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Test Samsung 860 QVO SSD (SATA, 2,5 Zoll)

Christian Hintze, 👁 J. Simon Leitner, Felicitas Krohn, 27.11.2018

Die preiswerte 860er Samsung fügt der 860er-Serie für die SATA-3-Schnittstelle ein neues Modell hinzu. Neben der Evo und der Pro gibt es nun noch die 860 QVO, welche (theoretisch) deutlich günstiger ist als die Schwestermodelle. Mit welchen Einschnitten man für den reduzierten Preis rechnen muss, klärt dieser Test.

Im vergangenen Januar stellte uns Samsung Testmodelle zur 860 Evo und der 860 Pro zur Verfügung. Die beiden SSDs kratzten leistungstechnisch bereits am SATA-Limit, waren allerdings auch recht teuer. Das 1-TB-Modell der Evo schlug mit 369,99 Euro zu Buche, für die Pro-Version veranschlagte Samsung gar einen Preis von 499,99 Euro.

Nun haben wir ein neues Testmuster vom Hersteller erhalten. Dadurch können wir die neue Samsung 860 QVO noch vor dem offiziellen Erscheinungstermin testen. Auch die QVO ist eine SSD im herkömmlichen 2,5-Zoll-Format mit SATA-Anbindung, unser Testmodell fasst wiederum 1 TB. Neben den zu erörternden technischen Unterschieden fällt dem Kunden vor allem eines auf: Der Preis ist mit 159,99 Euro für die Variante mit 1 TB deutlich geringer als der Einstiegspreis der Evo oder gar Pro, siehe Tabelle. 

Allerdings: Samsung hat kurz vor Ende des Artikels neue Preisinformationen gesendet. Zunächst hieß es, dass die 1-TB-Variante 139,99 Euro kosten solle, nun sind es schon 159 Euro. Besonders krass macht sich die Anhebung des Preises beim 4-TB-Modell bemerkbar, aus 529,99 Euro sind 619,99 Euro geworden! Was das beim derzeitigen Speicherpreisverfall für den Vergleich mit den Straßenpreisen der Evo bedeutet, kann im Fazit nachgelesen werden.

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Modell Speicherkapazität (Preis in Euro)
Samsung 860 QVO 1 TB (159,99), 2 TB (309,99), 4 TB (619,99)
Samsung 860 Evo 1 TB (369,99), 2 TB (729,99), 4 TB (1.559,99)
Samsung 860 Pro 1 TB (499,90), 2 TB (989,90)

Wir testen, ob und wenn ja mit welchen Einschnitten der Kunde im verbilligten QVO-Modell rechnen muss, stellen die SSD ihren Geschwistern in Benchmarks gegenüber und klären über die sonstigen Unterschiede auf. Nur zur Verdeutlichung vergleichen wir auch mit der Samsung 960 Pro, einer M.2-SSD mit deutlich schnellerer NVMe-Anbindung.

Technische Spezifikationen der 860 QVO
Technische Spezifikationen der 860 QVO

Die brandneue Samsung 860 QVO ist in den Speichergrößen 1 TB, 2 TB und 4 TB verfügbar. „QVO“ steht übrigens für „quality and value optimized“. Während die Evo auf 3-Bit-TLC- und die Pro auf 2-Bit-MLC-Speicher setzen, kommt in der QVO der neue 4-Bit-MLC-NAND-Speicher zum Einsatz. Das ermöglicht einerseits relativ große Speicherkapazitäten (angeblich bis zu 16 TB im 2,5-Zoll-Formfaktor) und andererseits einen relativ niedrigen Preis. Allerdings könnte die komplexere Technologie theoretisch auch Nachteile in der Performance nach sich ziehen, Samsung verspricht jedoch durch Optimierungen eine ähnliche Leistung wie die der 860 Evo. Angeblich soll das neue Modell kaum Leistungseinbußen gegenüber der 3-Bit-TLC-Technik hinnehmen müssen. Auch der MJX-Controller ist der gleiche wie in der Evo und der Pro, somit eignet sich die SSD auch für Linux.

Erreicht wird der angeblich nur minimale Performanceverlust durch die TurboWrite-Technologie. Dabei wird, wie in anderen SSDs auch, ein kleiner Bereich an schnellem SLC-Speicher zur Verfügung gestellt, der als flinker Buffer-Speicher dient. Bei Samsung ist dieser Bereich allerdings größer und zusätzlich anpassbar. Der vordefinierte TurboWrite-Speicher umfasst 6 GB, alle Benutzervorgänge bis zu dieser Größe sind also besonders schnell. Darüber hinaus analysiert die Software automatisch das Nutzerverhalten und kann infolge dessen bis zu 36 zusätzliche GB an quasi-SLC-Speicher zur Verfügung stellen. Das funktioniert allerdings nur solange noch mindestens 168 GB freier Speicherplatz auf der SSD vorhanden ist. Die Langlebigkeit soll das übrigens nicht negativ beeinflussen.

Führt man allerdings Arbeiten mit sehr großen Dateien aus, dann bricht die Performance stark ein. Von eigentlich 520 MB/s sollen anschließend nur noch 80 MB/s Schreibleistung zur Verfügung stehen.

Der Verbrauch unter Beanspruchung liegt bei ca. 2,2 Watt, in den beiden größeren Modellen (2 & 4 TB) steigt er auf 3,1 Watt. 

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CDInfo
CDInfo

Der Vollständigkeit halber sei als weiterer Nachteil der potentiell geringere Lebenszyklus in Form von weniger Lese-/Schreibzyklen genannt. Denn je mehr Bits pro Zelle verbaut werden, desto höher ist die potentielle Anfälligkeit für einen Ausfall von gleich mehreren Bits. Das zeigt sich auch gleich bei der Garantie, offiziell vergibt Samsung eine limitierte 3-Jahres-Garantie, bei der Evo und der Pro waren dies noch 5 Jahre. Die dreijährige Garantie gilt nur, wenn die zulässige Höchstrate in Sachen Schreibleistung noch nicht übertroffen wurde, das sind bis zu 360 TB (Evo = 600 TB) für das 1-TB-Modell (QVO 4 TB = 1.440 TB; Evo = 2.400 TB), gemessen nach dem JESD218-Standard (siehe www.jedec.com).

Testsystem

Unser Testsystem wird von einem Intel Core i5-4570 mit vier Kernen und 3,2 GHz Takt angeführt. Ihm stehen 8 GB Arbeitsspeicher zur Seite, das Mainboard ist das H87 von ASRock. Eine Geforce GTX 770 sorgt für die Grafikdarstellung und als Betriebssystem ist Windows 7 64-Bit im Einsatz. Die Samsung 860 QVO ist in dem Desktop-PC mittels SATA 3 verbunden.

Synthetische Benchmarks

AS SSD und Crystaldiskmark

Die preiswerte 860-SSD muss sich in den Tests eigentlich nicht hinter ihren teuren Geschwistern verstecken. Zumindest die Schreibleistung ist quasi identisch mit den anderen beiden 860-Modellen und auch die Zugriffszeiten sind ähnlich, wenn nicht gar etwas besser. Bei der Leseleistung muss man allerdings ein paar Einschnitte in Kauf nehmen. Aber auch hier kommt es auf den verwendeten Test an. AS SSD zeigt bei der Leseleistung deutliche Vorteile der teureren Modelle, die im Lesescore 90 Prozent besser abschneiden. Über alle Werte hinweg beträgt der Vorsprung der Evo in AS SSD aber lediglich 17 Prozent, die Pro ist 20 % besser.

Diese Werte relativieren sich weiter, wenn man zusätzliche Tests laufen lässt. Crystaldiskmark 3 beispielsweise findet nur geringe Unterschiede von etwa 4 % zwischen den SATA-SSD-Modellen. Die 960 Pro mit schneller NVMe-Anbindung ist freilich in allen Tests haushoch überlegen, etwa 150 Prozent trennt sie von den SATA-Modellen.

AS SSD
AS SSD
AS-SSD-Kopiertest
AS-SSD-Kopiertest
Crystaldiskmark 3
Crystaldiskmark 3
Crystaldiskmark 5
Crystaldiskmark 5


Samsung SSD 860 QVO 1TBSamsung SSD 860 Evo 1TBSamsung SSD 860 Pro 1TBSamsung SSD 960 Pro 1TB m.2 NVMe
AS SSD
17%
20%
179%
Copy Game MB/s
316.67
301.11
-5%
307.34
-3%
833.33
163%
Copy Program MB/s
234.4
240.2
2%
240.27
3%
401.75
71%
Copy ISO MB/s
401.56
369.87
-8%
453.38
13%
1291.95
222%
Score Total
1106
1682
52%
1687
53%
4187
279%
Score Write
444
426
-4%
433
-2%
1337
201%
Score Read
430
825
92%
822
91%
1911
344%
Access Time Write *
0.03
0.03
-0%
0.03
-0%
0.052
-73%
Access Time Read *
0.036
0.041
-14%
0.037
-3%
0.051
-42%
4K-64 Write
285.03
268.49
-6%
274.45
-4%
1056.91
271%
4K-64 Read
342.81
731.51
113%
726.82
112%
1605.37
368%
4K Write
110.16
107.41
-2%
108.88
-1%
70.42
-36%
4K Read
35.32
40.83
16%
42.89
21%
31.74
-10%
Seq Write
491.62
498.15
1%
498.58
1%
2092.36
326%
Seq Read
519.57
524.35
1%
525.31
1%
2738.05
427%
CrystalDiskMark 3.0
4%
4%
144%
Write 4k QD32
270.3
267.6
-1%
243.6
-10%
401.8
49%
Read 4k QD32
308.8
299.9
-3%
299.5
-3%
479.9
55%
Write 4k
121.5
122.8
1%
124.5
2%
77.46
-36%
Read 4k
36.86
43.31
17%
47.79
30%
31.61
-14%
Write 512
504.1
511.1
1%
510.8
1%
1728
243%
Read 512
429.1
494.2
15%
480.4
12%
1261
194%
Write Seq
512.9
517.5
1%
517.3
1%
2087
307%
Read Seq
540.6
543.7
1%
544.7
1%
2452
354%
Durchschnitt gesamt (Programm / Settings)
11% / 12%
12% / 14%
162% / 167%

* ... kleinere Werte sind besser

ATTO

Gleiches gilt für den SSD-Test Atto. Wenn man den einen offensichtlichen Ausreißer-Wert der 860 Pro außer Acht lässt, dann liegen alle drei SSD-Modelle auf einer Leistungsebene. Wiederum ist die NVMe-SSD deutlich schneller, über 300 % Vorsprung stehen zu Buche.

ATTO Samsung 860 QVO
ATTO Samsung 860 QVO
ATTO Samsung 860 Evo
ATTO Samsung 860 Evo
ATTO Samsung 860 Pro
ATTO Samsung 860 Pro
ATTO Samsung 960 Pro
ATTO Samsung 960 Pro
Samsung SSD 860 QVO 1TBSamsung SSD 860 Evo 1TBSamsung SSD 860 Pro 1TBSamsung SSD 960 Pro 1TB m.2 NVMe
ATTO Disk Benchmark
-0%
90%
324%
8192KB write
533315
533315
0%
532140
0%
2079890
290%
4096KB write
531555
530242
0%
532874
0%
2090010
293%
2048KB write
534199
532874
0%
531555
0%
2090010
291%
1024KB write
534199
530242
-1%
531555
0%
2100230
293%
16KB write
458850
469762
2%
458850
0%
1102410
140%
8192KB read
563151
563151
0%
561841
0%
2960680
426%
4096KB read
563151
563151
0%
561841
0%
3019900
436%
2048KB read
563151
563151
0%
561841
0%
3026480
437%
1024KB read
560538
563151
0%
5631520
905%
3263860
482%
16KB read
500029
480847
-4%
479651
-4%
1257110
151%

PCMark

Der PCMark 7 und PCMark 8 scheinen sich beim Ergebnisunterschied der Speichermedien uneinig zu sein. Während der Storage-Test vom PCMark 8 quasi keinen signifikanten Vorsprung der teureren Modelle ausgibt, bescheinigt der PCMark 7 der Evo ein um ca. 13 Prozent besseres Ergebnis im Speicher-Test. Die 860 Pro kann sich hier um ca. 20 Prozent gegenüber der QVO absetzen. Dabei sind die Unterschiede im Storage-Test geringer (ca. 6 - 8% Unterschied) als im RAW-Storage-Test (ca. 20 - 30 %).

PCMark 7 Storage 860 QVO
PCMark 7 Storage 860 QVO
PCMark 7 Storage 860 Evo
PCMark 7 Storage 860 Evo
PCMark 7 Storage 860 Pro
PCMark 7 Storage 860 Pro
PCMark 8 Storage 860 QVO
PCMark 8 Storage 860 QVO
PCMark 8 Storage 860 Evo
PCMark 8 Storage 860 Evo
PCMark 8 Storage 860 Pro
PCMark 8 Storage 860 Pro
Test \ Modell 860 QVO 860 Evo 860 Pro Test \ Modell 860 QVO 860 Evo 860 Pro
PCMark 7

13%

20%

PCMark 8

2%

2%

Secondary Storage

5247

5573 +6%

5663 +8%

Storage Score V2

4892

4999 +2%

5007 +2%

Raw Sec. Storage

6023

7212 +20%

7914 +31%

Datenkompression

Bei der Datenkompression erhärtet sich der Eindruck, welcher sich schon im Test der Evo und Pro aufgedrängt hat, nämlich das Dilemma der SATA-Schnittstelle. Samsung kratzt mit der 860er-Serie am absoluten Limit des veralteten Protokolls und das ändert sich zum Glück auch mit der preiswerteren QVO nicht. Unterschiede zwischen den Modellen oder größere Fluktuationen bleiben fast völlig aus. Einzig der Graph der 960 Pro mit NVMe-Anbindung weist mehr Variationen und Ausschläge aus, zumal schon der Basiswert deutlich höher ist.

Samsung 860 QVO
Samsung 860 QVO
Samsung 860 Evo
Samsung 860 Evo
Samsung 860 Pro
Samsung 860 Pro
Samsung 960 Pro
Samsung 960 Pro

Fazit

Samsung 860 QVO, zur Verfügung gestellt von Samsung
Samsung 860 QVO, zur Verfügung gestellt von Samsung

Für Nutzer, welche noch nicht über einen M.2-Slot mit NVMe-Anbindung in ihrem Rechner verfügen, stellt die 860er-Serie von Samsung eine gute Aufrüstoption dar. Der Hersteller kratzt mit nunmehr allen drei Modellen am SATA-Limit. Die neue Samsung 860 QVO hat dabei nur einen kleinen Abstand zu seinen Schwestermodellen. Je nach Benchmarkprogramm liegt der Unterschied bei 0 - 20 Prozent. Einschnitte gibt es vor allem hinsichtlich der Garantiezeit (3 statt 5 Jahre) und des damit verbundenen maximalen Lebenszyklus in Sachen Schreibvorgänge.

Für preisbewusste Kunden ohne M.2-Slot (NVMe) kann die Samsung 860 QVO empfohlen werden. Allerdings nur, wenn der Preis weiter sinkt, derzeit kostet nämlich die Evo im Laden praktisch genauso viel. Geschwindigkeitstechnisch liegt die QVO nur wenig hinter den eigentlich teureren Modellen, allerdings ist die Langlebigkeit weniger gut.

Noch ein Wort zum Preis: Durch den derzeitigen starken Preisverfall von Flash-Speicher liegt die 860 Evo derzeit bei nur ca. 160 statt 339 Euro! Dadurch sind Evo und QVO quasi gleich teuer. Zu erwarten ist allerdings, dass die QVO ebenfalls bald günstiger wird. Bleibt es beim Einstiegspreis, dann sollte man jedoch zur Evo greifen, denn diese bietet eindeutig das bessere Preis-Leistungs-Verhältnis.

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Autor: Christian Hintze, 27.11.2018 (Update: 30.11.2018)
Christian Hintze
Christian Hintze - Editor
Aus Interesse an Computer-Spielen habe ich ein Informatikstudium begonnen, bin dann doch Diplom-Psychologe geworden, aber den Spielen und der Hardware treu geblieben. Z.B. beim Auslandsjahr in London als Spieletester bei Sega. In meiner Freizeit finde ich neben PC-Spielen Ausgleich beim Sport (mittlerweile vorwiegend Hallenfußball und meinem Kleinkind hinterher laufen), Gitarre spielen und Bambusräder bauen (na gut, bisher nur ein einziges unter Anleitung).