Curve sperrt anscheinend Bezahlkarten ohne erkennbaren Grund und reagiert nicht

Curve hat anscheinend aktuell Probleme mit dem Sperren von Karten. Dabei ist bei Reddit etwa eine Häufung solcher Fälle zu beobachten. Das gilt auch für Meldungen im Forum Vielfliegertreff. Auch uns hat es vor einer Woche ohne Hinweise erwischt. Das Verfahren ist dann nach unseren Erkenntnissen meist sehr ähnlich. Die Curve-Karte wird nach einem Transaktionsversuch gesperrt und wurde bei uns anschließend aus Apple Pay entfernt. Gleichzeitig funktioniert auch die physische Karte nicht.
Laut anderen Nutzerberichten reagiert Curve dann mitunter mehrere Wochen nicht. Man steht also ohne Bezahlkarte da. Unser Fall ist dafür noch zu jung. Wir haben aber versucht, über die Presseabteilung weitere Informationen zu erhalten, aber auf diesen erfolglosen Versuch gehen wir unten ein.
Problematisch ist dabei, dass es keine Begründung gibt. Die Karte ist einfach gesperrt. Es gab nicht einmal eine E-Mail zur Sperrung selbst und in der App gibt es auch keine Hinweise auf das Warum.
Wer auf Curve zum Bezahlen setzt, hat dann erst einmal ein Problem. Da dort aber in der Regel kein Geld lagert und die Curve-Karte ein Frontend für andere Karten ist, lässt sich das meist abfangen. Die Karte ist aber beispielsweise praktisch, wenn bestimmte Bezahlkarten von Apple nicht zugelassen werden. Amazon Visa-Karte darf beispielsweise nicht via Apple Pay genutzt werden. Ähnlich wie die Amazon American Express Business, die zwar mal in Apple Pay nutzbar war, dann aber von Apple grundsätzlich entfernt wurde.
Außerhalb des Euroraums hilft Curve auch beim Sparen von Fremdwährungsgebühren oder beim Abheben von Geld aus einem Automaten. Es ist eine praktische Karte, vor allem für das Reisen – wenn sie denn funktioniert und man am Wochenende vorsichtig ist.
Der Support weiß nicht, warum gesperrt wurde
Sobald die Karte gesperrt wurde, sollte man natürlich den internen Chat-Support aufrufen. Doch der überraschte uns. Dieser weitgehend automatisierte Prozess sieht eine Sperrung eigentlich nicht vor oder kann sie nicht sehen. Man muss sich also durch vorgegebene Antworten hangeln.
Hat man dann den richtigen Weg gefunden, wird aber nicht etwa ein Fall geöffnet. Vielmehr braucht Curve einen "Beweis", dass die Karte gesperrt wurde und eine Zahlung abgewiesen wurde. Dazu muss man Screenshots anfertigen und diese an Curve hochladen. Wir hätten erwartet, dass Curve selbst verifizieren kann, dass unsere Angaben zur gesperrten Karte stimmen. Dem ist aber nicht so.
Danach wird man zur ersten menschlichen Stufe des Supports geschickt. Doch diese Stufe kann auch nichts machen. Unsere Anfrage wurde stattdessen an das "relevante Team" weitergeleitet, wie uns eine Support-Mitarbeiterin im Chat sagte. Dieses Team hat allerdings aktuell eine hohe Arbeitsbelastung, hieß es. Eine Antwort könne länger dauern als gewohnt. Wir fragen uns hier natürlich, ob das mit den auffälligen Sperrungen zusammenhängt, die dieses "relevante Team" nun bearbeiten muss. Kritisch ist daran natürlich zu sehen, dass eine gesperrte Karte eigentlich gebraucht wird. Da muss der Support einer Bank schnell reagieren.
Keine Reaktion von der Presseabteilung und dem Support
Abseits der initialen Kommunikation mit Curve und der anschließenden Weitergabe an die entsprechende Abteilung hat Curve nicht mehr reagiert. Auch eine Nachfrage im Support-System blieb zwei Tage unbeantwortet, obwohl auf die erste Anfrage nach rund 12 Stunden reagiert wurde.
Seltsamerweise kam dann sogar erstmals seit der Sperrung eine E-Mail von Curve. Man bat uns, den Kundensupport zu bewerten, damit Curve seinen Service verbessern kann. Etwas seltsam bei einem offenen Fall.
In zahlreichen Reddit-Beiträgen des Februars wird leider dargelegt, dass der Support kaum helfen kann, wenn er denn überhaupt reagiert. Eine durchschnittliche Bewertung von Trustpilot von 2,5 von 5 lässt auch kaum hoffen. Die meisten Neobanken haben mindestens eine 4 von 5. Ungewöhnlich hoch ist bei Curve auch das unberechtigte Melden von Bewertungen. 80 Prozent der Meldungen erwiesen sich als gegenstandslos, so Trustpilot.
Irritierender war aber die Nicht-Kommunikation der Presseabteilung von Curve. Diese haben wir am Donnerstag um 0:30 Uhr angeschrieben und um Stellungnahme zu den zahlreichen Vorfällen bis Freitagabend gebeten. Da wir wissen, dass dies ein komplexeres Thema ist, boten wir aber auch an, auf Wunsch noch länger zu warten. Man müsse nur Bescheid geben.
Es kam allerdings gar keine Reaktion. Eine Presseabteilung würde hier üblicherweise sofort reagieren und nicht zwei volle Arbeitstage die Anfrage unbeantwortet lassen. Das passt gewissermaßen zu der allgemeinen mangelhaften Kommunikation von Curve, über die sich so viele beschweren.
In der Zwischenzeit empfehlen wir jedem, der eine Curve-Karte hat, sicherzustellen, noch eine zweite oder dritte Karte bereit zu haben. Das empfiehlt sich gerade bei Reisen ohnehin. Man weiß nie, wann bei einem legitimen Kauf die Betrugsdetektion anschlägt.
Wir hatten in den USA etwa vor mehreren Jahren mehrfach den Fall, dass Ticketmaschinen des Nahverkehrs im Raum San Francisco mit N26-Karten nicht funktionieren. Damals sagte uns der N26-Support, dass man erhöhte Betrügereien an Ticketautomaten festgestellt hat. Wir können uns das zwar kaum vorstellen, aber in so einem Fall waren wir froh, noch andere Bezahlkarten zu haben.
Allgemein empfiehlt es sich bei Reisen ins Ausland, mindestens eine Mastercard und eine Visa-Karte mitzunehmen. Idealerweise ist eine Karte auch eine Kreditkarte und keine Debitkarte. Da es hin und wieder im Ausland auch mal Probleme mit dem Zahlen per NFC kommen kann (Card Emulation Mode von EMV-Karten), sollte man sich auch nicht nur darauf verlassen, sondern auch eine physische Karte (mit EMV per Chip oder EMV Contactless mit Wellensymbol) mit sich führen. Dank Neobanken lässt sich eine Alternative heutzutage auch sehr schnell per Smartphone einrichten, wenn es sein muss.
Nur mit der Karte dauert es länger, wobei es Ausnahmen gibt. Revolut etwa hat an den Flughäfen Rom, Madrid, Mailand, Porto, Berlin, Brüssel und Helsinki Automaten, an denen man sich eine Visa-Karte auch ohne Konto ziehen kann. Anschließend muss man am Smartphone nur noch ein Konto einrichten. Alternativ lassen sich diese einem bestehenden Konto hinzufügen, was wir in Spanien schon ausprobiert haben. In Spanien hat Revolut in den Städten außerdem Geldautomaten. Hier kann man sich als Kontoinhaber schnell eine Ersatzkarte einmalig kostenlos ausstellen lassen und mitnehmen.
Quelle(n)
Eigene Recherchen





