Massiver 12-TB-Leak bei Valve enthüllt zehn Jahre Gaming-Geschichte und verworfene Projekte

Am Wochenende ist ein gewaltiges, 12 Terabyte großes Archiv mit frühen Steam-Entwicklungsdaten ins Internet gelangt und gewährt einen ungefilterten Einblick in die Spieleentwicklung zwischen 2003 und 2013. Die Entdeckung löste zunächst Spekulationen über einen ausgeklügelten Cyberangriff aus, bei dem interner Quellcode von Unternehmen offengelegt worden sein könnte. Der bekannte Valve-Dataminer Gabe Follower bestätigt jedoch, dass die Ursache kein klassisches Sicherheitsleck, sondern schlicht menschliches Versagen war. Die Dateien wurden von einem falsch konfigurierten Endpunkt heruntergeladen, der mit Valves veralteter Steam2-Infrastruktur verbunden war und die Daten dadurch öffentlich zugänglich machte.
Das von der Community offiziell als Steam2 Teraleak bezeichnete Datenarchiv enthält Tausende Softwarepakete und frühe Prototypen zu Hunderten Titeln verschiedener Publisher. Spieler erhalten dadurch einen beispiellosen Einblick in extrem frühe Versionen bekannter Spiele – lange bevor diese für die Veröffentlichung fertiggestellt wurden.
Unter allen betroffenen Titeln steht Valves eigenes Portal 2 im Mittelpunkt der größten Entdeckungen. Bei der Untersuchung früher Entwicklungsdateien stieß man auf primitive Testräume aus dem Jahr 2009, in denen die Arme von Team-Fortress-2-Charakteren als Platzhalter dienten, ein unveröffentlichtes vorgerendertes Intro für eine ungewöhnliche Core-Hub-Phase sowie bizarre übrig gebliebene Zombie-Modelle aus Half-Life 2.
Das wohl faszinierendste Stück Entwicklungsgeschichte sind jedoch die konkreten visuellen Belege für F-STOP, ein bekanntes, letztlich verworfenes Konzept, das vollständig ohne Portal-Mechaniken auskam. In dieser alternativen Version verwendeten Spieler eine mechanische Kamera, um Objekte zu fotografieren, im Speicher abzulegen und anschließend in völlig anderen Größen wieder in der Spielwelt zu platzieren. Der Community gelang es, die tatsächlichen 3D-Modelle der Kamera und die Benutzeroberflächen-Symbole für diese Mechanik wiederherzustellen. Außerdem wurde ein riesiger, fest montierter Prototyp der Portal Gun mit Combine-Branding aus Half-Life entdeckt.
Das offengelegte Archiv gewährt zudem einen faszinierenden Einblick in die frühesten Builds von Valves wichtigsten Multiplayer-Reihen. Unveröffentlichte Dateien zu Counter-Strike: Global Offensive zeigen ein Spiel, das anfangs praktisch genauso aussah wie Counter-Strike: Source. Die ersten Prototypen enthalten grobe Blockout-Versionen von Karten wie Baggage und Safehouse sowie einen unveröffentlichten Spielmodus, in dem Terroristen einen fahrenden Panzer eskortieren mussten.
Die Daten umfassen außerdem vollständig lauffähige Vorab-Builds von Left 4 Dead, darunter verworfene Leiteranimationen aus der Ego-Perspektive, andere Trigger für den Rettungshubschrauber und ein komplett anderes Dach-Layout für das berühmte Finale der No-Mercy-Kampagne. Der riesige Datensatz enthält sogar Fragmente eines der berüchtigtsten eingestellten Projekte von Valve. Dataminer entdeckten ein 3D-Waffenmodell namens Weaponizer – ein Asset, das ursprünglich für Half-Life 2: Episode Three erstellt worden war und nur deshalb nicht gelöscht wurde, weil die Entwickler es bei der Entwicklung von Portal 2 als Platzhalter wiederverwendeten.
Die Entdeckungen gehen weit über Valves interne Projekte hinaus. Das 12 Terabyte große Archiv enthält auch Beta-Builds und unveröffentlichte Entwicklungsdateien zu Hunderten Spielen von Drittanbietern. Community-Forscher, die den riesigen Datensatz durchforsten, haben bereits frühe Versionen von Sega-Titeln entdeckt, darunter insbesondere einen seltenen Beta-Build von Sonic 4 Episode II.
Darüber hinaus berichten Dataminer von versteckten Dateien im Zusammenhang mit Fallout: New Vegas sowie zahlreichen weiteren bekannten Titeln, die in dieser Ära ursprünglich über die Plattform veröffentlicht wurden.
Diese seltenen Dateien von Drittanbietern haben nur deshalb überlebt, weil Valve seinen digitalen Store ursprünglich auf eine bestimmte Weise verwaltet hatte. Die geleakten Daten stammen aus dem alten Steam2-System zur Auslieferung von Inhalten, das Spielinhalte in älteren Formaten wie GCF bündelte und speicherte. Valve setzte stark auf diese Speichermethode, bevor das Unternehmen seine Bibliothek 2013 auf die moderne SteamPipe-Infrastruktur umstellte. Dadurch blieben diese frühen Builds mehr als ein Jahrzehnt lang in den alten Speicherformaten erhalten.
Da die offengelegte Datenbank derart umfangreich ist, arbeitet die Community weiterhin aktiv daran, die Archive zu indexieren und tatsächlich neues historisches Material von Gigabytes an nutzlosen Platzhalterdaten, dupliziertem Code und defekten Assets zu trennen. Da noch Tausende alte Softwarepakete auf ihre Untersuchung warten, dürften in den kommenden Wochen viele weitere bislang unbekannte Spiele-Builds auftauchen.
Wer sich die wiederhergestellten 3D-Modelle und frühes Gameplay-Material direkt ansehen möchte, findet beim YouTuber snoopdoggfan4173 eine umfassende Analyse. Das Video beleuchtet alles von den eingestellten Kamera-Funktionen aus Portal 2 bis hin zu den bizarren Zombies und dem Missionsziel mit einem fahrenden Panzer aus frühen Counter-Strike-Prototypen.








