Kraaken: Schwimmende emissionsfreie Plattform soll Strom, Wasser und Platz für KI-Server liefern

Das US-Unternehmen Optimal Transit hat eine Art Mehrzweckschiff vorgestellt, das Küstengemeinden mit Strom, Trinkwasser und Rechenleistung versorgen soll, ohne Landflächen in Anspruch zu nehmen oder Treibstoff zu benötigen. Das Blue Economy VITAL 100 MW Kraaken basiert auf einer SWATH-Konstruktion mit zwei Rümpfen und kleiner Wasserlinienfläche sowie einem flexiblen Verankerungssystem. Sie soll genug sauberen Strom für rund 32.000 Haushalte liefern, täglich durch Vakuum-Flash-Verdampfung knapp 30,3 Millionen Liter Meerwasser für etwa 150.000 Menschen entsalzen und zugleich 60 Megawatt für KI-Server bereitstellen.
Im Zentrum steht das unternehmenseigene System Digital Ocean Thermal (DOT). Es kombiniert die Wärme des Meerwassers mit der Abwärme der Rechentechnik, um kontinuierlich Strom zu erzeugen, während kaltes Tiefenwasser zur Kühlung beiträgt. Strom, Wasser und Daten gelangen über ein schnell trennbares Versorgungskabel an Land. Bei schweren Unwettern kann das Schiff dadurch innerhalb weniger Stunden abgekoppelt und an einen anderen Standort verlegt werden. Diese Mobilität ermöglicht auch den Einsatz im Katastrophenschutz, um beschädigte Infrastruktur in Küstenregionen innerhalb weniger Tage zu ersetzen. Mehrere Einheiten lassen sich zudem zu einem schwimmenden "Sovereign Power Park" zusammenschließen, der eine gesamte Metropolregion versorgen könnte.
Nach Schätzungen von Optimal Transit würde eine vergleichbare Infrastruktur an Land angeblich zwischen rund 660 Millionen und 1,2 Milliarden Euro kosten. Genehmigungs- und Flächennutzungsverfahren könnten die Umsetzung zudem auf sechs bis zehn Jahre verlängern. Der Bau des Kraaken mit 100 MW soll dagegen weniger als 439 Millionen Euro kosten, wobei die Rechenhardware nicht enthalten ist. Die jährlichen Betriebskosten werden auf rund 9 bis 18 Millionen Euro geschätzt. Besonders attraktiv könnte die Technik damit in Subsahara-Afrika, auf den Pazifikinseln und in Teilen Asiens sein, wo die Stromerzeugung mit Diesel pro Kilowattstunde häufig deutlich teurer ist als die schwimmende Alternative.
Optimal Transit plant mehrere Ausführungen. Plattformen mit 10 MW und 20 MW sind für kleinere Aufgaben vorgesehen, Varianten mit 50 MW und 100 MW für Rechenzentren im Hyperscale-Bereich. Die größeren Schiffe sollen rund 90 Meter, die kleineren etwa 76 Meter lang werden. Das Unternehmen arbeitet derzeit an den technischen Entwürfen und will nach Sicherung zusätzlicher Finanzmittel eine Produktion in größerem Maßstab anstreben.








