Claude: Falsche Download-Seiten auf claude.ai greifen Passwörter ab

Die Adresse stimmt, und trotzdem ist die Seite eine Falle. Sicherheitsforscher von Gen Digital, dem Konzern hinter Norton und Avast, haben am Montag zwei Kampagnen beschrieben, die gefälschte Installationsanleitungen für Claude direkt auf claude.ai ablegen. Die Angreifer nutzen dafür zwei Funktionen, mit denen jeder Nutzer Inhalte öffentlich teilen kann, die Artifacts und die geteilten Chats. Bezahlte Google-Anzeigen schieben die Seiten in den Suchergebnissen nach oben, wie Tracking-Parameter in den Links zeigen, die Gen in seinem Bericht zu den Kampagnen dokumentiert.
Ein kopierter Befehl reicht
Auf dem Mac verspricht die Seite eine schnelle Installation über das Terminal. Wer den angezeigten Befehl kopiert und einfügt, lädt den Atomic Stealer, kurz AMOS, der zuerst eine gefälschte Passwortabfrage im Stil der Systemeinstellungen zeigt und danach Browser-Passwörter, Sitzungscookies, Schlüssel aus dem Schlüsselbund und Dateien wie PDFs oder Wallet-Backups einsammelt. Sind Ledger Live oder Trezor Suite installiert, ersetzt die Malware die App durch eine manipulierte Kopie, die später nach der Wiederherstellungsphrase fragt.
Unter Windows heißt die Seite "Install Claude on Windows" und verlangt, Win + R zu drücken, mit Strg + V einzufügen und Enter zu bestätigen. Damit startet ein PowerShell-Befehl, der weiteren Code von GitHub nachlädt. Am Ende läuft ein Fernzugriffs-Trojaner, der Bildschirmfotos macht, nach Krypto-Wallets sucht und auf Befehle der Angreifer wartet. Fachleute nennen die Masche ClickFix, und sie funktioniert gerade deshalb so gut. Weil das Opfer den Schadcode selbst startet, schlagen viele Schutzfunktionen nicht an.
Nicht die erste Welle
Neu ist der Trick nicht. Im Juli führte eine Bing-Anzeige auf eine ähnliche Seite auf claude.ai, Anfang Oktober tauchte ein gefälschtes ChatGPT-Modell auf chatgpt.com auf. Wenige Tage später beschrieb BleepingComputer eine weitere Claude-Kampagne über Google-Anzeigen. Anthropic markiert geteilte Inhalte zwar als ungeprüft, auf Artifacts steht aber nur ein schmaler Hinweis, und die vertraute Domain wirkt stärker. Ob die aktuellen Seiten inzwischen gelöscht sind, schreibt Gen nicht, eine Stellungnahme von Anthropic gibt es bislang nicht. Schon im August hatte das Unternehmen Nutzer zwangsweise abgemeldet, deren Sitzungen über Infostealer gekapert worden waren, auf einigen Macs ebenfalls mit AMOS.
So lädst du Claude sicher
Anthropic bietet die Desktop-App auf seiner offiziellen Download-Seite claude.com/download an, und zwar als normales Installationspaket für Mac und Windows. Eine Anleitung, die für die Desktop-App einen Terminal- oder PowerShell-Befehl verlangt, ist gefälscht. Einzige Ausnahme ist Claude Code, das Entwickler tatsächlich über die Kommandozeile einrichten, und auch dafür zählt nur die Anleitung von Anthropic selbst. Am sichersten tippst du die Adresse selbst ein oder legst ein Lesezeichen an, statt auf Anzeigen in der Suche zu klicken. Wer einen solchen Befehl schon ausgeführt hat, sollte laut Gen von einem sauberen Gerät aus die wichtigsten Passwörter ändern, zuerst E-Mail und Banking, alle Sitzungen abmelden und die Zwei-Faktor-Anmeldung einschalten. Krypto-Guthaben gehört auf eine neue Wallet mit neuer Wiederherstellungsphrase.
Quelle(n)
Gen Digital: How Criminals Abuse Claude's Own Website to Spread Malware
Anthropic: Claude herunterladen
Cyber Security News: Hackers Abuse Claude's Official Website and Google Ads to Spread Malware
BleepingComputer: Hackers abuse Google Ads, Bing redirects to push Claude ClickFix attacks
SecurityWeek: Anthropic Warns Claude Users of Infostealer Malware Infections





