im Kabel, Netzteil oder der Powerbank verbaut ist. Dann kann weniger schiefgehen. Sicher, bei der Genauigkeit mag es Abstriche geben, aber in der Praxis reicht das, um die gröbsten Probleme zu analysieren. In meinem Fundus gibt es eine Powerbank, die bis 12 Volt arbeitet. Wenn die aus irgendeinem Grund auf 5 oder 9 Volt schaltet, sehe ich das sofort. Ein 5/9/12-Volt-Netzteil mit Display habe ich auch. Das war praktisch, als ich einen Homepod Mini daran betreiben wollte. Der verlangt zwingenderweise [email protected],2A (für Firmware-Updates reichen 5 Volt) und am Display war erkennbar, dass die Aushandlung schief ging.

Recht begeistert bin ich von Kabeln mit Displays, die etwa anzeigen, ob PD gerade aktiv ist und wieviel Watt übertragen werden. Leider sind die Kabel teilweise nicht besonders gut. Während ich mit USB-C auf USB-C oder Micro-USB keine Probleme habe, ist von dem Kabel, welches von USB-C auf den iPhone-Stecker wechselt, schon eines kaputt gegangen. Das Ersatzkabel hat zudem häufiger Probleme mit der Aushandlung.

Das schöne an den Kabeln ist, ich merke sofort, wenn die Aushandlung nicht korrekt abläuft und statt 12 Watt nur 0,9 Watt übertragen werden oder mein Multiport-Netzteil aufgrund eines begrenzten Powerbudgets nur noch 5 Watt zum M1-Macbook schickt. Beim Tippen von Artikeln reicht das, bei anspruchsvolleren Arbeiten bedeutet das hingegen eine Entladung des Akkus. Das sind durchaus praktische Informationen. 

Man darf nämlich nicht vergessen, dass viele Netzteile mit mehreren Ausgängen in der Regel bei mehreren angeschlossenen Geräten ihr Powerbudget verteilen müssen. Manche neigen zudem einfach dazu alle Ausgänge auf 5 Volt zu schalten, wenn mehr als ein Gerät aufgeladen wird. Das findet man oft erst in der Praxis heraus. In Datenblättern steht das bei der Billigware kaum. 

Wo ist die Markenware?

Das grundsätzliche Problem ist leider die mangelnde Verfügbarkeit von Zubehör namhafter Hersteller. Manchmal erkennt man Schrott daran, dass ein auffallend ähnliches Gerätedesign von zahlreichen Herstellern - oder sagen wir lieber Anbietern - angeboten wird. Das ist jedoch allenfalls ein Indiz. Auf Kaufbewertungen lässt sich ebenfalls selten verlassen, denn viele, die Power-Delivery-Hardware kaufen, wissen nicht, was es mit dem Standard auf sich hat. 

Das macht es auch für den ambitionierten User schwerer sich gute Hardware zu kaufen. Zumal etwa bei Amazon sich diverse Hersteller über gesponserte Angebote in die Suchlisten einkaufen. Wer mal versucht hat von einem Markenhersteller etwas teurere Hardware einer Kategorie zu finden, die von Billigheimern dominiert wird, weiß sicher wovon ich rede. Gibt man nicht zusätzlich den Namen der Marke ein, wird es schwer qualitativ hochwertige Hardware zu kaufen. 

Wenn es denn Markenhersteller noch gäbe. Die Zeiten, in denen Sony Powerbanks oder USB-Sticks anbot, sind längst vorbei. In Japan findet man die Hardware noch, dort gibt es aber auch ein anderes Qualitätsbewusstsein. Im deutschsprachigen Raum ist das anders. Der Onlinehandel hat gerade im Zubehörmarkt wenig Gutes zu bieten. Allenfalls im audiophilen Bereich gibt es Unterschiede, ich will aber kein USB-Goldkabel mit besonders angenehm klingenden Strom haben.

Bei Elektronikmärkten, in die sich die Hersteller erst einkaufen müssen, sieht es auch nicht gut aus. Manchmal schafft es immerhin ein Zubehörhersteller auf Amazon groß zu werden und dann auch in einschlägige Filialen zu kommen. Dass Elektromärkte aber selbst etwas entdecken passiert doch sehr selten. Wer einmal in einem Yodobashi oder bei Bic Camera war, weiß, dass es besser geht. Das sind zwei kundenzentrierte Ketten in Japan, in denen man immer wieder etwas entdecken kann.

Eine Chance für Händler und Hersteller

Dabei könnten sich Händler und Hersteller hier eigentlich gut hervortun. Tun sie aber nicht. Die Unterschiede zwischen Markenkabeln und Billigkabeln sind oftmals kaum erkennbar. Sicher, Gurkenkabel habe ich zu genüge. USB-Kabel ohne Datenkanal, USB-C-Kabel, die per USB nur 2.0-Geschwindigkeiten hinbekommen. Aber das gibt es auch als Markenware.

Die Handelsketten würden mit qualitativ hochwertiger und besonderer Ware werben können, die man sogar vorführen könnte. Den Weg gibt es aber eigentlich nur noch über Amazon, wo ich vieles entdecke. Die Hersteller auf der anderen Seite würden sich besser vom Billigzubehörmarkt absetzen können, denn manchmal fragt man sich wirklich, warum es denn das teure Netzteil von HP oder Dell sein soll. 

Die Business-Notebooks von Dell, Fujitsu, HP und Lenovo sind sonst vollgepackt mit Diagnosesystemen. Doch was über das USB-C-Kabel passiert? Völlig unklar. Insbesondere dann, wenn bei meinem Fujitsu Lifebook U729 das Gerät sich entweder nur per Rundstecker laden lässt oder USB Typ C Power Delivery nur über 20 Volt akzeptiert. Das wüsste ich übrigens nicht, wenn ich nicht schon lange mit irgendwelchen Zwischensteckern arbeiten würde.

Dass in Apple-Geräten solche Informationen verbaut werden ist natürlich unwahrscheinlich. Die Strategie des Unternehmens ist nun einmal für das Hardware-Design lieber Informationen zu opfern. Nicht einmal den Ladestand gibt es mehr, der früher sehr elegant in das Alumniumgehäuse integriert wurde. Immerhin hat sich Apple für Magsafe 3 wieder entschieden eine kleine Lade-LED in das Kabel einzubauen. 

Nichts für den Endkunden, aber die Wahl sollte da sein

Muss der reguläre Endkunde all diese Informationen bekommen? In der Regel sicher nicht. Solche Kabel, Netzteile, Powerbanks sind etwas für Ambitionierte mit vielen Geräten. Das mag eine Nische sein. Aber das gilt auch für Business-Notebooks der Oberklasse oder Gaming-Notebooks, die ohnehin voll mit LEDs gespickt sind. Gerade da würde ein Display im Netzteil oder ein Funky-Leuchtkabel, dass die Spannung per Farbe anzeigt doch ideal sein, oder?

Soweit der Traum und vielleicht auch eine Innovationschance für eine Branche, die durch Billigheimer-Produkte stark belastet wird. Will man sich absetzen, muss man mehr bieten. Also bitte liebe Markenhersteller, schaut was ihr machen könnt. Da gibt der Kunde sicher etwas mehr Geld aus. Bei Gaming-und Business-Mainboards funktioniert das schließlich auch.

Bei der Genauigkeit hapert es häufiger. Für eine Grundeinschätzung reicht es aber allemal. (Bild: Andreas Sebayang/Notebookcheck)
Bei der Genauigkeit hapert es häufiger. Für eine Grundeinschätzung reicht es aber allemal. (Bild: Andreas Sebayang/Notebookcheck)
USB-Kabel mit Display für USB Typ C, Micro-USB und Lightning (von hinten nach vorne). (Bild: Andreas Sebayang/Notebookcheck)
USB-Kabel mit Display für USB Typ C, Micro-USB und Lightning (von hinten nach vorne). (Bild: Andreas Sebayang/Notebookcheck)
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Autor: Andreas Sebayang, 11.02.2022 (Update: 15.02.2022)