Nvidia-Manager soll KI-Chips nach China geschmuggelt haben, 5 Jahre Haft gefordert

Taiwanesische Staatsanwälte haben eine hochrangige Nvidia-Führungskraft wegen ihrer mutmaßlichen Beteiligung am Schmuggel moderner KI-Server nach China angeklagt. Es handelt sich um den ersten bekannten Strafprozess in Taiwan, bei dem einem Nvidia-Mitarbeiter die Mitwirkung am Schwarzhandel mit KI-Hardware vorgeworfen wird.
Der lediglich unter seinem Nachnamen Chang identifizierte Nvidia-Mitarbeiter soll gemeinsam mit acht weiteren Personen den Versand von 74 Servern mit leistungsstarken Nvidia-B300-KI-Chips nach China organisiert haben. Die Lieferungen sollen über Japan und Indonesien abgewickelt worden sein, wie Bloomberg unter Berufung auf mit dem Fall vertraute Personen berichtet. Weitere 56 bereits für den Versand vorbereitete Server haben taiwanesische Behörden beschlagnahmt.
Taiwan hat außerdem zwei hochrangige Mitarbeiter des Serverherstellers Supermicro sowie leitende Beschäftigte mehrerer anderer Unternehmen angeklagt, die an der Vermittlung von Kunden und der Organisation der Lieferungen beteiligt gewesen sein sollen. Supermicro hat erklärt, mit den taiwanesischen Behörden zusammenzuarbeiten und selbst nicht Gegenstand der Ermittlungen zu sein.
Laut Anklageschrift soll die Gruppe Unternehmen in Japan und Taiwan genutzt haben, um das tatsächliche Bestimmungsland der Hardware zu verschleiern und US-Exportbeschränkungen zu umgehen. Dazu sei der Eindruck erweckt worden, dass Flying Tiger als angeblicher Endkunde in einem taiwanesischen Rechenzentrum über ausreichend Platz zur Unterbringung der Server verfüge.
Mitarbeiter von Nvidia und Supermicro sollen an einer Besichtigung des Standorts beteiligt gewesen sein. Anschließend habe Chang gegenüber Nvidia-Führungskräften bestätigt, dass die Prüfung abgeschlossen sei, wodurch die Bestellung weiterbearbeitet werden konnte. Supermicro hat schließlich dem Verkauf von 130 Servern an Flying Tiger zugestimmt, die in drei Chargen ausgeliefert worden sind.
Die Beschuldigten sollen anschließend den Verkauf von 40 Servern an einen chinesischen Kunden organisiert haben. Ein Teil davon sei direkt nach China geliefert worden, während die übrigen Geräte den Umweg über Indonesien genommen hätten. Weitere 34 Server seien über Indonesien und Japan an ein zweites chinesisches Unternehmen gelangt. Die taiwanesischen Behörden haben das mutmaßliche Vorhaben aufgedeckt, bevor die verbleibenden 56 Server mithilfe laut Staatsanwaltschaft gefälschter Dokumente nach Japan ausgeführt werden konnten.
Nvidia selbst wird kein Fehlverhalten vorgeworfen. Nachdem Chang im Juli erstmals festgenommen worden ist, hat das Unternehmen erklärt, dass "Schmuggel nicht infrage kommt". Nvidia vertreibe seine Produkte hauptsächlich über bekannte Partner, die zur Einhaltung der US-Exportkontrollvorschriften beitrügen. Auch Supermicro hat erneut betont, mit den taiwanesischen Behörden zusammenzuarbeiten und nicht Gegenstand der Ermittlungen zu sein.
Die Staatsanwaltschaft fordert für Chang eine fünfjährige Haftstrafe und bezeichnet ihn als zentrale Figur des mutmaßlichen Vorhabens. Die Anklage umfasst Urkundenfälschung und Untreue, die Vorwürfe müssen jedoch noch vor Gericht bewiesen werden. Die Ermittlungen beschränken sich nicht auf Nvidia und Supermicro. Taiwanische Behörden haben auch leitende Mitarbeiter von vier weiteren Unternehmen angeklagt, die an der Weiterveräußerung der Hardware, der Vermittlung chinesischer Kunden und der Organisation der Lieferungen beteiligt gewesen sein sollen.
Der Fall verdeutlicht, wie schwierig sich die Durchsetzung der US-Beschränkungen für den Export moderner KI-Chips nach China gestaltet. Trotz der Kontrollen aus Washington gelangen chinesische Unternehmen weiterhin über Zwischenhändler und andere Schwarzmarktkanäle an Nvidia-Hardware. US-Behörden haben bereits zuvor erklärt, dass Nvidia-Produkte im Wert von mehreren Milliarden Dollar nach China gelangt seien.



