Launch in 2028: Unkonventionelle neue Grafikkarte besteht erste Tests

Bolt Graphics hat im vergangenen Jahr seine ambitionierte Zeus-GPU mit hohen Leistungsversprechen vorgestellt. Zuvor hat das Unternehmen 2024 bereits die Thunder-GPU präsentiert, bevor es sich auf Zeus konzentriert hat. Zeus soll beim Pathtracing bis zu zehnmal so schnell wie eine Nvidia GeForce RTX 5090 sein und ungewöhnliche Funktionen wie erweiterbaren Speicher und integriertes 400-Gigabit-Ethernet bieten. Nun hat Bolt Graphics einen wichtigen Meilenstein erreicht, der die bislang eher visionäre GPU der Umsetzung näherbringt.
In einer Pressemitteilung hat Bolt Graphics die erfolgreiche Inbetriebnahme seines ersten Zeus-Testchips bestätigt. Der bei TSMC im 12-nm-Verfahren gefertigte Prototyp ist nur 6 mm² groß und benötigt etwa 1,4 Watt. Laut Unternehmen haben die Ingenieure den A0-Chip eingeschaltet und die ersten Schritte der Inbetriebnahme innerhalb von 24 Stunden abgeschlossen, ohne Funktionsfehler festzustellen. Getestet worden ist der Chip außerdem bei Temperaturen von -40 bis 85 °C.
Nach Angaben von Bolt Graphics verbraucht der Prototyp deutlich weniger Strom als die zuvor zur Validierung der Architektur genutzte FPGA-Plattform, die 35 Watt benötigt hat. Zudem soll der Chip die internen Prognosen zur Leistung und Effizienz übertroffen haben. Diese Werte erlauben allerdings keinen direkten Vergleich mit serienmäßig produzierten GPUs, zumal Bolt Graphics keine unabhängig überprüfbaren Leistungsbenchmarks vorgelegt hat.
Zeus verfolgt ein anderes Konzept als herkömmliche Grafikkarten. Geplant ist unter anderem ein Einstiegsmodell mit 120 Watt und 32GB LPDDR5X-Speicher, der sich über DDR5-SO-DIMMs erweitern lässt. Leistungsstärkere Serverkonfigurationen können mit DDR5-RDIMMs bis zu 2,25TB Speicher aufnehmen. Die integrierte Netzwerkanbindung, dedizierte Pathtracing-Hardware und die Ausrichtung auf professionelles Rendering machen Zeus vor allem für wissenschaftliche Simulationen und die Erstellung von Inhalten interessant. Gaming spielt vorerst eine untergeordnete Rolle.
Der neue Testchip ist als spezialisierte Hardware für elektromagnetische Simulationen ausgelegt. Laut Bolt Graphics kann dieser Ansatz Berechnungen mit den maxwellschen Gleichungen beschleunigen. Ingenieure könnten dadurch komplette Produkte statt nur einzelner Komponenten simulieren. Später will das Unternehmen den Ansatz auf numerische Strömungssimulationen und Molekulardynamik ausweiten.
Bis Zeus etablierten GPU-Herstellern Konkurrenz machen kann, ist jedoch noch Entwicklungsarbeit nötig. Der 6 mm² große Prototyp dient hauptsächlich dazu, die zugrunde liegende Architektur zu überprüfen. Seine erfolgreiche Inbetriebnahme belegt nicht, dass eine Zeus-GPU in voller Größe die zuvor angekündigten Leistungswerte erreichen kann.
Bolt Graphics hat zudem seinen Produktionszeitplan überarbeitet. Ursprünglich sollte Zeus im vierten Quartal 2027 in Produktion gehen. Nun ist der Zugang für Entwickler für das erste Quartal 2027 vorgesehen. Gegen Ende des Jahres soll die erste Hardware für Kunden des Early Access Program verfügbar sein. Die Serienfertigung von Zeus-PCIe-Karten und Servern ist inzwischen für 2028 geplant.
Außerdem hat Bolt Graphics ein neues Büro in Taipeh eröffnet, um die Zusammenarbeit mit seinen Fertigungspartnern zu verbessern. Anders als der Testchip sollen die kommerziellen Zeus-GPUs in TSMCs fortschrittlicherem N5P-Verfahren gefertigt werden. Ob die fertige Hardware die hohen Leistungsversprechen des Unternehmens erfüllen kann, ist bislang offen.




