Benchmark: Dieser Gaming-PC verzichtet komplett auf Intel, AMD und Nvidia

China hat zwar erhebliche Fortschritte bei der Entwicklung eigener CPUs und GPUs gemacht, der Kauf und die Nutzung, insbesondere in einem Gaming-PC, stellen jedoch weiterhin eine gewisse Herausforderung dar. GPUSpecs hat sich dieser Herausforderung dennoch gestellt und genau das geschafft. Der Gaming-PC verzichtet gänzlich auf Komponenten von AMD, Intel oder Nvidia. Als CPU kommt ein Zhaoxin KaiXian KX 7000 zum Einsatz, der 8 Kerne und 8 Threads sowie einen Boost-Takt von 3,6GHz bietet. Auf dem Papier wirken diese Spezifikationen durchaus solide.
Der vielleicht interessanteste Fakt zu dieser speziellen CPU ist, dass sie auf Basis einer x86-Lizenz eines inzwischen nicht mehr existierenden Intel-Konkurrenten namens Cyrix entwickelt wurde. Cyrix hatte Intels x86-CPUs per Reverse Engineering nachgebaut und 1982 eine eigene Variante veröffentlicht. Obwohl Intel mehrere Gerichtsverfahren verloren hat, behielt Cyrix tatsächlich die Rechte zur Entwicklung von x86-CPUs, und diese Lizenz ist über eine Reihe von Übernahmen im Laufe der Jahre schließlich bei Zhaoxin gelandet. Wer sich daran erinnert: Cyrix war vor allem für seine günstigen, aber völlig wenig überzeugenden CPUs bekannt, die mit allem vom 386 bis zum Pentium konkurrierten.
Die CPU wird in einen Sockel eingesetzt, der einem regulären LGA-1700-Sockel extrem ähnlich sieht. GPUSpecs weist allerdings darauf hin, dass eine Kompatibilität über Kreuz wohl unwahrscheinlich ist, obwohl das Mainboard recht gewöhnlich aussieht und, was vielleicht noch kurioser ist, von Asus gebaut wurde. Die GPU ist eine Moore Threads MTT S80 mit 4096 MUSA-Kernen, dem Moore-Threads-Äquivalent zu CUDA, 16GB GDDR6 und einem Takt von 1,8GHz. Moore Threads ordnet die Leistung auf dem Niveau einer RTX 3060 Ti ein.
Trotz einiger RAM-Kompatibilitäts- und Treiberprobleme bootet der PC und wirkt weitgehend nicht von einem regulären Windows-PC zu unterscheiden. An dieser Stelle enden die Gemeinsamkeiten jedoch. Mit einem Geekbench-CPU-Ergebnis von 789 erreicht der KaiXian KX 7000 etwas mehr als die Hälfte der Leistung eines i5 7500 aus dem Jahr 2017. Spiele schneiden nicht viel besser ab: Forza Horizon 5 läuft bei 1080p und niedrigen Einstellungen mit recht schlechten durchschnittlich 24,2 FPS, während die 1-Prozent-Lows deutlich schlechter ausfallen.
Red Dead Redemption 2 und Spider-Man Remastered starteten nicht, und wenn Cyberpunk funktionierte, erreichte die Maschine durchschnittlich 22,3 FPS, ebenfalls bei 1080p und niedrigen Einstellungen. Die Leistung des 8 Jahre alten Shadow of the Tomb Raider fiel ähnlich schwach aus, mit durchschnittlich 21,3 FPS bei 1080p und niedrigen Einstellungen sowie 1-Prozent-Lows im Diashow-Bereich. Ähnlich sah es beim noch älteren Grand Theft Auto V und beim angeblich für MTT optimierten Black Myth: Wukong aus, das etwa 13 FPS erreichte. Resident Evil 3 Remake war das einzige halbwegs spielbare Spiel, mit durchschnittlich 44 FPS, doch die 1-Prozent-Lows machten auch dieses Spiel wieder zu einer ruckeligen Angelegenheit.
Mit umgerechnet rund 430 Euro allein für CPU und Mainboard sowie 256 Euro für die MTT S80 auf AliExpress, ohne RAM, Gehäuse, Netzteil und SSD einzurechnen, ist dieser Build weder günstig noch leistungsstark. Das Tempo, mit dem China seine heimische CPU- und GPU-Technologie entwickelt, bedeutet jedoch, dass es nicht mehr lange dauern dürfte, bis der "All-China" Gaming-PC um einen Platz auf dem Schreibtisch konkurrieren könnte.
Bis dahin dürfte eine günstige RTX 5050 in Kombination mit einem Ryzen 5 5500 zweifellos deutlich mehr Leistung bieten.










