Notebookcheck Logo

Real-Life-RPG: Entwicklerstudio verwandelt Büroalltag in ein Rollenspiel

Die Arbeit bei Obsidian Entertainment gleicht offenbar einer Art „Real-Life-RPG“.  (Bildquelle: adriano7492/Pixabay)
Die Arbeit bei Obsidian Entertainment gleicht offenbar einer Art „Real-Life-RPG“. (Bildquelle: adriano7492/Pixabay)
Obsidian Entertainment motiviert seine Mitarbeiter auf eine Weise, die perfekt zur Identität des Entwicklerstudios passt: Neue Mitarbeiter wählen beim Einstieg eine Klasse – Krieger, Zauberer oder Schurke – und erhalten über Jahre hinweg passende Belohnungen. Je nach Klasse etwa Schwerter oder Zauberstäbe.

Aus der Videospielbranche hört man überwiegend Negativmeldungen – Entlassungen, Überstunden oder Studios, die ihre Mitarbeiter schlecht behandeln. Das US-Entwicklerstudio Obsidian Entertainment  sorgt ausnahmsweise für positive Schlagzeilen, indem es den Arbeitsalltag seiner Mitarbeiter in eine Art „Real-Life-RPG“ verwandelt. In einem Interview mit The Game Business (geführt von Christopher Dring) erklärten Marcus Morgan, Vice President Operations, und Justin Britch, Vice President Development, wie das System funktioniert – und welche Philosophie dahintersteckt.

„Wir hoffen, dass dies ein Ort ist, an dem man zehn oder zwanzig Jahre bleiben möchte“, sagt Britch. Ziel des Programms sei es, eine Unternehmenskultur zu schaffen, die auf langfristige Bindung ausgelegt ist. Um das zu erreichen, greift Obsidian auf ein Konzept zurück, das perfekt zur eigenen DNA passt: Gamifizierung im Stil klassischer Rollenspiele.

Loot am Arbeitsplatz

Beim Einstieg ins Unternehmen wählen neue Mitarbeitende eine von drei Klassen – Krieger, Zauberer oder Schurke. Diese Wahl ist Teil des offiziellen Onboardings. In den folgenden Jahren erhalten die Mitarbeiter physische Belohnungen, die thematisch zu ihrer Klasse passen. Ein Krieger bekommt etwa einen Schild, eine Axt oder einen Helm. Ein Zauberer sammelt dagegen Accessoires wie einen Umhang oder Zauberstab.

Die Gegenstände sind eigens gestaltet und dienen nicht bloß als Gimmick, sondern als sichtbare Symbole der Zugehörigkeit. Nach 20 Jahren dürfen Veteranen „multiclassen“, also eine zweite Klasse wählen und erneut Belohnungen freischalten – wer alle Klassen „durchspielen“ will, bräuchte laut Britch augenzwinkernd etwa 60 Jahre.

Das System ist logistisch aufwendig, wie Marcus Morgan einräumt: Herstellung, Lagerung und Ausgabe der Objekte erfordern Planung. Doch der symbolische Wert scheint zu überwiegen. „Unsere Wurzeln liegen in Dungeons & Dragons. Wir alle verstehen uns als Dungeon Master“, sagt Morgan. Zur Erklärung: Viele der Obsidian-Gründer waren vorher bei Black Isle Studios, dem legendären Entwicklerteam hinter Baldur’s Gate, Icewind Dale und Planescape: Torment – Spielen basierten direkt auf den Dungeons-&-Dragons-Regelwerken.

Die Idee, Arbeit wie ein Rollenspiel zu aufzubauen, scheint für Obsidian ein natürlicher Ausdruck der eigenen Identität zu sein. Das spezielle Belohnungssystem ist Teil einer langfristigen Unternehmensstrategie. Obsidian spricht von einer 100-Jahres-Vision. „Wir wollen, dass Menschen lange bleiben, weil sie sich mit unserer Kultur identifizieren“, betont Morgan.

Quelle(n)

The Game Business

Bildquelle: adriano7492/Pixabay

static version load dynamic
Loading Comments
Diesen Artikel kommentieren / Antworten
Teilen Sie diesen Artikel, um uns zu unterstützen. Jeder Link hilft!
Mail Logo
> Notebook Test, Laptop Test und News > News > Newsarchiv > News 2025-11 > Real-Life-RPG: Entwicklerstudio verwandelt Büroalltag in ein Rollenspiel
Autor: Marius Müller,  7.11.2025 (Update:  7.11.2025)