
Radar, Kameras und elektrisches Fahrwerk - Tarran T1 Pro Lastenrad ausprobiert
Vollgepackt.
Das Tarran T1 Pro kippt nicht um, warnt vor sich nähernden Autos und schaut durch 3 Kameras. Es hat integrierte Lautsprecher, Fernlicht und wird per NFC entriegelt. Während es 155 Kilo transportiert, lädt es das Smartphone und zieht viele Blicke auf sich. Ist das noch ein Fahrrad?Benedikt Winkel Veröffentlicht am
Fazit - Tarran mit einzigartigem Gesamtpaket
Das Tarran T1 Pro ist derzeit einzigartig am Markt: Es legt einen klaren Fokus im Bereich Fahrsicherheit mit Umfallschutz durch ein elektrisch ausfahrbares Fahrwerk. Dazu ein guter Überblick mit drei Kameras, zusätzliche Warnung vor sich nähernden Autos durch Radar.
Außerdem schafft das T1 Pro mit sehr guter Lichtausstattung viel Sicherheit durch Sichtbarkeit. Hinzu kommen funktionale Gadgets wie Entsperren per NFC, induktives Laden des Smartphones und ein verbauter Bluetoothlautsprecher.
Diese Besonderheiten erkauft sich das T1 Pro aber nicht durch Schwächen bei klassischen Tugenden. Das Lastenrad fährt sicher und macht richtig Spaß. Die Zuladung geht in Ordnung, der Komfort ist dank Vollfederung hoch.
Leider hat so viel Ausstattung seinen Preis. 7000 Euro sind für das T1 Pro fällig, plus Zusatzkosten für Zubehör wie einen zweiten Akku. Bei dem gewählten Fokus auf Sicherheit würde dem T1 Pro auch ein ABS gut zu Gesicht stehen.
Pro
Contra
Preis und Verfügbarkeit
Tarran ruft für das T1 Pro eine UVP von 6999 Euro auf. Zum Start gibt es auf der Seite des Herstellers 500 Euro Rabatt. Eine Unfallschutzgarantie bietet der Hersteller ebenfalls an, für ein Jahr kostet sie 617 Euro. Für einen zweiten Akku sind 600 Euro fällig. Das T1 Pro ist zum Testzeitpunkt direkt beim Hersteller verfügbar.
Inhaltsverzeichnis
- Fazit - Tarran mit einzigartigem Gesamtpaket
- Lieferung und Aufbau - T1 Pro wird fertig geliefert
- Ausstattung und Optik - Tarran mit Fahrwerk, Radar und Kameras
- Licht - Tarran mit Blinkern und Fernlicht
- Akku, Motor und Reichweite - T1 Pro mit 1416 Wh dank Doppelakku
- Display, App und smarte Funktionen - T1 Pro mit Touchscreen und App
- Unterwegs - T1 Pro als Alltagstransporter
Das T1 Pro ist das erste und bisher einzige Modell des Herstellers Tarran. Das T1 Pro ist ein Long John, die Last wird hauptsächlich vor dem Fahrer transportiert. Das T1 Pro gibt es nur in einer Variante und einer Größe. Es gibt die Option einen zweiten Akku zu verbauen. Außerdem bietet der Hersteller Zubehör an, etwa Kindersitze, Organizer oder Regenschutz.
Es stehen zwei Farben zur Wahl: zweifarbig silber/schwarz oder beige. Das Testmodell ist einfarbig beige.
Lieferung und Aufbau - T1 Pro wird fertig geliefert
Das T1 Pro kommt in einem riesigen Karton per Spedition. Es ist komplett montiert. Lediglich Akku, Lenker und Display müssen noch eingesetzt werden - dafür ist kein Werkzeug notwendig. Tarran bedruckt die Verpackung des Lastenrades mit einem QR-Code. Die hinterlegte Anleitung soll beim Auspacken helfen.
Das gelingt jedoch auch ohne Anleitung einfach und problemlos. Die Boxen mit Zubehör im Inneren sind nummeriert, das E-Bike ist durch die Verpackung sehr gut geschützt. Im Lieferumfang befinden sich Kurzanleitung, Netzteil, Schlüssel für die mechanische Entriegelung der Akku-Abdeckung, Ersatzständer und eine Auswahl an brauchbarem Werkzeug in gängigen Größen.
Zusätzlich gibt es zwei NFC-Karten, die als Schlüssel für das eBike funktionieren. In der Anleitung und auf der Schutzfolie des Displays gibt es einen Hinweis auf die Tarran-App. Die ist zum Testzeitpunkt noch nicht über den Playstore verfügbar.
Ausstattung und Optik - Tarran mit Fahrwerk, Radar und Kameras
Tarran hat am T1 Pro einige Komponenten verbaut, die für Fahrräder unüblich sind. Optisch fällt vor allem das ausklappbare "Fahrwerk" auf. Anders als herkömmliche Ständer hat es Räder und es fährt elektrisch auf Knopfdruck aus.
Tarran spricht von "Landing Gear" und tatsächlich kann das Fahrwerk bis zu einer Geschwindigkeit von 10 km/h (einstellbar) ausgeklappt bleiben. Es stabilisiert sich selbstständig. Wer an die Ampel heranrollt, kann die Räder ausfahren und lässt die Füße auf den Pedalen, ohne umzufallen.
Im Parkmodus stellt sich das T1 Pro elektrisch auf Stützen und rollt nicht mehr weg. Das klappt sogar mit Beladung und gegen starkes Gefälle. Auf dem Ständer steht das T1 Pro enorm stabil, auch wenn Kinder ein- bzw. aussteigen.
Außergewöhnlich ist außerdem ein Näherungssensor mit Radar. Nähert sich ein Fahrzeug von hinten - egal ob Auto oder Fahrrad - wird das farblich im Display angezeigt. Zudem ertönt ein Warnton. Mit drei Kameras blickt der Fahrer wahlweise nach vorne, hinten oder in den Laderaum. Eine Dashcam-Aufzeichnung ist möglich.
| Ausstattung | |
|---|---|
| Schaltung | Nabenschaltung, stufenlos; Enviolo Heavy Duty |
| Bremse | Scheibenbremse, hydraulisch; TRP C2.3, 180/180 mm |
| Reifen | luftbereift, 20x2,15"; Schwalbe PICK-UP Perf, Super Defense |
| Akku | 708 Wh, 2 Akkus gleichzeitig möglich |
| Max. Motorleistung | 750 W |
| Max. Drehmoment | 100 Nm |
| Gewicht | 65 kg |
| Gewicht Akku (pro Stück) | 3,84 kg |
| Zuladung | 155 kg |
Die "klassischen" Komponenten am T1 Pro sind durch die Bank hochwertig. Gebremst wird mittels einer hydraulischen Scheibenbremse von TRP. Der Mittelmotor überträgt seine Kraft per Gates-Riemen an eine stufenlose Enviolo-Nabenschaltung am Hinterrad.
Die Ergonomischen Flossengriffe stammen wie der Sattel von Ergon. Das Lastenrad ist vollgefedert. Der zentrale Dämpfer bietet satte 165 Millimeter Federweg, die Vorspannung kann in 12 Stufen eingestellt werden.
Das T1 Pro kann Dank des eingebauten Bluetooth-Lautsprechers sogar Musik während der Fahrt abspielen. Das Smartphone findet in einem verstellbaren Halter in Sichtweite des Fahrers Platz und wird induktiv geladen. Neben dem Smartphonehalter ist die NFC-Kontaktfläche zum Entsperren verbaut.
Tarran verbaut im T1 Pro eine SIM-Karte, außerdem beherrscht das eBike WLAN, LTE und Bluetooth 5.1. Am Rad gibt es außerdem zwei USB-C-Anschlüsse zum Laden. Sie weren vom zentralen Akku gespeist.
Licht - Tarran mit Blinkern und Fernlicht
Tarran bietet im T1 Pro das komplette Licht-Paket. An der Front ist eine breite Lichtleiste montiert, die als Tagfahrlicht und an den Ecken als Blinker fungiert. Weitere Anzeigen für die Blinker sitzen auf der Rückseite der Gepäckwanne.
Unterhalb des Tagfahrlichts warten gleich zwei Scheinwerfer auf den Einsatz bei Dunkelheit. Sie leisten jeweils 80 Lux und haben beide eine Fernlichtfunktion. Am Heck sitzt am Ende des Gepäckträgers ein Rücklicht mit Bremslichtfunktion.
Akku, Motor und Reichweite - T1 Pro mit 1416 Wh dank Doppelakku
Tarran setzt auf einen Mittelmotor mit einer Maximalleistung von 750 Watt und einem maximalen Drehmoment von 100 Nm. Die Dauerleistung liegt bei 250 Watt. Der verbaute Akku hat eine Kapazität von 708 Wh, das T1 Pro kann allerdings mit zwei Akkus gleichzeitig ausgestattet werden, was maximal 1416 Wh bedeutet.
Der Hersteller gibt pro Akku eine maximale Reichweite von 100 Kilometern in der niedrigsten Unterstützungsstufe an. Insgesamt stehen 4 Fahrmodi zur Wahl. Wir sind meist in Auto unterwegs. Bei einem Fahrprofil mit einigen Höhenmetern ist pro Akku eine Reichweite von 65 Kilometern realistisch.
Display, App und smarte Funktionen - T1 Pro mit Touchscreen und App
Im T1 Pro kommt ein 5,2 Zoll großes Farb-Display zum Einsatz das Touch-Eingaben unterstützt. Das Panel kann hochkant als auch quer genutzt werden, in der vertikalen Ausrichtung wird die Darstellung zum Testzeitpunkt aber noch nicht angepasst.
Tarran setzt auf ein eigenes OS, denn das Display kann nicht nur Fahrdaten anzeigen, sondern auch die Livebilder der Kameras, Aufnahmen abspielen, Musik steuern und Fahrrad-Einstellungen anzeigen. In Zukunft soll auch Navigation integriert werden.
Als Ergänzung gibt es eine Tarran-App für iOS und Android. Zum Testzeitpunkt kann die Software noch nicht über den Play-Store heruntergeladen werden, wir haben trotzdem Zugriff darauf bekommen. Werden Fahrdaten und Video-Aufzeichnungen in der Cloud gespeichert, können die Daten auch vom gekoppelten Smartphone eingesehen werden.
Außerdem kann das Smartphone als Schlüssel genutzt werden, statt der NFC-Karten. Per App kann das Fahrrad geortet werden. Aus der Ferne kann es zum Blinken und Hupen gebracht werden. Auch ein Sperren aller Funktionen aus der Ferne ist möglich.
Unterwegs - T1 Pro als Alltagstransporter
Teststrecke - 40 Kilometer und 490 Höhenmeter mit dem T1 Pro
Zur Messung der Reichweite haben wir das T1 Pro auf eine etwa 40 Kilometer lange Tour zwischen Mittenwald und Garmisch-Partenkirchen ausgeführt. Das Streckenprofil ist mit 490 Höhenmetern anspruchsvoll. Wir waren auf geteerten Wegen und meist im Auto-Modus unterwegs.
Nach den 40 Kilometern konnten wir 422 Wh nachladen. Das Ladegerät hat eine maximale Ladeleistung von 243 Watt, die aber nicht dauerhaft gehalten wird. Der Akku kann sowohl im Rad als auch ausgebaut geladen werden.
Fahrerfahrung - T1 Pro steht und fährt sehr stabil
Dank einer Schnellverstellung an Lenkrohr und Sattelstütze ist das T1 Pro schnell auf die Körpergröße des Fahrers eingestellt. Mit dem verstellbaren Vorbau ist Feintuning möglich. Die versenkbare Sattelstütze kann auch das Auf- und Absitzen deutlich erleichtern.
Gewöhnungsbedürftig ist das Fahren mit den "Stützrädern", denn dann lenkt das Rad nicht mittels Schräglage, sondern nur per Lenkeinschlag. Sobald das Fahrwerk eingezogen wird, überzeugt das T1 Pro mit agilem und dennoch sicherem Fahrverhalten.
Kurven in allen Radien machen mit dem Lastenrad richtig Freude, selbst mit voller Beladung. Auch bei hohen Geschwindigkeiten vermittelt das Rad sehr viel Sicherheit. Seitliche Impulse bei schnellerer Fahrt können das per Seilzug angelenkte Vorderrad allerdings zum Schlagen und Aufschaukeln bringen, dann hilft nur deutliches reduzieren der Geschwindigkeit, damit das Rad sich beruhigen kann. Als Auslöser reicht im Test schon das schräge Überfahren einer gepflasterten Regenrinne.
Gut gefällt uns der Überblick über das Geschehen hinter dem Rad. Wir nutzen meist die Kamera nach hinten. In Verbindung mit dem Radar entsteht ein sehr guter Überblick über das Verkehrsgeschehen hinter dem Rad. Der Warnton für sich nähernde Fahrzeuge kann in der Stadt zum Dauerpiepsen werden, er ist aber abschaltbar, es bleiben farbige Warnungen im Display. Die Näherungswarnung wird auch bei abgetrennten Radwegen neben Straßen aktiv.
Ein Highlight ist der stabile Ständer, der für sicheres Abstellen in allen Situationen sorgt. Er dient gleichzeitig als Schloss, weil das Rad in dieser Position nicht bewegt werden kann. Der Motor sorgt in den höheren Stufen für kräftige Beschleunigung, er dürfte allerdings etwas leiser arbeiten.
Gut gelöst ist der Übergang beim Ende der Unterstützung, was 25 km/h entspricht. Bergab oder mit entsprechender Muskulatur sind auch 30 km/h möglich, das Rad überzeugt mit einem sehr guten Abrollverhalten. Die Übersetzung ist stimmig gewählt, auch steile Anstiege können sicher bewältigt werden. Ohne Unterstützung fällt das hohe Eigengewicht von 65 Kilogramm auf.
Beladen - Platz für Kinder und Familienpizza bei Tarran
Das T1 Pro bietet drei verschiedene Beladungsmöglichkeiten. Der größte Stauraum ist in der Wanne, unter dem Boden finden die Akkus ihren Platz. Die Grundfläche der Wanne entspricht etwa dem Karton einer Familienpizza. Der Hersteller bietet im Zubehör Organizer, Kindersitze und Regendach. In diesem Bereich dürfen 65 Kilogramm zugeladen werden.
In der Fläche vor der Wanne sitzen zwei kleinere Staufächer mit Deckel. Die sind im Alltag sehr praktisch für Kleinteile. Allerdings sind die Deckel klapprig und entsprechen nicht der hochwertigen Haptik des restlichen Rades. Zudem fehlt eine Dichtung, es dringt Wasser ein.
Am Heck kann ein MIK-Gepäckträger montiert werden. Die vorhandenen Streben sind außergewöhnlich dick. Die Montage eines Kindersitzes ist möglich, die maximale Zuladung liegt hier bei 27,5 Kilogramm. Das Zulässige Gesamtgewicht des T1 Pro liegt bei 220 Kilogramm. Werden 65 Kilo für das Rad abgezogen, bleiben 155 Kilogramm Zuladung für Fahrer und Gepäck.
Transparenz
Die Auswahl der zu testenden Geräte erfolgt innerhalb der Redaktion. Das vorliegende Testmuster wurde dem Autor vom Hersteller oder einem Shop zu Testzwecken leihweise zur Verfügung gestellt. Eine Einflussnahme des Leihstellers auf den Testbericht gab es nicht, der Hersteller erhielt keine Version des Reviews vor der Veröffentlichung. Es bestand keine Verpflichtung zur Publikation. Als eigenständiges, unabhängiges Unternehmen unterliegt Notebookcheck keiner Diktion von Herstellern, Shops und Verlagen.
So testet Notebookcheck
Pro Jahr werden von Notebookcheck hunderte Laptops und Smartphones unabhängig in von uns standardisierten technischen Verfahren getestet, um eine Vergleichbarkeit aller Testergebnisse zu gewährleisten. Seit rund 20 Jahren entwickeln wir diese Testmethoden kontinuierlich weiter und setzen damit Branchenstandards. In unseren Testlaboren kommt ausschließlich hochwertiges Messequipment in die Hände erfahrener Techniker und Redakteure. Die Tests unterliegen einer mehrstufigen Kontrolle. Unsere komplexe Gesamtbewertung basiert auf hunderten fundierten Messergebnissen und Benchmarks, womit Ihnen Objektivität garantiert ist. Weitere Informationen zu unseren Testmethoden gibt es hier.


























































