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Test Apple Mac mini (Mid 2011) MC815D/A

Minimal-PC? Mit dem Mac mini hat Apple bereits seit Jahren ein günstiges Einsteigermodell im Programm, das nicht nur für Windows-Umsteiger von Interesse ist. Wie sich die neueste Revision so schlägt, haben wir uns in folgendem Test kurz angesehen.

Die neuen Modelle haben eine Frischzellenkur im Inneren erfahren und beherbergen nun aktuelle Intel-Technologie der Sandy-Bridge-Generation. Unser Testmodell ist der Einsteiger der kleinen Desktop-Serie mit 2 GB DDR3 RAM, 2,3 GHz Core 2 Duo Core i5-2415M CPU, 500 GB Festplatte und Intel 3000 Grafikeinheit. In anderen Konfigurationen sind Core i5 mit 2,5 GHz, Core i7 mit 2,7 GHz und der Server mit 2 GHz Quad-Core erhältlich. Die mittlere Variante hat zudem mit der AMD HD 6630M GPU deutlich mehr Grafikpower als die integrierte Intel-Lösung zu bieten. Ansonsten gibt es unter anderem noch verschiedene RAM- und Massenspeicheroptionen, die aber wie üblich preislich fast schon unverschämt hoch angesetzt sind. 

Allgemeines/ Gehäuse/ Schnittstellen

sehr kompaktes Gehäuse
sehr kompaktes Gehäuse
einfache Erreichbarkeit
einfache Erreichbarkeit
Schnittstellen im Vergleich (lesen)
Schnittstellen im Vergleich (lesen)

Augenscheinlichster Unterschied der aktuellen Serie zum Vorgänger ist der nun generell fehlende Schlitz im Alugehäuse des Mac mini. Hier kommt nur noch das bekannte Server-Kleid zum Einsatz, da Apple ganz der Philosophie entsprechend nun auch beim kleinen Einsteiger auf ein optisches Laufwerk verzichtet. Dieser Schritt scheint konsequent, waren doch viele User mit der Qualität des Superdrive nicht immer zufrieden und dem Wunsch nach einem Blu-Ray Laufwerk wird Apple wohl bei keinem Mac entsprechen. Ob die DVD- und CD-Freigabe über einen weiteren Rechner mit optischem Laufwerk ein Ersatz sein kann, ist wohl individuell sehr unterschiedlich. Wie lange das überhaupt noch notwendig sein wird, muss man abwarten. Zumindest Apple setzt immer mehr auf den medienlosen Softwarevertrieb und hat mit iTunes und Mac App Store zwei gewichtige Medienlieferanten unter dem eigenen Dach.  

Als HTPC wird es der mini zumindest bei den Freunden der guten alten DVDs nun etwas schwerer haben und diejenigen die gar nicht auf optische Medien verzichten wollen oder können, müssen nun darüber nachdenken sich ein externes Laufwerk anzuschaffen. Für den gelegentlichen Betrieb durchaus machbar, für die Freunde eines aufgeräumten Schreibtischs sicherlich ein großer Kompromiss. Sehr schnell werden jedenfalls Windows-User das Fehlen des DVD-Brenners merken, zumindest dann, wenn sie noch kein ISO-Image von Windows erstellt haben, um die Bootcamp-Installation vorzunehmen. Hat man diese Hürde genommen, verläuft die Windows-Installation wie üblich per USB-Stick nach Anweisung des Bootcamp-Assistenten.

Auf den zweiten Blick hat sich am Heck noch die Anschlussleiste ein wenig verändert, hier kann man nun auf die Thunderbolt-Schnittstelle zurückgreifen, die man am Blitzsymbol erkennt und den bisherigen Displayport erweitert. Passende Peripherie gibt es immer noch nicht zu kaufen. Selbst Apples Thunderbolt Display wird derzeit mit 6-8 Wochen Lieferzeit gelistet. Unverändert kann man auch dem 2011er mini eine tadellose Verarbeitung und Top-Materialien attestieren. Unibody-Gehäuse mit erschreckend präzisen Kanten und Spaltmaßen findet man sonst nur bei Alternativmodellen aus eigenem Hause. Den Arbeitsspeicher kann man weiterhin sehr komfortabel über die herausdrehbare Bodenplatte erreichen, für den Massenspeichertausch muss man etwas tiefer ins Gehäuse eindringen. Dort angekommen ist sogar Platz für ein zweites Laufwerk, nur an ein passendes Anschlusskabel zu kommen wird schwer, da Apple hier wieder eine Speziallösung gewählt hat. Wer zwei Laufwerke, aber wenig Probleme haben möchte, sollte also gleich eine Variante mit zweitem Massenspeicher ordern. Die genauen Ausstattungsdetails sind wie üblich auf Apples Homepage zu finden.

Wie gehabt, liefern die Schnittstellen unter Windows und Mac OS etwas unterschiedliche Werte. Hier hat man mit dem nativen Betriebssystem vor allem bei Firewire 800 einen spürbaren Vorteil (siehe Grafik). Etwas ungewöhnlich sind die geringen SD-Card-Werte unter OS X, die deutlich hinter denen mit Windows 7 ermittelten Werten zurückliegen. eSata oder USB 3.0 findet man weiterhin nicht vor und Thunderbolt ist wie bereits erwähnt wegen fehlender Peripherie derzeit so gut wie nicht nutzbar. Kabellos kann man auf W-LAN 802.11 a/b/g/n und Bluetooth 4.0 zurückgreifen, wer lieber eine kabelbasierte Anbindung nutzt, hat Gigabit-LAN (Ethernet) zur Verfügung. Der Empfänger für Apples Remote ist frontseitig bereits integriert, das Gegenstück muss man jedoch extra erwerben. Ebenfalls nicht im Lieferumfang sind Maus und Tastatur. Normale PC Tastaturen und Mäuse sind problemlos verwendbar, mit einigen Eigenarten des Mac OS Tastaturlayouts muss man sich aber vertraut machen. Belegung, Funktionen und Beschriftung differieren etwas und müssen bei einem gewöhnlichen Windowslayout hinzugedacht werden. Kein Problem für Kenner, Umsteiger könnten aber hier schnell stolpern, wenn es zum Beispiel um profane Dinge wie das @-Zeichen geht, das man beim Mac unter „L“ und nicht unter „Q“ findet.

Leistung

Die Leistungsfähigkeit des Mac mini ist insgesamt als gut einzustufen, insbesondere, wenn man das eigentlich vorgesehene Einsatzspektrum vor Augen behält. Als kleiner Bürocomputer hat der Rechner bereits mehr als ausreichende Leistungsreserven und bewältigt Office-Aufgaben, Internet, FaceTime/ Skype und einfache Bildbearbeitung ohne jegliche Wartezeiten. Je nach Aufgabengebiet bremsend, könnten sich die RAM-Ausstattung mit 2 GB DDR3-10600 und die selbst für Notebookverhältnisse nur mittelmäßige Festplatte erweisen. Diese erreicht im Mittel knappe 70 MB/s und bleibt damit etwas hinter aktuellen 2,5“ Festplatten mit 5400 U/min zurück. Dank Wartungsschacht und günstigen RAM-Preisen lässt sich zumindest die RAM-Ausstattung ohne großen Aufwand schnell und günstig erhöhen.

Nur mittelmäßige Festplattenperformance
Nur mittelmäßige Festplattenperformance
Videokonvertierung mit geringer CPU-Belastung
Videokonvertierung mit geringer CPU-Belastung
DVD2One für Mac und PC erhältlich
DVD2One für Mac und PC erhältlich

Die CPU arbeitet insgesamt recht flott, reicht für die meisten Anwendungen aus und ist auch für Konvertierungsaufgaben geeignet. Die iTunes MP3 zu AAC Konvertierung unter OS X erreicht eine sehr gute 52-fache Geschwindigkeit und unsere Film-DVD Sieben (ohne Kopierschutz) lässt sich innerhalb knapp 33 Minuten (Windows 16 min.) inklusive Vorbereitungsscan mit DVD2One in den Standardeinstellungen umwandeln. Mit Badaboom 2.0 und Intel QuickSync haben wir unter Windows 7 mit 11:12 min und durchschnittlich 272 fps beim gleichen Film einen neuen Rekord im Vergleich zu den bisher getesteten Geräten erreicht. Hier wurde wie immer in eine iPhone kompatible Auflösung von 427x320 Bildpunkten heruntergerechnet. Die Prozessorlast lag dabei unter 30%.

Spiele haben wir nicht getestet, diese dürften aber in ähnlichem Maße möglich sein, wie beim MBP 13 mit 2,3 GHz Prozessor.

iTunes
iTunes
Badaboom
Badaboom
3D Mark
3D Mark
Cinebench
Cinebench
Benchmark/ Test Mac OS X Lion Windows 7 HP 64 bit MBP 13 Early 2011 2.3 GHz (SL)
Cinebench R10 Single CPU 3979 4360 4081
Cinebench R10 Multi CPU 8733 9753 8678
Cinebench R10 GL 5993 5543 5457
Cinebench R11.5 GL 12.04 10.88 10.94
Cinebench R11.5 CPU 2.58 2.61 2.59
DVD2One (DVD komplett) 28:06 13:33 n.a.
Badaboom (DVD zu iPhone) n.a. 11:12 / 272 fps (QS) n.a.
iTunes MP3 zu AAC 52,1x 38.8x 44.8x
3D Mark Vantage n.a. 1887 n.a.

Geräuschentwicklung/ Leistungsaufnahme

Die Geräuschentwicklung äußert sich mit Masse nur durch ein kaum hörbares Grundrauschen der internen Lüfter, welches nur bei sehr leisen Arbeitsumgebungen wahrnehmbar wird. Bei hoher Festplattenaktivität, zeigt sich wiederum der Massenspeicher nicht von seiner besten Seite und lässt ein deutliches Festplattenrattern vernehmen. Inwieweit der mini in der Praxis hörbar sein wird, hängt in den meisten Fällen vom Aufstellort ab. Gute Voraussetzungen, um nicht aufzufallen, bringt er jedenfalls mit. Einen Teil trägt dazu sicherlich auch die genügsame Leistungsaufnahme bei. Gerade unter OS X hat man hier dank der Notebooktechnik ein für Desktops bisher unbekanntes Niveau erreicht. Wir haben beim Booten Werte zwischen 11,8 Watt und 26,2 Watt, bei ruhendem Desktop 7,8 Watt und beim Cinebench R11.5 OpenGL 40,3 Watt respektive 37,9 Watt CPU gemessen. Mit Windows arbeitet man nicht ganz so sparsam und muss jeweils ein paar Watt mehr einkalkulieren.

Fazit

Der Mac mini (Mid 2011) ist in der getesteten Version der derzeit günstigste Einstieg in die „Mac-Welt“ und bietet bereits eine gute Leistungsfähigkeit für viele Anwendungsbereiche. Die Schnittstellenausstattung ist gut, Thunderbolt sollte in der Zukunft viele Möglichkeiten liefern, dann auch fehlende USB 3.0 und eSata Ports verschmerzen lassen, und kabellos ist man eh auf der Höhe der Zeit. Das Gehäuse ist klein, qualitativ in jeder Hinsicht äußerst hochwertig und bezüglich RAM und Festplatte gut zugänglich. Die Geräuschemissionen sind für ein Desktop-System sehr zurückhaltend und können bei Bedarf durch den Austausch des Massenspeichers noch etwas minimiert werden. Einigen Usern wird jedoch der Verzicht auf ein optisches Laufwerk schwerfallen und andere könnten sich an dem vergleichsweise hohen Preis stören, der für Design, Kompaktheit und Notebooktechnik letztendlich zu zahlen ist.

» Der Mac mini MC815 D/A ist derzeit ab 587.- bei Amazon.de erhältlich

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Im Test: Mac mini 2011
Im Test: Mac mini 2011
Sehr hochwertiges Unibody Alugehäuse
Sehr hochwertiges Unibody Alugehäuse
...ermöglicht eine einfache RAM-Aufrüstung
...ermöglicht eine einfache RAM-Aufrüstung
die aufdrehbare Bodenplatte...
die aufdrehbare Bodenplatte...
Ethernet, Firewire 800, HDMI, Thunderbolt, 4x USB 2.0
Ethernet, Firewire 800, HDMI, Thunderbolt, 4x USB 2.0
im Gehäuse integriertes Netzteil
im Gehäuse integriertes Netzteil
der Cardreader überzeugte unter OS X nicht
der Cardreader überzeugte unter OS X nicht
USB 3.0 oder eSata sind weiterhin bei Macs nicht verfügbar
USB 3.0 oder eSata sind weiterhin bei Macs nicht verfügbar
Displayport wurde durch Thunderbolt erweitert
Displayport wurde durch Thunderbolt erweitert
eine Alternative zum DVB-T Stick ist Elgatos Tivizen Box, die auch mit iPad und PC funktioniert
eine Alternative zum DVB-T Stick ist Elgatos Tivizen Box, die auch mit iPad und PC funktioniert
externe Modelle sind für unter 30,- Euro erhältlich
externe Modelle sind für unter 30,- Euro erhältlich
auf ein optisches Laufwerk muss man nun generell verzichten
auf ein optisches Laufwerk muss man nun generell verzichten
HDMI zu DVI Adapter ist im Lieferumfang
HDMI zu DVI Adapter ist im Lieferumfang

Shortcut

Was uns gefällt

sehr kompakt, dennoch leistungsstark und leise. Sehr günstiger Einstieg in die Mac-Welt.

Was wir vermissen

Thunderbolt-Peripherie, Apple Remote im Lieferumfang, eine flottere Festplatte und selbst beim Einsteigermodell eine großzügigere RAM-Ausstattung. 

Was uns verblüfft

dass Apples Aufpreispolitik für RAM- und Massenspeicher-Upgrades derart weit von der Realität entfernt ist.

Die Konkurrenz

Apples Mac mini ist in der Form einzigartig. Fujitsus Q900/ Q9000 hat einen ähnlichen Formfaktor und könnte eine echte Alternative für Windows-User sein. Den Vorgänger Esprimo Q1510 mit gleichem Gehäuse  hatten wir schon mal im Test. Dells Zino HD 410 hat AMD Innenleben und ist auch mit Blu-Ray-Laufwerk erhältlich.

Autor: Tobias Winkler,  4.08.2011 (Update: 15.05.2018)