LG-Smart-TVs dabei erwischt, wie sie bei ausgeschaltetem Bildschirm Audio aufzeichnen und lokale Geräte ausspionieren

LG-Smart-TVs durchsuchen kontinuierlich Heimnetzwerke, erfassen darin weitere Geräte und zeichnen Mikrofon-Audio auf, obwohl sie scheinbar ausgeschaltet sind. Dies geht aus einem neuen, 135 Minuten langen Video hervor, das von Gamers Nexus veröffentlicht wurde (siehe unten).
Genauer gesagt hatte Steve mit Level1Techs und unabhängigen Sicherheitsforschern zusammengearbeitet. Gemeinsam testeten sie im Handel erhältliche LG-OLED-Modelle, darunter das Modell G5. Mithilfe von Netzwerkpaket-Mitschnitten, die über Wireshark erstellt wurden, konnten sie feststellen, dass die Fernseher aktiv das lokale Netzwerk nach Geräten durchsuchten, die mit dem eigentlichen Fernseher nichts zu tun haben – darunter Smartphones und Smartwatches. Neben internen IP-Adressen erfassten die Geräte außerdem die Namen und Signalstärken benachbarter WLAN-Netzwerke sowie Standortdaten.
Diese gesammelten Daten fließen in LG Ad Solutions ein, die für zielgerichtete Werbung zuständige Sparte des Unternehmens. LG gibt an, weltweit rund 216 Millionen Smart-TVs verkauft zu haben. Die Werbesparte wiederum erklärt, allein in den USA Zugriff auf 363 Millionen weitere adressierbare Geräte zu haben, indem sie andere Hardware erfasst, die sich im selben Netzwerk befindet.
Die Fernseher nutzen außerdem Automated Content Recognition (ACR). Dabei werden Audio- und Videoinhalte, die auf dem Bildschirm beziehungsweise über die verschiedenen Eingänge wiedergegeben werden, in digitale Fingerabdrücke umgewandelt, um zu erfassen, was die Nutzer ansehen. ACR ist bereits seit Längerem ausführlich dokumentiert. Neue Tests zeigen jedoch, dass die Datenerfassung deutlich weiter geht.
Bei Tests auf dem Prüfstand stellten die Forscher fest, dass der Fernseher sauberes Mikrofon-Audio aufnehmen konnte, obwohl der Bildschirm ausgeschaltet war – beziehungsweise zumindest so aussah, als wäre er im Standby-Modus ausgeschaltet.
Als das Team den Fernseher vom Ethernet-Kabel trennte, speicherte das Gerät weiterhin Spracheingaben lokal. Sobald der Netzwerkzugang wiederhergestellt wurde, lud der Fernseher die zuvor gespeicherten Dateien hoch. Die Forscher dokumentierten außerdem Schwachstellen in webOS, die eine Remote Code Execution ermöglichen. Diese werden derzeit im Rahmen des verantwortungsvollen Offenlegungsprozesses (Responsible Disclosure) weiterbearbeitet.
Aufgrund der Tatsache, dass der Fernseher bereits ab Werk weitreichende Netzwerküberwachung und Datenerfassung betreibt, lautete die klare Empfehlung des Teams, LG-Fernseher vollständig vom Internet zu trennen und stattdessen externe Streaming-Geräte zu verwenden. LG hat sich zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch nicht zu den Vorwürfen geäußert.







