Nach Streit um Altersfreigabe: Staatlich gefördertes Gamescom-Spiel kehrt zu Steam zurück

Valve stufte Future? No Thanks!, ein satirisches Spiel für Jugendliche über assistiertes Sterben, als nicht jugendfreien Inhalt ein. Zuvor wollte der Store weder von dieser Einstufung abrücken noch erklären, warum sie vorgenommen wurde. Die Geosperre in Deutschland wurde nun endlich aufgehoben, doch Valve hat weiterhin keinen Grund genannt.
Steam hat Future? No Thanks! von MolleIndustria erneut geprüft und die Einstufung als nicht jugendfreier Inhalt aufgehoben – fünf Wochen nachdem das satirische Spiel mit Teenager-Altersfreigabe erstmals als Erwachsenentitel eingestuft worden war. Durch die nun weniger strenge Altersfreigabe werden das Spiel und seine Shop-Seite endlich auch in Deutschland angezeigt. In Großbritannien entfällt zudem die Altersverifikation. Beides hatte zuvor dazu geführt, dass das Spiel durch die standardmäßigen Steam-Filter automatisch ausgeblendet wurde.
MolleIndustria erklärt in einem Bluesky-Update:
„Es sieht so aus, als hätte Steam Future? No Thanks! erneut geprüft und die Einstufung ‚häufige Nacktheit oder nicht jugendfreie Inhalte‘ entfernt. Damit wurden die Geosperre in Deutschland und die Altersverifikation per Kreditkarte in Großbritannien aufgehoben. Offiziell enthält es jetzt nur noch ‚etwas Nacktheit oder nicht jugendfreie Inhalte‘ – so wie jedes gute Spiel.“
Ein umstrittener Prüfprozess
Auf der Steam-Shop-Seite des Spiels werden die nicht jugendfreien Inhalte nun mit „angedeuteten sexuellen Handlungen außerhalb des Bildes“ sowie Gesprächen über „Sex, Geschlecht und Tod“ beschrieben. Damit wurde das Spiel in die weniger stark eingeschränkte Kategorie „Nacktheit und sexuelle Inhalte“ eingeordnet.
Future? No Thanks! von MolleIndustria war auf Steam mehr als einen Monat lang als nicht jugendfreier Inhalt eingestuft, nachdem Valve zunächst Nacktheit in einer Version des Spiels beanstandet hatte. Das Studio entfernte daraufhin sämtliche entsprechende Inhalte aus dem Titel und reichte ihn erneut zur Prüfung ein.
Die Einstufung als Erwachsenentitel sorgt effektiv dafür, dass die Steam-Shop-Seite von Future? No Thanks! von den Standardfiltern ausgeblendet wird. In Deutschland führte dies zu einer vollständigen Geosperre, da Steam-Seiten von Spielen ohne entsprechende Alterskennzeichnung hierzulande nicht angezeigt werden.
Für Frust bei MolleIndustria sorgte vor allem, dass Valve dem Studio weiterhin nicht mitteilte, welche konkreten Inhalte im Spiel für diese Einstufung verantwortlich waren. Die Entwickler wussten dadurch weder, was sie ändern sollten, noch wann mit einer Lösung zu rechnen war.
MolleIndustria präsentierte Future? No Thanks! diese Woche mit einem Demo-Stand auf der Gamescom in Köln, der vollständig von der deutschen Bundesregierung finanziert wurde. Gleichzeitig war das Spiel weiterhin mit einer Erwachsenenfreigabe versehen, die bei Valve niemand erklären wollte. Auf Bluesky kritisiert MolleIndustria Valve und erklärt:
„Wir sind hier an einem Stand, der von der deutschen Bundesregierung gefördert wird.
Hier ist der BUNDESPRÄSIDENT heute Morgen vor einem Spiel, das Steam für zu pornografisch für dieses gesamte Land hält.“
Satire verfehlt ihr Ziel
Zum Kontext: Future? No Thanks! ist ein satirisches Adventure über einen alten Mann, der am letzten Tag vor seiner geplanten Anästhesie eine Bucket List abarbeitet. Steam behandelte die Inhalte jedoch weiterhin als nicht jugendfreies Material beziehungsweise als ein Spiel mit Erwachsenen-Quests.
Bereits gegen Ende Juni hatte Valve eine Version von Future? No Thanks! beanstandet. Am 22. Juli befand sich das Spiel laut MolleIndustria bereits seit rund drei Wochen in der Prüfung – deutlich länger als die ein bis fünf Tage Bearbeitungszeit, die Valve in seiner eigenen Onboarding-Dokumentation angibt.
Anstatt die Beanstandungen anzufechten, entfernte das Studio die entsprechenden Inhalte vollständig und reichte eine neue Version ein. Valve behielt die Einstufung als Erwachsenentitel jedoch bei. Auch im August zeigte Steam die Shop-Seite des Spiels den meisten Nutzern weiterhin nicht an. Vor diesem Hintergrund äußert sich Paolo Pedercini, Designer von Future? No Thanks!, auf Bluesky wie folgt:
„Update: Selbst nachdem wir die gesamte Sex-Quest entfernt haben, stuft Steam Future? No Thanks! fälschlicherweise als Pornografie ein. Dadurch ist es für die meisten Steam-Nutzer unsichtbar und in Deutschland vollständig geografisch gesperrt. Wir sind derzeit auf der Gamescom in Köln und jeder fragt uns, warum er nicht einmal die SEITE eines Spiels mit Teenager-Altersfreigabe sehen kann.“











