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3D-Scanner zum kleinen Preis: Was der Creality Ferret Pro kann

Fürs Grobe.

Der Creality Ferret Pro ist ein 3D-Scanner, der sich an verschiedenen Geräten nutzen lässt. Komplett überzeugen konnte uns das Modell im Test nicht, allerdings lässt sich das relativ günstige System durchaus sinnvoll nutzen - wenn einige Punkte beachtet werden.
Silvio Werner Veröffentlicht am

Creality Ferret Pro - An der Grenze des sinnvollen

Mit dem Creality Ferret Pro habe ich durchwachsene Erfahrungen gemacht. Der 3D-Scanner ist einfach nutzbar und erzielt insbesondere mit der Nutzung eines Scan-Tellers gute Ergebnisse. Die erzielte Genauigkeit ist bei größeren Objekten und beispielsweise Gesichtern subjektiv gut und auch die isoliert getestete Maßhaltigkeit entspricht den Spezifikationen. Gleichwohl eignet sich der Ferret Pro eben nicht, um feinere Ersatzteile ohne Nachbearbeitung herzustellen.

Der Creality Ferret Pro ist insgesamt ein wenig mehr Spielzeug für Maker, aber produktiv durchaus sinnvoll nutzbar, wenn der Griff zum CAD-Programm nicht gescheut wird. Gleichwohl kann das System bei unregelmäßig geformten Flächen eine erhebliche Arbeitserleichterung darstellen. Unbedingt berücksichtigen muss man den Preis: Mit einem Straßenpreis von rund 300 Euro handelt es sich um einen der günstigsten 3D-Scanner, der aber recht schnell an seine Grenzen stößt. Die Gefahr, hier zu günstig einzusteigen und sich dann zu ärgern, ist definitiv gegeben. 

Pro

+ einfache Nutzbarkeit
+ vielseitige Nutzung
+ für Gesichter und größere Objekte tauglich

Contra

- Scanqualität insgesamt grenzwertig
- Nachbearbeitungen oft erforderlich
- kein Scanteller enthalten

Preis und Verfügbarkeit

Der Creality Ferret Pro ist direkt beim Hersteller für einen Preis von 354 Euro erhältlich, im freien Handel und beispielsweise bei Geekbuying aber deutlich günstiger. Das Testmuster wurde in diesem Fall nicht vom Hersteller, sondern von Geekbuying zur Verfügung gestellt.

Der Ferret Pro von Creality ist ein 3D-Scanner im Einsteiger-Segment, welcher sich auch an einem Smartphone und drahtlos nutzen lässt und mit einer Scangenauigkeit von bis zu 0,1 Millimeter beworben wird.

Spezifikationen

Creality Scan Ferret Pro 3D-Scanner
Arbeitsabstand 150 bis 700 Millimeter
Genauigkeit 0,1 Millimeter
Auflösung 0,16 Millimeter
Scanrate bis 30 FPS
Scangröße 150 bis 2.000 Millimeter
Lieferumfang Scanner, Tasche, Kabel, WiFi-Brücke, Griff mit 5.000 mAh-Akku, Klebe-Marker
Kompatibilität Smartphone (iOS und Android), PC, Mac
Datenübertragung USB Typ C, WiFi
Gewicht des Scanners 105 Gramm

Alles dabei

Geliefert wird der Ferret Pro in einer ordentlich verarbeiteten und sehr sinnvollen Tragetasche. Enthalten ist ein relativ umfangreiches Zubehörpaket, wodurch der Einsatz in verschiedenen Szenarien möglich ist. So gibt es ein zwei Meter langes USB-Kabel für die Nutzung am PC, dazu kommen noch ein Y-Kabel und kürzere Kabel. Zudem ist eine Wireless Bridge enthalten. Es gibt eine Art Haltestange mit integriertem Akku, an welchem sich auch ein mitgeliefertes Dreibein montieren lässt. Die Verarbeitungsqualität der Teile selbst ist gut, mit dem mitgelieferten Zubehör lässt sich im Prinzip sofort loslegen.

Geliefert wird das Modell in einer sinnvollen Tragetasche
Geliefert wird das Modell in einer sinnvollen Tragetasche
Der Scanner unterstützt die Erstellung von 3D-Scans
Hier ist die Wireless Bridge zu sehen
Ein Smartphone lässt sich ein spannen, das Stativ versorgt Wireless Bridge und Kamera mit Strom

Einfach startklar auf Smartphone und PC

Betrieben werden kann der 3D-Scanner auf drei Arten und in zwei prinzipiellen Betriebsarten. So ist die Nutzung an einem Smartphone möglich. Das Smartphone lässt sich dann mithilfe eines Plastikteils auf die Stativ-Powerbank einspannen. Weiterhin kann der Scanner an einem PC betrieben werden und zwar sowohl mithilfe einer direkten USB-Verbindung als auch über Wireless Bridge, welche dann ein WiFi-Netzwerk aufspannt. Vor große Herausforderungen stellt die Installation weder am Smartphone noch am PC. Creality Scan kann bei Creality oder über den entsprechenden App-Store bezogen werden. Wirklich sinnvoll dürfte der Kauf des Ferret Pro dabei nur für Besitzer einer Nvidia-GPU sein. Dies wird von Creality so auch sehr deutlich empfohlen. Auf einem PC mit AMD-Grafikkarte hatte ich auch Probleme. Mit einer mobilen RTX 3070 nebst AMD Ryzen 7 5800H und 32 Gigabyte Arbeitsspeicher ergaben sich keine Probleme und eine durchgängige Scanrate von 30 FPS.

Beim ersten Start werden Nutzer mit den Grundfunktionen vertraut gemacht
Beim ersten Start werden Nutzer mit den Grundfunktionen vertraut gemacht
Organisiert werden die einzelnen Scans in Projekte
Organisiert werden die einzelnen Scans in Projekte

Am Smartphone nutzbar

Die Smartphone-App habe ich ausprobiert und mit dieser lassen sich Scans auch anfertigen. Gleichwohl sind die Systemvoraussetzungen relativ hoch, so wird mindestens ein Smartphone mit Snapdragon 8 Gen 1+ oder A15 empfohlen. Abgeraten wird von der Nutzung mit Smartphones mit Samsung Exynos-SoCs und Google Pixel-Smartphones. Um mögliche Limitationen durch ein Smartphone zu verhindern, habe ich dementsprechend die Desktop-App für die Tests genutzt. Gleichwohl: Die Smartphone-App funktioniert unter Android und ein testweise angefertigter Scan einer Spiegelreflexkamera und eines Gesichts zeigte keine extremen Auffälligkeiten.

Einfache Nutzung - insbesondere mit Teller

Das Scannen am PC gelang sowohl über WiFi als auch die USB-Verbindung grundsätzlich problemlos - wenn denn bestimmte Dinge beachtet werden. Zum einen dürften die Objekte nicht spiegeln oder gar durchsichtig sein, dies wird schlicht nicht erfasst. Zudem habe ich die mit Abstand besten Erfahrungen mit der Nutzung eines wohlgemerkt nicht im Lieferumfang enthaltenen Drehtellers mit Markern gemacht. Damit funktioniert das Tracking absolut tadellos, gleichwohl muss man sich einer Einschränkung bewusst sein: Werden Marker genutzt, kann ein Objekt nicht einfach so angehoben werden. Das kann ein absoluter Deal-Breaker sein oder auch völlig irrelevant - je nachdem, ob die Unterseite denn relevant ist. Einen Ausweg gibt es gleichwohl: So lassen sich mehrere Scans zu einem Objekt kombinieren. Das funktioniert gut und auch mit Creality Scan völlig problemlos. In der Praxis können dazu Schnittebenen definiert werden, das Objekt dann geteilt und die Unter- und die Oberseite kombiniert. Die Software bietet alle nötigen Funktionen, der Export als .STL erlaubt dann die Bearbeitung in einem CAD-Programm oder auch den direkten Druck. Es gibt einen automatischen Ein-Klick-Workflow, welcher durchaus brauchbar ist. Verschiedene Parameter lassen sich vor dieser Ein-Klick-Verarbeitung einstellen.

Eine Vorschau wird angezeigt, der optimale Abstand ebenfalls
Eine Vorschau wird angezeigt, der optimale Abstand ebenfalls
Ein Teleobjektiv einer DSLR, sogar die Schrift ist erkennbar. Hier wurde die automatisierte Bearbeitung genutzt
Scan einer Maus, die Platte lässt sich einfach entfernen
Hier das isolierte Modell unter Nutzung einer Schnittebene, die Isolation funktioniert kinderleicht
Hier ist das texturierte Modell zu sehen
Größere Objekte wie ein Fahrrad lassen sich scannen, hier ein Ausschnitt des Lenkers

Der 3D-Scan hat Höhen und Tiefen

Der 3D-Scan überzeugt nicht auf ganzer Linie und definitiv nicht für alle Anwendungszenarien. Was erstaunlich gut und sehr einfach funktioniert, ist das Scannen von relativ großen Objekten und etwa Gesichern. Wer also schon immer einmal eine Büste von sich anfertigen wollte, ist mit dem Ferret Pro gut beraten - die Software bietet sogar die Möglichkeit, den Kopf auf eine entsprechende Büste mit Kleidung und Haaren setzen zu lassen. Das ist eine nette Spielerei. Das Scannen eines Fahrradrahmens funktioniert ebenfalls gut, gleichwohl kann der Scanner ohne geklebte Markierung bei Rädern erhebliche Probleme bekommen. Im Bereich der kleineren Objekte wird es dann kritisch bis schlicht nicht mehr sinnvoll - auf die konkrete Maßhaltigkeit gehen ich am Ende dieses Artikels ein.

Einen Fahrradsattel in einem CAD-Programm so zu gestalten, dürfte etwas dauern
Einen Fahrradsattel in einem CAD-Programm so zu gestalten, dürfte etwas dauern
Ein kompaktes Bauteil von einer Fahrradbeleuchtung lässt sich relativ gut scannen, Probleme macht hier das Gewindeloch
Ein kompaktes Bauteil von einer Fahrradbeleuchtung lässt sich relativ gut scannen, Probleme macht hier das Gewindeloch
Fraglos eine nette Spielerei: Das eigene Gesicht lässt sich auf eine Büste setzen - das funktioniert gut
Fraglos eine nette Spielerei: Das eigene Gesicht lässt sich auf eine Büste setzen - das funktioniert gut

Ersatzteilherstellung mit einem Klick ist schwer möglich

Als mehr oder weniger praxisnaher Test wurde die im Lieferumfang enthaltene Smartphone-Halterung eingescannt und ausgedruckt. Es zeigt sich bereits, dass die augenscheinlich glatte Oberfläche eben nicht glatt ist, was dann auch am Druck sichtbar ist. Gewinde lassen sich - das ist angesichts der beworbenen Scan-Genauigkeit aber auch nicht überraschend - nicht adäquat abbilden. In der Praxis stellt das aber das geringste Problem dar, wenn denn die Bearbeitung des Modells in einer CAD-Software geplant ist. Im konkreten Beispiel besonders relevant ist der Zubehörschuh: Es handelt sich um eine relativ komplexe, geometrische Form. Bereits in der STL-Datei sind Abweichungen zu erkennen. Gleichwohl: Im konkreten Fall war das so gedruckte Stativgewinde ohne Nachbearbeitung gerade so nutzbar, allerdings ließ sich das korrespondierende Teil nicht ohne Weiteres einschieben. Das steht meiner Erfahrung nach stellvertretend für die Nutzbarkeit bei der Herstellung von Ersatzteilen: Es geht im Grunde schon, allerdings ist Nacharbeit erforderlich. Wirklich sinnvoll einsetzbar ist der Creality Ferret Pro tendenziell dann, wenn es um größere, unregelmäßig geformte Körper geht, die für die Funktion tatsächlich relevanten Teile des Modells sich dann aber mit einer CAD-Software einfach ändern lassen, was beispielsweise für Gewinde zutrifft.

Bereits beim Scan zeigen sich deutliche Abweichungen
Bereits beim Scan zeigen sich deutliche Abweichungen
Augenscheinlich glatte Flächen werden schon nicht ganz richtig aufgzeichnet, hier wäre eine Glättung noch möglich
Gewinde kann das Modell nicht scannen oder gar in der Software einfach einfügen
Hier sind deutliche Abweichungen sichtbaren
Am Ende passt es mehr schlecht als recht - nachdem das PLA leicht nachgibt

Farbscan nicht auf Smartphone-Niveau

Der Ferret Pro kann nicht nur einen 3D-Scan anfertigen, sondern scannt gleichzeitig auch Farben. Die Ergebnisse sind je nach konkreten Anforderungen brauchbar, Schrift lässt sich bei einem guten Scan erkennen. Gleichwohl dürften Nutzer auf keinen Fall erwarten, dass der Scanner alleine eine Aufnahmequalität wie eines aktuellen Smartphones bietet.

Farben werden im Grundsatz schon erkannt, die Qualität der Textur ist aber mäßig
Farben werden im Grundsatz schon erkannt, die Qualität der Textur ist aber mäßig
Hier sieht man ausprägte Löcher - diese ließen sich durch das Handscannen oder Fusion mehrerer Modelle vermeiden
Zum Vergleich ist das original sichtbar

Bei der Genauigkeit übertreibt Creality eher nicht

Die Maßhaltigkeit habe ich noch einmal isoliert getestet. An dieser Stelle will ich ganz deutlich darauf hinweisen: Dass diese Genauigkeit auch so bei jedem konkreten Projekt erreicht wird, kann auf keinen Fall vorausgesetzt werden. In der Praxis lassen sich unkorrekte Scans hier unter Nutzung eines CAD-Programms oft noch verbessern.

Gescannt wurde ein Einstellmaß mit einer Länge von 150 mm und einer spezifizierten Genauigkeit von 0,003 mm. Überprüft wurde dieses mit einem DAkkS-kalibrierter Messschieber mit einer festgestellten Messunsicherheit von 30 μm + 30 · 10E-6 · L, hier ergab sich ein Anzeigewert von 150,005 mm. In der Schnellmessung in der CrealityScan-Software wurde eine Länge von 149,67 mm festgestellt. Die Messunsicherheit des Messschiebers liegt für den Anzeigewert bei rund ±0,035 mm.

Dementsprechend ist das Einstellmaß im Bereich der Messunsicherheit 149,970 bis 150,040 mm lang - ein Wert in diesem Bereich wäre als sehr gute Übereinstimmung zu werten. Die Messung des Scans ergibt allerdings eine Abweichung vom Referenzwert von 0,335 mm und ist damit rund zehnmal so hoch wie die Messunsicherheit des Messschiebers. Die Messung deutet auf eine deutliche Unterschätzung hin - für diesen konkreten Abgleich und unter dem Vorbehalt, dass es sich nicht um eine Konformitätsbewertung handelt. Dass die von Creality angegebenen Spezifikationen überoptimistisch sind, lässt sich aus diesem Test nicht ableiten, eher im Gegenteil: So gibt Creality die Genauigkeit mit 0,1 Millimetern und die Auflösung/Punktabstand mit 0,16 Millimetern an - berücksichtigt man die möglichen Abweichungen durch die Auswahl der konkreten Messpunkte, erscheint das insgesamt plausibel.

Die isolierte Maßhaltigkeit hab ich mit einem Einstellmaß getestet
Die isolierte Maßhaltigkeit hab ich mit einem Einstellmaß getestet

Transparenz

Die Auswahl der zu testenden Geräte erfolgt innerhalb der Redaktion. Das vorliegende Testmuster wurde dem Autor vom Hersteller unentgeltlich zu Testzwecken überlassen. Eine Einflussnahme auf den Testbericht gab es nicht, der Hersteller erhielt keine Version des Reviews vor der Veröffentlichung. Es bestand keine Verpflichtung zur Publikation. Als eigenständiges, unabhängiges Unternehmen unterliegt Notebookcheck keiner Diktion von Herstellern, Shops und Verlagen.

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Autor: Silvio Werner, 16.07.2026 (Update: 16.07.2026)