Mysteriöse Schäden an CD-Sammlungen: Discs bekommen Risse und zerbrechen

CDs und DVDs sind bereits durch Probleme wie "Bit Rot" und "Laser Rot" von langfristigem Datenverlust bedroht. Nun kommt für Sammler optischer Datenträger ein weiteres mögliches Risiko hinzu: Bestimmte Reinigungschemikalien oder Dämpfe von Aufbewahrungsmaterialien können dazu führen, dass Discs Risse bekommen oder vollständig zerbrechen.
Größere Aufmerksamkeit hat das Problem erhalten, nachdem zahlreiche Sammler auf X Fotos von CDs geteilt haben, die gesprungen oder in mehrere Teile zerbrochen sind, obwohl zuvor keine offensichtlichen Beschädigungen erkennbar waren. Den Diskussionen zufolge könnte eine Zersetzung des Polycarbonat-Substrats verantwortlich sein, also jener Kunststoffschicht, aus der der Körper einer CD besteht.
In einem Fall ist eine CD laut ihrem Besitzer beim vorsichtigen Reinigen und Polieren zerbrochen. Als Ursache gilt eine chemisch bedingte Rissbildung im Polycarbonat durch eine verdünnte Reinigungslösung. Statt einer einfachen altersbedingten Abnutzung könnten die Chemikalien den Kunststoff so stark geschwächt haben, dass er plötzlich gebrochen ist.
Ein weiterer und schwerwiegenderer Fall scheint auf eine andere Ursache zurückzugehen. Eine CD ist in einer mit Schaumstoff gepolsterten Schutzhülle in mehrere Teile zerbrochen. Nach Einschätzung der Nutzer können bestimmte Arten von Polyurethanschaum im Laufe der Zeit ammoniakhaltige Verbindungen freisetzen. In einer geschlossenen Hülle können sich diese Stoffe ansammeln und das Polycarbonat-Substrat einer Disc möglicherweise schwächen sowie feine Risse oder größere Brüche verursachen.
Die genauen Ursachen der Schäden sind weiterhin unklar. Die genannten Erklärungen beruhen größtenteils auf Beobachtungen und nicht auf kontrollierten Tests. Daher lässt sich noch nicht sicher feststellen, ob Reinigungsmittel oder Schaumstoffpolster tatsächlich für alle derartigen Fälle verantwortlich sind. Die zugrunde liegenden chemischen Prozesse sind jedoch plausibel. Aggressive Lösungsmittel wie Aceton und Benzol können Polycarbonat beschädigen. Unter bestimmten Bedingungen könnte auch eine längere Einwirkung weniger aggressiver Chemikalien zur Rissbildung beitragen.
CDs könnten für diese Art von Schaden besonders anfällig sein, da sie nur aus einer Polycarbonatschicht bestehen. DVDs verwenden dagegen zwei miteinander verklebte Polycarbonatschichten und sind dadurch weniger empfindlich gegenüber der in diesen Fällen beschriebenen Beschädigung des Substrats.
Damit verlängert sich die ohnehin umfangreiche Liste möglicher Schäden an physischen optischen Datenträgern. CDs und DVDs sind auch von Bit Rot und Laser Rot betroffen, bei denen sich die reflektierende Schicht durch Oxidation, Verunreinigungen oder UV-Strahlung zersetzt. Bei DVDs kann sich zudem die Klebeverbindung zwischen den beiden Polycarbonatschichten lösen.
Für Sammler alter Spiele, Software, Musik und anderer digitaler Archive sind die aktuellen Fälle besonders relevant. Optische Datenträger werden häufig über Jahrzehnte als Sicherungskopien oder historische Aufzeichnungen aufbewahrt. Ihre physische Haltbarkeit garantiert jedoch keinen dauerhaften Zugriff auf die gespeicherten Daten. Für die langfristige Archivierung sollte daher nicht auf eine einzige Kopie eines optischen Datenträgers vertraut werden. Regelmäßige Backups sind unverzichtbar.



