Pure PLA: Warum lebensmittelecht und sicher im 3D‑Druck viel komplexer ist als es klingt

3D-Drucker lassen sich mit ganz verschiedenen Filamenten (bei Amazon erhältlich) nutzen, welche unterschiedliche Anforderungen etwa an Steifheit oder auch Optik erfüllen können. Bambu Lab bietet mit dem Pure PLA zumindest erst einmal in China ein neues Filament an, welches erhöhte Anforderungen an die Sicherheit erfüllen soll und aus nur fünf Inhaltsstoffen besteht. Das Bambu Lab Pure PLA wird aus PLA, Acrylcopolymeren, Pigmenten (ohne genauere Spezifikation), Ethylene bis(stearamide) und wenig überraschend asbestfreiem Talkum gefertigt.
Erfüllt werden laut Hersteller die Anforderungen der Greenguard-Richtlinie. Dabei dreht es sich insbesondere um flüchtige, organische Schadstoffe, welche eben nicht in der Raumluft landen sollten. Zudem wird die Übereinstimmung mit der EN 71-3 beworben und auch die Konformität zur Verordnung (EU) Nr. 10/2011. Die Verordnung (EU) Nr. 10/2011 ist von überragender Bedeutung bei der Nutzung, wenn es um den Lebensmittelkontakt geht. Aus Gegenständen mit Lebensmittelkontakt dürften keine Stoffe übergehen, die eine Gefährdung für die Gesundheit der Verbraucher darstellen. Geprüft wird dies mit Migrationsversuchen.
Bambu Lab hat diesen Test eben an gedruckten Modellen und nicht nur mit dem reinen Filament durchgeführt. Das ist durchaus relevant, da sich durch den Druckvorgang (wenn auch nicht unbedingt mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit) Reaktionsprodukte bilden könnten, die dann selbst bedenklich sein können. Die Migration in wässrige, ölige und saure Matrizes wurde simuliert. Gleichwohl gibt Bambu Lab doch deutliche Sicherheitsrichtlinien und definiert damit den bestimmungsgemäßen Gebrauch: So sollen derartige Drucke nur bei Temperaturen zwischen 0 und 60°C und nicht mit sauren, alkalischen oder organischen Lösungen in Kontakt gebracht werden. Die Immersion in flüssige Lebensmittel ist zu vermeiden - ebenso wie der Kontakt zu fettreichen Lebensmitteln. Im Resultat dürfte sich damit beispielsweise Reis, aber etwa keine Nüsse im Rahmen des bestimmungsgemäßen Gebrauchs lagern lassen.


Auf einer sehr ausführlichen Seite gibt Bambu Lab nicht nur Informationen zur Sicherheit in Bezug auf die Migration von Schadstoffen, sondern auch Empfehlungen, die eher auf die mikrobiologische Sicherheit abzielen. So sollte bereits bei der Erstellung der Modelle darauf geachtet werden, dass keine schlecht zu reinigenden Hohlräume entstehen. Eine Versiegelung mit geeigneten Mitteln ist zu empfehlen – da sich beim 3D-Druck gewisse Rillen kaum vermeiden lassen. Ob man denn dann nicht gleich ein lebensmittelechtes Harz zur Nachbehandlung einsetzen sollte und auf die Nutzung von lebensmittelechtem Filament verzichten, dürfte auch stark etwa vom zu erwartenden Abrieb abhängen. Zudem ist es fraglich, ob sich ein solcher Lack denn reproduzierbar gut auftragen lässt und die Funktion einer Sperre auch dauerhaft erhalten bleibt.
Bei der Nutzung als Spielzeug ebenso wichtig wie für die Nutzung als Lagerbehälter ist dabei immer die sorgfältige Entgratung. Die von Bambu Lab geworbene Konformität mit der DIN EN 71-3 legt dabei auch Grenzwerte für die Migration etwa von Kobalt, Kupfer, Blei und Quecksilber fest. Interessant ist hierbei auch der Blick auf das Testverfahren: In diesem Fall wurde das reine PLA pulverisiert und nicht ein Druck vermessen. Es gibt durchaus Hotends mit Kupfer, allerdings nutzt PLA ein Hotend vergleichsweise wenig ab. Dementsprechend würden wir ganz, ganz vorsichtig eher von einer geringen diesbezüglichen Gefahr ausgehen. Was Nutzer solcher 3D-Drucker aber auch und insbesondere im gewerblichen Kontext beachten sollten: Das erzeugte Modell sollte so natürlich nicht von (Klein-)Kindern verschluckbar sein und der DIN EN 71-1 auch diesbezüglich entsprechen. Kommerzielle, auch kleine Anbieter können sonst schnell in ernsthafte Probleme kommen und selbst für Privatanwender können sich sehr gefährliche Situationen ergeben.


Quelle(n)
Bambu Lab, Bildquelle: Foto von Vanessa Bucceri auf Unsplash











