YouTuber baut mit günstigen Funkboards und Reticulum ein privates "globales" Internet

YouTuber Data Slayer hat vor Kurzem ein Video über ein funktionsfähiges internationales Mesh-Netzwerk veröffentlicht, das auf dem Reticulum-Protokoll basiert. Das Projekt löst sich von der üblichen Kontrolle klassischer Internetanbieter und setzt stattdessen auf Funkhardware im Sub-GHz-Bereich sowie private Netzwerktunnel. Für den Aufbau hat er günstige Komponenten von der Stange verwendet. Damit zeigt das Projekt, dass dezentrale Kommunikation längst nicht mehr nur etwas für Forschungslabore mit großem Budget ist.
Die Hardware selbst basiert auf Raspberry-Pi-Einheiten und Funkboards von Heltech. In den ersten Tests hat WiFi HaLow den lokalen Datenverkehr durch Betonwände übernommen, später ist Data Slayer für eine größere Abdeckung in der Nachbarschaft jedoch auf LoRa umgestiegen, sowohl HaLow als auch LoRa sind stromsparende Funktechnologien im Sub-GHz-Bereich. Diese Funk-Nodes haben bei freier Sichtverbindung über Entfernungen von mehr als 4,8 km stabile Pings erreicht. Die Heltech-Nodes, die üblicherweise für etwa 20 Euro bis 30 Euro verkauft werden, sind ein vergleichsweise günstiger Einstieg in den Aufbau einer unabhängigen Infrastruktur.
Nun noch etwas mehr zur Software, die dafür sorgt, dass die Hardware miteinander kommuniziert. Der Entwickler hat Mesh Chat und Sideband verwendet, um die eigentlichen Nachrichten zu verwalten, und damit gezeigt, dass der Reticulum Network Stack unterschiedliche Geräte wie Android-Smartphones und Linux-Desktops problemlos miteinander verbinden kann. Da Reticulum nicht an ein bestimmtes Protokoll gebunden ist, spielt es keine Rolle, ob die Daten über Funkwellen, Ethernet-Kabel oder sogar per Morsecode übertragen werden.
Um die fast 4000km zwischen Florida und Venezuela zu überbrücken, kam Tailscale für verschlüsselte Tunnel zum Einsatz. Reticulum behandelt diese VPN-Verbindungen lediglich als einfache Transportwege. Auf diese Weise können Daten rund um die Welt übertragen werden und bleiben dennoch innerhalb eines privaten, nicht beobachtbaren Mesh-Netzwerks. Das klassische Internet dient dabei nur noch als physisches Medium für die Pakete. Durch diesen etwas hybriden Ansatz sind die Daten, die technisch gesehen über öffentliche Infrastruktur laufen, vollständig Ende-zu-Ende verschlüsselt und für die Provider, die sie transportieren, unsichtbar.
Im letzten Teil des Experiments ging es um einen pragmatischen Ansatz, bei dem alles genutzt wurde, was gerade verfügbar war, darunter Drohnen und sogar Drachen, um die Nodes hoch genug für ein sauberes Signal zu positionieren. Das Projekt ist ein guter Beleg dafür, dass von Gemeinschaften betriebene Netzwerke heute praktikabler sind denn je.

