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Hardware hui, Software...naja. | Smartphone-Gimbal Zhiyun Smooth 4 im ausführlichen Hands-On: Sehr gute 3-Achsen-Stabilisierung für den schmalen Taler

Teaser
Zhiyun hat sich am Markt einen Namen mit preis- aber trotzdem hochwertigen Videogimbals für DSLRs und Smartphones gemacht. Der 2-Achsen-Gimbal Smooth Xs für Smartphones hat uns im Test dennoch nicht wirklich überzeugt, vor allem die Software wirkte unausgegoren. Jetzt haben wir den deutlich höherwertigen 3-Achsen-Gimbal Smooth 4 im Hands-On und überprüfen, was das größere Modell alles besser macht.
Christian Hintze,
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Einleitung

Vor etwa einem Monat hatten wir den kleineren und preiswerteren Bruder in Form des 2-Achsen-Gimbals Zhiyun Smooth Xs (rund 80 Euro auf Amazon) im Hands-On. Als Anfänger damit wackelfreie Aufnahmen anzufertigen, erwies sich als nicht ganz einfach. Im Test fragten wir uns, ob dies mit einer Stabilisierungsachse mehr leichter gehen würde und voilà, nun haben wir den 3-Achsen Gimbal Smooth 4 hier. Dieser kostet mittlerweile mit 89 Euro auf Amazon (zuvor 129 Euro) nur unwesentlich mehr und ist deutlich besser verarbeitet. Das Hands-On beleuchtet daher die Unterschiede zum kleineren Smooth Xs und gibt einen ersten Erfahrungsbericht preis.

Noch ein Hinweis: Der hier geschilderte Erfahrungsbericht gibt einzig und alleine meine persönliche Meinung wider. Ein Konkurrenzprodukt zum Vergleich liegt nicht vor. Meine Erfahrung kann zu der von versierteren Nutzern stark variieren. Hersteller Zhiyun hat mir zum Zwecke der Testung kostenlos ein Exemplar des Smooth 4 zur Verfügung gestellt. Als Smartphone nutze ich ein Huawei Mate 20 Pro.

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Verpackung und Inhalt

Genau wie der Smooth Xs kommt auch der Zhiyun Smooth 4 in einer edel anmutenden Verpackung mit weißem Design daher, welches durch rote Schrift Farbakzente setzt.

Die Verpackung
Die Verpackung
Rückseite der Verpackung
Rückseite der Verpackung
Die Aufbewahrungsbox
Die Aufbewahrungsbox

Aus der weißen Verpackung zieht man eine graufarbene Styrodurbox heraus, in dem der Gimbal sicher gelagert wird und aufbewahrt werden kann. Das wirkt schon etwas hochwertiger als der Kunststoffeinschub in der Box des Smooth Xs. Innen sind werkzeugkoffergleich für alle Teile gerade ausreichend Platz ausgeschnitten, sodass auch beim Herumschwenken der Styroporbox kaum etwas innen wackelt und der Gimbal und die Zubehörteile somit gut stoßgedämpft sind.

In der Box befindet sich natürlich der Gimbal selbst, daneben ein kleines Stativ zum Anschrauben unterhalb des Gimbalarms und ein USB-C-Kabel. Bereits das Stativ wirkt hochwertiger als beim Smooth Xs. Während es bei Letzterem noch aus Plastik gefertigt war, scheint das Stativ des Smooth 4 aus Aluminium zu bestehen und hinterlässt dadurch einen deutlich stabileren und höherwertigen Eindruck.

Das ist drin:
Das ist drin:
Gimbal, Stativ und USB-C-Kabel
Gimbal, Stativ und USB-C-Kabel
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Der Gimbal mit inkludiertem Stativ
Der Gimbal mit inkludiertem Stativ

Noch größer ist der Unterschied beim Gimbal selbst. Wer ihn beim ersten Mal aus der Box hebt, wird zunächst deutlich vom Gewicht und der Größe des Gimbals im Vergleich zum Smooth Xs im Hosentaschenformat überrascht sein. Der Smooth 4 ist um einiges schwerer und größer, er wirkt von Anfang an professioneller und liegt gut in der Hand. Zwar ist der Griff ebenfalls aus Kunststoff gefertigt, allerdings fühlt er sich trotzdem stabiler an als das dünne, weiße Plastik des kleineren Modells. Die Achsenarme scheinen hingegen eher aus Metall zu bestehen und fühlen sich besonders hochwertig und stabil an.

Inbetriebnahme

Der Gimbal kann via USB-C aufgeladen werden. Über einen weiteren Port kann der Smooth 4 sogar als Powerbank für das Smartphone fungieren, seltsamerweise ist dieser Port aber noch Micro-USB statt USB-C. 

Zu Beginn sollte man das eigene Smartphone im Gimbal optimal ausbalancieren. Der Smooth 4 ist dabei zunächst ausgeschaltet. Nun schiebt man das Smartphone bis zum Anschlag in die Halteklammer. Beachten muss man, dass der Schwenkarm zu Beginn fest in einer Verriegelung arretiert ist, er lässt sich mit etwas Druck daraus lösen. An der Schraube des Schwenkarms kann man nun das Smartphone balancieren, indem man den Haltearm etwas herausschiebt oder einfährt. Hält er das Smartphone auch ausgeschaltet in der Waage hat man die richtige Position gefunden.

Halteklammer kann verschoben werden (Quelle: Zhiyun)
Halteklammer kann verschoben werden (Quelle: Zhiyun)
Smartphone sollte auch im ausgeschalteten Zustand die Waage halten (Quelle: Zhiyun)
Smartphone sollte auch im ausgeschalteten Zustand die Waage halten (Quelle: Zhiyun)

Vielen ist nicht bewusst, dass man an der Halteklammer selbst weiter ausbalancieren kann. Diese sollte durch Verschieben so eingestellt werden, dass sie das Smartphone nicht aufrecht, sondern in waagerechter Position hält. Durch die Anpassungen entlastet man die Motoren und sorgt für eine waagerechte Ausrichtung der Smartphonekamera.

Verbinden
Verbinden

Anschließend muss man sich die Software "ZY Play" aus dem Play oder App Store herunterladen und installieren. Glücklicherweise ist diesmal ein Zhiyun-Account nicht zwingend notwendig, um die Software nutzen zu können, für die Kamerafunktion muss man aber wieder die Standortdaten freigeben. Mir ist immer wieder schleierhaft, warum ich bei manchen Apps meine Standortdaten teilen muss damit sich ein Gerät via Bluetooth koppeln lässt. In der Software sucht man nun nach dem Gimbal, drückt auf "Connect" und kann dann die Aufnahmefunktionen nutzen.

Ein Drücken der Powertaste am Gimbal für etwa 2 bis 3 Sekunden schaltet diesen ein. Vorher sollte der Schwenkarm unbedingt aus der Verriegelung gelöst werden.

ZY Play - Die Software

Die Software ist wie schon beim Smooth Xs und seiner ZY Cami App das Steckenpferd, denn in der vorinstallierten Standard-Kamera-App funktioniert nicht einmal der Aufnahmebutton des Gimbals. Die hier aufgespielte App namens ZY Play für Android und iOS kommt gerade mal auf 2,6 (Google Play Store) bzw. 2,9 (Apple App Store) Sterne. Theoretisch kann sie sehr viel, das Potential ist groß, es hapert aber an der Umsetzung. Alleine, dass man seine Standortdaten teilen muss, stößt vielen Usern sauer auf. Allerdings setzt ZY Play, anders als ZY Cami, keinen Account als Bedingung zur Nutzung voraus und die Datenschutzbestimmungen sind um einiges humaner als bei ZY Cami.

Schlechte App-Bewertung
Schlechte App-Bewertung
Der Aufnahmebereich verlangt Standortdaten
Der Aufnahmebereich verlangt Standortdaten
Datenschutz ist aber besser geworden
Datenschutz ist aber besser geworden

Genau wie bei ZY Cami lässt leider auch ZY Play den vollen Funktionsumfang unter Android vermissen und spielt erst unter iOS richtig auf. Ein Editor ist bei dieser App nicht mit an Bord, dafür arbeitet sie im Idealfall super mit den Funktionstasten und -rädchen des vielseitigen Gimbals zusammen. Im Idealfall deshalb, weil es im Test durchaus vorkam, dass beispielsweise das Drücken der Aufnahmetaste nicht erkannt wurde, offenbar ist die Verbindung nicht konstant. Viele Nutzer berichten von starken Verbindungsproblemen, bis auf die erwähnten Aussetzer haben sich App und Gimbal aber in meinem Test immer verbinden können.

Die Icons am oberen Rand sind bis auf den Home-Button nicht am Smartphonescreen drückbar
Die Icons am oberen Rand sind bis auf den Home-Button nicht am Smartphonescreen drückbar
Das Optionsmenü
Das Optionsmenü

Ich persönlich finde ZY Play wesentlich weniger verspielt als ZY Cami und dafür aufgeräumter und strukturierter. Zum Nutzen der Aufnahmefunktion muss man die Standortdaten freigeben - ein großer Minuspunkt! Alle anderen Funktionen lassen sich ohne die Location nutzen. Im Aufnahmebereich irritieren die Icons auf dem Schirm, welche suggerieren, dass man sie per Toucheingaben verändern kann. Das geht aber fast ausschließlich über die Gimbaltasten. Über den Gimbal-Menubutton lassen sich erste Einstellungen wie Auflösung, Framerate, Timer etc. vornehmen. Es gibt auch einen manuellen Modus, bei dem man dann ISO, Blende, Verschlusszeit und Weißabgleich selber festlegen kann.

Und natürlich gibt es eine intelligente Motivverfolgung. Dazu zieht man einen Rahmen um das Motiv, der Gimbal soll es dann verfolgen. Ich überprüfe, ob das in der Praxis auch gelingt.

Praxiserfahrung

In der Praxis lässt sich eine deutliche Verbesserung der Stabilisierung gegenüber dem Smooth Xs erkennen. Anders als in der Cami-App lässt sich in ZY Play auch der interne Bildstabilisator des Smartphones aktivieren. Zumindest theoretisch, praktisch war der Punkt stets ausgegraut. Aber auch so macht die zusätzliche dritte Achse einen enormen Unterschied gegenüber dem 2-Achsen-Gimbal Smooth Xs. Im Video unten sieht man mein Testvideo, in dem ich zunächst langsam, dann immer schneller gehe und schließlich sogar renne. Dabei bleibt die Aufnahme trotz der Bewegung erfreulich wackelarm (Lock-Mode).


Schiefer Horizont trotz Balancing, zu lösen über versteckte Menüs
Schiefer Horizont trotz Balancing, zu lösen über versteckte Menüs

Nicht so gut ist, dass ich es trotz sorgfältigem Balancing nicht geschafft habe, dass der Gimbal komplett waagerecht ausgerichtet ist. Die Elektronik hält das Smartphone immer leicht schief, wie man am Gitterliniennetz erkennt. Manuelle Korrekturen sind, anders als beim Smooth Xs über dessen Joystick, beim Smooth 4 nicht ohne Weiteres möglich, über Umwege geht es dann aber doch: In der Kamera-App ruft man die Settings auf und ändert ganz unten den Modus von "Pro" auf "Orig". Die Nutzeroberfläche ändert sich nun, man muss jetzt alles über den Touchscreen steuern. Jetzt ruft man wieder die Settigs auf und geht auf "Calibration". Hier kann man nun eine automatische Kalibrierung durchführen lassen oder die verschiedenen Achsen auch anwählen und manuell ausrichten - sehr nützlich, aber auch recht versteckt. Danach war das Problem behoben.

Motivframe bleibt hängen und verfolgt nicht weiter
Motivframe bleibt hängen und verfolgt nicht weiter

Ebenfalls verbesserungswürdig ist die Motivverfolgung, welche eher unbefriedigend funktioniert. Sie hört plötzlich auf das Motiv zu verfolgen oder lässt sich von Fremdmotiven ablenken und folgt plötzlich kreuzenden Personen und Objekten.

Die Bedienelemente samt Drehrad & Mode-Schieberegler
Die Bedienelemente samt Drehrad & Mode-Schieberegler

Wirklich toll ist vor allem auch das feine Drehrad am Smooth 4. Hierüber lässt sich wahlweise der Fokus manuell und fein justieren oder aber zoomen, per Gimbal-Taste lässt sich zwischen beiden Funktionen hin- und herschalten. Wegen der in diesem Punkt unausgegorenen Software ist der Zoom nicht empfehlenswert, da dieser stets von einer Einstellung in die nächste "springt" und somit kein "flüssiges" Zoomen möglich ist.

Die Trigger für Mode 3 & 4 auf der Rückseite
Die Trigger für Mode 3 & 4 auf der Rückseite
Alle Modischalter (Quelle: Zhiyun)
Alle Modischalter (Quelle: Zhiyun)

Nützlich sind auch die vier verschiedenen Gimbal-Modi. Im Pan-Follow-Mode (PF) schwenkt der Gimbal horizontal mit, ändert aber die Höheneinstellung nicht, im Lock-Mode behält er stets die gewählte Einstellung bei. Auf der Gimbalrückseite gibt es zudem zwei Trigger. Hält man den oberen gedrückt, so aktiviert sich der Pan-Free-Mode, bei dem der Gimbal in alle Richtungen frei mitschwenkt. Der untere Trigger aktiviert den besonders agilen Pan-Free-Mode. Hier schwenkt der Gimbal nicht langsam nach, sondern vollführt die Schwenks besonders schnell, ideal also für actionreiche und schnelle Szenen.

Hier kann man viel herum experimentieren, in den Einstellungen lässt sich der Gimbal auch an den Verwendungszweck anpassen (Folgen, Gehen, Rennen). Insgesamt funktionierte der Gimbal selbst sehr gut und es macht Spaß sich mit den verschiedenen Modi und selbst mit den zusätzlichen Möglichkeiten der Software (Timelapse, SloMo etc.) auseinanderzusetzen.

Fazit

Der Zhiyun Smooth 4, zur Verfügung gestellt von Zhiyun
Der Zhiyun Smooth 4, zur Verfügung gestellt von Zhiyun

Während ich beim Smooth Xs nicht wirklich vom Zusatznutzen des 2-Achsen-Gimbals gegenüber einem guten elektronischen Stabilisator überzeugt war, kann ich dem Smooth 4 einen eindeutigen Vorteil bescheinigen. Der 3-Achsen-Gimbal hält das Smartphone viel ruhiger als elektronische Lösungen, vor allem auch beim Rennen und anderen schnellen Bewegungen. Leichte Mikrowackler gibt es aber dennoch.

Der Smooth 4 kostet derzeit nur 89 Euro, also unwesentlich mehr als der kleine Bruder, und dass obwohl er deutlich hochwertiger verarbeitet ist, viel professioneller wirkt und zudem viel besser stabilisiert.

Schwachpunkt ist weiterhin die Software. Selbst in FullHD ließen sich keine 60 fps einstellen, obwohl die Hauptkamera dies unterstützt und die Option für den elektronischen Bildstabilisator war auf Android stets ausgegraut. Die manuelle Ausrichtungskorrektur ist ziemlich versteckt und auch die Motivverfolgung klappt nur so lala. Allerdings soll der Gimbal mittlerweile vollständig in Filmic Pro integriert sein, im Zusammenspiel mit der semiprofessionellen Video-App lässt sich womöglich das unzweifelhaft vorhandene Potential herauskitzeln.

Insgesamt war ich vom Gimbal selbst wirklich sehr angetan. Ich denke technisch kann der Smooth 4 auch mit deutlich teureren Modellen mithalten. Wenn der Hersteller nun endlich mal seine Software aufpoliert, integrierte Features funktionsfähig macht, die Benachteiligung von Android-Nutzern endlich beseitigt und am Besten noch weiter am Datenschutz feilt und dabei die unsinnige Standortdatenfreigabe fallen lässt, wäre das Hardware-/Software-Bundle uneingeschränkt empfehlenswert. So aber gilt die Empfehlung nur für den Gimbal, nicht aber die Software.

Der Zhiyun Smooth 4 ist ein sehr gut verarbeiteter und empfehlenswerter Smartphonegimbal zu einem sehr günstigen Preis. Abstriche muss man leider in der Software hinnehmen, immerhin gibt es durch die Integration des Gimbals in Filmic Pro eine tolle App-Alternative.

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Christian Hintze
Christian Hintze - Managing Editor - 1633 Artikel auf Notebookcheck veröffentlicht seit 2016
Ein C64 markierte meinen Einstieg in die Welt der PCs. Mein Schülerpraktikum verbrachte ich in der Reparaturabteilung eines Computerladens, zum Abschluss durfte ich mir aus “Werkstattresten” einen 486er PC selbst zusammenbauen. Folglich begann ich später ein Informatikstudium an der Humboldt-Uni in Berlin, Psychologie kam hinzu. Nach meiner ersten Arbeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Uni ging ich für ein Jahr nach London und arbeitete für Sega an der Qualitätssicherung von Computerspielübersetzungen, u.a. an Spielen wie Sonic & All-Stars Racing Transformed oder Company of Heroes. Seit 2017 schreibe ich für Notebookcheck.
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Autor: Christian Hintze, 16.12.2020 (Update: 18.12.2020)