Vorweg eine wichtige Warnung: Das Modifizieren der Registry auf einem Windows-System kann potentiell zu Datenverlust und weiteren Problemen führen, auch ein nicht mehr startendes Windows kann die Folge sein, zumal es sich bei diesem Hack um eine bisher nicht offiziell von Microsoft abgesegnete Modifikation handelt. Das Mindeste ist also ein umfassendes Datenbackup vor dem Hack, ich empfehle zudem das Anlegen eines Image-Backups des Systems, wenn man auf Nummer Sicher gehen will. Mir persönlich sind zwar keine Probleme mit dem folgenden Hack aufgefallen, komplett ausschließen kann ich sie allerdings explizit nicht. Ergo: Hier handelt jeder auf eigene Gefahr!
Vorgeschichte: Windows Server 2025
Microsoft bewirbt für Windows Server 2025 einen neuen, nativen NVMe-Treiber, der nach dem jüngsten Oktober-Update per Registry-Key aktiviert werden kann und neben niedrigerer Latenz und höherer CPU-Effizienz auch massive IOPS-Gains verspricht, also praktisch einen kostenlosen Performance-Gewinn. Was dahinter steckt ist ein nativer NVMe-Treiber, der intern nicht mehr alle NVMe-Kommandos in SCSI-Befehle umrechnet, wie das bei Microsofts Standard-Treiber bisher der Fall ist.
Potentiell auch in Windows 11 verfügbar
Findige Entwickler haben nun einen Weg gefunden, diesen Treiber auch in Windows 11 zu aktivieren, dazu reicht das Hinzufügen von drei Befehlen in die Registry, anschließend muss man nur noch Windows 11 neustarten. Wichtig ist hierbei, dass die folgenden Befehle mit Admin-Rechten in der Registry integriert werden müssen, bei mir hat ein simpler Doppelklick auf ein Reg-File nicht geklappt, stattdessen habe ich eine Kommandoumgebung (cmd.exe) mittels Rechtsklick mit Administratorrechten gestartet und dann die folgenden Befehle eingegeben:
Schritt 1: Befehl zum Hinzufügen der Werte in die Registry
reg add HKEY_LOCAL_MACHINE\SYSTEM\CurrentControlSet\Policies\Microsoft\FeatureManagement\Overrides /v 735209102 /t REG_DWORD /d 1 /f
reg add HKEY_LOCAL_MACHINE\SYSTEM\CurrentControlSet\Policies\Microsoft\FeatureManagement\Overrides /v 1853569164 /t REG_DWORD /d 1 /f
reg add HKEY_LOCAL_MACHINE\SYSTEM\CurrentControlSet\Policies\Microsoft\FeatureManagement\Overrides /v 156965516 /t REG_DWORD /d 1 /f
Schritt 2: Überprüfen des Device-Managers nach Neustart
Nach dem Neustart sollten im Device-Manager (Gerätemanager, mittels Rechtsklick auf Start-Symbol in Windows erreichbar) folgende Änderungen sichtbar sein:
- Vorher: Die SSD-Laufwerke sind im Geräte-Manager unter "Laufwerke" beziehungsweise bei einem englischen System "Disk drivers" sichtbar.
- Nachher: Die SSD-Laufwerke sind im Geräte-Manager nun unter "Speichermedien" beziehungsweise auf englischen Systemen unter "Storage disks" sichtbar.
Weitere Änderungen nach dem erfolgreichen Hack
Naturgemäß sieht man auch Änderungen beim genutzten Treiber, das war ja das Ziel der ganzen Aktion. Nach der erfolgreichen Aktivierung des neuen Treiber sollte im Treiberdialog zur jeweiligen SSD der Treiber nvmedisk.sys genutzt werden, bei dem man sicherheitshalber auch nach Updates suchen kann. Auf meinem Windows 25H2 System wurde allerdings kein Update gefunden.
Was bringts? Sehr viel in meinem Fall
Und was bringt die Aktion nun? Das kommt natürlich stark auf das jeweilige System an. Laut einem Bericht von Heise war eine Steigerung des Datendurchsatzes von 10 bis 15 Prozent bei einer PCIe Gen 4 SSD drin - laut Angaben des Magazins ein getesteter Arbeitsplatzrechner, auch PCIe Gen 3 Systeme profitieren laut ersten Experimenten. In meinem Acer Swift 16 Edge Laptop sind zwei Micron 3400 PCIe Gen 4 SSDs drin, eine mit 1 TB und eine mit 512 GB Speicher.
Wie ihr am Vorher/Nachher-Vergleich mit dem ASS SSD-Benchmark sehen könnt, sind beim sequentiellen Lesen Steigerungen von bis zu 45 Prozent drin, also deutlich über den von Heise ermittelten Werten. Beim Schreiben sind es 15 Prozent. Auffällig sind zudem höhere Werte beim 4K-64 Thread Test nach dem Treiberwechsel, der aber eher für Serverbetreiber relevant sein wird. Das sind übrigens die Werte meines Systemdrives.
Auch mehr Performance bei der zweiten SSD
Bei meinem zweiten Laufwerk gleicher Bauart mit 1 TB Speicher sind die ermittelten Werte etwas andere. Hier beschleunigt sich die sequentielle Leseperformance "nur" um etwa 23 Prozent, beim Schreiben sind es dafür mit 30 Prozent gleich doppelt so viel wie beim 512 GB Laufwerk. In beiden Fällen sind das jedenfalls hervorragende Performancegewinne um exakt null Euro. Angesichts der steigenden Preise für RAM und SSDs nimmt man sowas natürlich gerne mit, weswegen ich den Hack durchaus empfehlen kann, aber wie gesagt - mit den eingangs erwähnten Warnungen.
Vorsicht bei Einsatz diverser SSD-Tools
Wie etwa Leserkommentare auf einen Artikel im Deskmodder-Forum zeigen, wurden diverse Probleme mit SSD-Tools wie dem Samsung Magician oder dem Western Digital Dashboard gemeldet. Auch die Partitionen werden offenbar modifiziert, wie ein Leser warnt. Auch wenn der Hack also im Alltag vielleicht ein paar Sekunden beim Booten, dem Verschieben von Dateien oder dem Laden größerer Programme spart - wer komplexere Anforderungen hat, sollte aufpassen. Zudem ist aktuell nicht garantiert, dass alle NVMe-SSDs mit diesem Treiber funktionieren.
Quelle(n)
Eigene

























