An dieser Stelle haben wir schon mehrmals über Display-Brillen berichtet und konnten jetzt ein Modell auch ausführlich ausprobieren. Konkret handelt es sich um die Xreal 1S, welche bereits bei Amazon erhältlich ist. Wir wollen diesen kurzen Bericht mit einer deutlichen Einordnung beginnen: Das Modell wird vom Hersteller als AR Glasses beworben, wir würden diese Bezeichnung so wahrscheinlich nicht wählen. Wer sich nämlich vorstellt, dass mit der Xreal 1S die Umgebung die ganze Zeit gescannt dann etwa Navigationshinweise oder spezielle Übersetzungen zu Verkehrsschildern oder der Speisekarte eingeblendet werden, liegt falsch. Die Xreal 1S ist nämlich viel mehr eine Displaybrille und damit ein Wiedergabegerät.
Mit Etui und USB Typ C
Ausgeliefert wird die Xreal mit einem passenden und sehr ordentlich verarbeiteten, gepolsterten Brillenetui. Mit dem noch leidlich gut in dem Etui unterzubringenden USB-Kabel und der Brille selbst bringt dieses rund 240 Gramm auf die Waage. Das Etui misst im Durchmesser rund 6 Zentimeter und ist 18 Zentimeter lang. Zum Vergleich: Ein normales Etui misst rund 17 × 7 × 4 Zentimeter. Im Lieferumfang sind insgesamt drei Nasenpolster und noch ein Brillenputztuch enthalten. Wir haben zudem gleich die Xreal Eye und damit eine für das 6DOF-Tracking genutzte Kamera genutzt und getestet, welche auch Bilder und Videos aufzeichnen kann.
Die Nutzung könnte einfacher nicht sein: Die Xreal 1S ist - und das ist in diesem Fall positiv gemeint - einfach nur ein stumpf über USB Typ C anzuschließendes Display. Damit ist die Nutzung an kompatiblen Smartphones ebenso möglich wie an Handhelds oder Konsolen. Nutzer sollten natürlich prüfen, ob eigene Endgeräte die Bildausgabe über USB Typ C unterstützen. Bei Desktop-Grafikkarten und Spielkonsolen ist das eben nicht unbedingt der Fall. Dann ist ein Adapterkabel (etwa bei Amazon) nötig, welches dann auch die Stromversorgung unterstützen muss.
Ordentliche Schärfe bei Medien und Office
Zur Größe des Bildeindrucks kommuniziert Xreal nicht ganz einfach nachvollziehbare Angaben. Wir haben einmal nachgemessen: Angezeigt werden kann sozusagen eine A4-Seite in einem Abstand von 44 Zentimetern - um einen Eindruck zu bekommen, wie groß die Darstellung ist, würden wir raten, sich einfach ein A4-Blatt in diesem Abstand vor das Gesicht zu halten. Angegeben wird eine Auflösung von 1.920 × 1.200 Pixeln pro Auge und eine Bildwiederholfrequenz von 120 Hz. Der Bildeindruck war im Test durchgängig einwandfrei. Trotz des sehr geringen Abstands zum Micro-OLED-Display ergab sich jederzeit eine scharfe Darstellung, mit einer ganz leichten Unschärfe zum Rand hin. Getestet wurde sowohl die Nutzung bei der Wiedergabe von Medieninhalten und konkret YouTube-Videos und Filmen als auch bei Videospielen. In diesen Szenarien ist die Xreal 1S sehr gut nutzbar. Bei längerer Nutzung erwärmt sich die Brille etwas, allerdings nicht störend.
In produktiven Anwendungen ergibt sich ebenfalls ein Mehrwert, was insbesondere an der Kombination zweier Features liegt: So kann das Bild nicht nur dem Blick folgen, sondern auch im Raum verankert werden und das Display ist elektrochromatisch dimmbar. Damit kann ich den Blick etwa von einem Notebook-Display abwenden und auf das daneben in der Luft schwebende, virtuelle Display schauen. Die Optik schränkt den Blick auf den Notebook-Bildschirm zwar etwas ein, allerdings nicht extrem störend. Damit ist die Xreal 1S durchaus als Alternative zu einem zusätzlichen mobilen Bildschirm nutzbar und besticht dann durch die kompakten Abmessungen. Die elektrochromatische Dimmung lässt sich ebenso wie die Helligkeit in mehreren Stufen regulieren. Potenzielle Käufer sollten sich aber absolut darüber im Klaren sein, dass keine vollständige Abschottung erfolgt. Streulicht fällt deutlich ein, was aber nicht unbedingt sehr problematisch ist.
Einfache Bedienung, kein SteamVR-Support
Die Bedienung ist mithilfe von mehreren Tasten möglich und erfordert eine kurze Einarbeitungszeit, dabei lassen sich verschiedene Funktionen auch auf eine zusätzliche Taste legen. Die Wiedergabe von 3D-Inhalten im SBS-Format funktionierte ohne Probleme. Den Elefanten im Raum wollen wir natürlich nicht verschweigen: Die Xreal 1S ist ganz, ganz deutlich als Displaybrille zu erkennen. Ob man sich damit in den Zug, das Flugzeug oder die Business-Lounge traut, bleibt am Ende natürlich eine persönliche Entscheidung. Den Sound würden wir im Allgemeinen als tauglich beschreiben, allerdings beschallt man die Umgebung ebenfalls und macht Umstehende dann noch deutlicher darauf aufmerksam, dass man ein technisches Gadget trägt. In der Praxis lässt sich das System übrigens ausgesprochen gut dazu nutzen, um lokales Koop über Nucleus zu realisieren, da die Xreal 1S eben als zweiter Bildschirm erkannt wird. Dank eines speziellen Rechenchips ist es überdies möglich, beliebige Inhalte in ein dreidimensionales Bild umzuwandeln. Das klappt mal mehr, mal weniger gut, dabei steigt die Latenz ebenso wie die Kopfschmerz-Gefahr. Videospiele lassen sich nur dann dreidimensional wiedergeben, wenn sie besagte SBS-Wiedergabe nativ oder durch Drittlösungen unterstützen, etwa SteamVR wird nicht unterstützt.
Fazit
Ist die Xreal 1S eine AR-Brille? Eher nicht. Ist das ein Problem? Kaum. Die Anzeige eines großen Bildschirms ist mit dem Modell auf eine moderne, wenn auch möglicherweise nicht unbedingt sozialverträgliche Art möglich, insbesondere unterwegs. Die Bildqualität fällt zu den Rändern nur akzeptabel ab, das 6DoF-Tracking und die Verankerung im Raum funktionieren sehr gut. Fundamentale Kritikpunkte haben wir nicht. Potenzielle Käufer sollten sich in diesem Fall aber schon sehr konkret bewusst sein, was die Xreal 1S ist und was nicht. Ob sich das Modell für Nutzer mit Seheinschränkungen und ohne Kontaktlinsen ebenso gut eignet, können wir nicht einschätzen. Gleichwohl können Korrekturlinsen bestellt und genutzt werden werden.













