Auch ohne Mikrofon: Samsung-TVs könnten Nutzer über Soundbar abhören

Ein Sicherheitsforscher, der auf X unter dem Namen log4j registriert ist, hat einen Samsung-Fernseher aus dem Modelljahr 2025 genauer untersucht, nachdem das Gerät immer wieder auffallend gezielte Werbung angezeigt hat. Seit dem 21. Oktober veröffentlicht er Erkenntnisse aus der Untersuchung der Tizen-Software. Die jüngsten Ergebnisse betreffen die Geräuscherfassung.
Laut log4j enthält Samsungs Telemetrie Zähler dafür, wie oft Hunde bellen oder Babys weinen. Diese sind dem Ereignis EV201/SOUNDSENSOR_ON zugeordnet. Weitere Einträge umfassen ein Software-Flag für den Umgebungslichtsensor, Felder zum Kamerastatus und die Dauer von Kameraübertragungen. Die Daten werden als Schlüssel-Wert-Paare an einen Cloud-Server von Samsung übermittelt und dort protokolliert.
Die Geräuscherkennung selbst ist allerdings kein Geheimnis. Samsung bewirbt die Funktionen Pet Care und Family Care für seine Vision-AI-Fernseher aus dem Modelljahr 2025. Beide erkennen mithilfe einer lokal auf dem Gerät ausgeführten KI Hundegebell oder Babygeschrei und verschicken anschließend eine Benachrichtigung über die SmartThings-App. Pet Care funktioniert laut Samsung nur bei ausgeschaltetem Fernseher. Dass auch die Anzahl dieser Ereignisse an Samsung übermittelt wird, erwähnt das Unternehmen nicht ausdrücklich.
log4j zufolge suchen Samsung-Fernseher ohne eigenes Mikrofon zudem nach einem angeschlossenen Gerät mit Mikrofon, etwa einer Soundbar oder einem Bluetooth-Lautsprecher. Dieser Teil der Untersuchung lässt sich allerdings weniger eindeutig einordnen. Der Forscher hält in seinen eigenen Notizen fest, dass die Zähler nicht belegen, ob tatsächlich eine Benachrichtigung angezeigt worden ist. Auch der vollständige Ablauf ist bislang nicht nachvollzogen. Ein weiterer Nutzer namens ngxson hat bei einem Tizen-Fernseher mit Root-Zugriff beobachtet, dass das Mikrofon für fünf Sekunden aktiv war und danach wieder inaktiv. Er hat darauf hingewiesen, dass sich ein unverändertes Gerät anders verhalten könnte.
An anderer Stelle berichtet log4j, dass der Fernseher ein regionsspezifisches neuronales Netz lädt, das Vorgänge innerhalb von Apps wie YouTube erfasst, darunter auch das Überspringen von Werbung. Eine ausführliche Auswertung mit rund 44 Abschnitten ist angekündigt, hat zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels aber noch nicht vorgelegen.
Samsung ist damit nicht allein. Im September haben wir über eine Untersuchung von Gamers Nexus berichtet. Diese hat gezeigt, dass Smart-TVs von LG Geräte im Heimnetz erfassen und im Standby Ton über das Mikrofon aufnehmen.
Samsung hat sich bislang zu keinem dieser Punkte geäußert.





