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Dein zweites Gehirn: Obsidian, Notion und wer die KI reinlässt

Dunkle Darstellung eines Notiz-Netzwerks mit leuchtenden Punkten und Beschriftungen wie Zettelkasten, Steuer 2025 und Backup-Strategie
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Notizen als Netz: Jeder Punkt ist eine Notiz, jede Linie eine Verknüpfung. Schematische Darstellung, kein Screenshot eines bestimmten Programms.
Eine KI kann deine Notizen nicht nur lesen, sondern auch anlegen, ändern und löschen. Neun Systeme im Vergleich, von Obsidian, Logseq und Joplin bis Notion, OneNote und NotebookLM. Eine Frage entscheidet alles: Liegen deine Notizen als Dateien auf deinem Rechner oder in einer fremden Datenbank?

Der Rat klingt inzwischen überall gleich. Man solle sich ein zweites Gehirn bauen, alles an einem Ort sammeln, und dann eine KI darauf loslassen. Nur fällt bei dieser Empfehlung meistens der schwierige Teil unter den Tisch.

Die Frage ist nämlich nicht, welches Programm die schönsten Verknüpfungen zeichnet. Die Frage ist, ob eine KI an diese Notizen überhaupt herankommt, und ob sie dort auch etwas hinterlassen darf. Da unterscheiden sich neun sonst sehr ähnliche Programme so stark, dass die Entscheidung praktisch schon beim Einrichten fällt.

Geprüft haben wir Obsidian, Logseq, Joplin, Anytype, Notion, Gemini Notebook (früher NotebookLM), ChatGPT Projekte, Apple Notizen und Microsoft OneNote. Alle Preise und Grenzwerte stammen vom 25. Juli 2026 und von den Anbieterseiten selbst.

Es ist immer nur ein Ordner

An dieser Stelle steigen viele aus, und zwar zu Recht. Eine KI auf die eigenen Aufzeichnungen zu lassen, klingt nach einem Zugriff auf den ganzen Rechner. Das ist es nicht. Der Zugriff läuft über genau ein Verzeichnis, das du selbst auswählst. Bei Obsidian heißt es Vault und ist ein ganz normaler Ordner. Gibst du einem KI-Werkzeug diesen Pfad, sieht es die Dateien darin. Nicht die Steuerunterlagen daneben, nicht die Fotos, nicht den Browserverlauf. Ein Ordner, von Hand ausgewählt, jederzeit wieder entziehbar.

Schema mit zwei Bereichen: links ein grün umrandeter Ordner mit Markdown-Dateien, rechts ausgegraut Dokumente, Bilder, Downloads, Kalender, E-Mails, Browserverlauf und Passwörter
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Freigegeben ist ein einziges Verzeichnis, alles daneben bleibt außen vor. Schematische Darstellung, kein Screenshot eines bestimmten Programms.

Das ist auch der Grund, warum die Dateifrage so schwer wiegt. Ein Programm, das seine Notizen in einer eigenen Datenbank oder in der Cloud des Anbieters ablegt, hat schlicht keinen solchen Ordner. Da gibt es nichts, worauf man zeigen könnte.

Die KI liest nicht nur, sie schreibt auch

Der Zugriff geht in beide Richtungen, und das ist der Teil, den die meisten Ratgeber übergehen. Ein KI-Werkzeug kann die Dateien nicht nur lesen, es kann auch welche anlegen und ändern. Obsidian bewirbt genau das inzwischen selbst. Die hauseigene Kommandozeile nennt als Einsatzzweck ausdrücklich, agentischen Werkzeugen den Zugriff auf einen Vault zu ermöglichen. Wer will, diktiert also einen Gedanken und findet die fertige Notiz im Ordner wieder, verknüpft mit dem, was schon da ist.

Die Kehrseite wiegt schwerer als der Komfort. Schreibrechte bedeuten, dass ein Programm Notizen anlegen, ändern und in den Papierkorb legen darf. Joplin liefert seine schreibenden Werkzeuge deshalb ab Werk ausgeschaltet aus und rät in der eigenen Dokumentation, sie nur einzuschalten, wenn man sowohl der App als auch dem Modell dahinter vertraut. Der entscheidende Satz steht daneben: Joplin fragt bei Schreibvorgängen nicht jedes Mal nach.

Vergleichstabelle mit neun Notizsystemen und den Spalten Preis, Speicherort, Zugriff für externe KI und eigene KI-Funktion
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Vier der neun Systeme lassen eine externe KI an die Notizen, zwei gar nicht. Angaben vom 25. Juli 2026 von den Anbieterseiten.

Datei oder Datenbank, das entscheidet alles

Obsidian ist das klarste Beispiel für die erste Gruppe. Die Notizen sind Markdown-Dateien in einem Ordner, den man selbst bestimmt, lesbar mit jedem Editor, und Änderungen von außen liest Obsidian automatisch nach. Eine KI braucht dafür weder Plugin noch Schnittstelle. Eine eigene KI hat Obsidian nicht, auf der offiziellen Roadmap steht dazu bis heute nichts. Die einzige hauseigene KI-Funktion sitzt im Web Clipper, fasst Webseiten vor dem Ablegen zusammen und verlangt, dass man seinen eigenen Anbieter mitbringt.

Bei Logseq wird es unübersichtlich, und das sollte man vor dem Einstieg wissen. Die letzte reguläre Veröffentlichung ist Version 0.10.15 vom 1. Dezember 2025, deren Release-Titel sie selbst Beta Testing nennt, seitdem gibt es nur noch Nightly-Builds. Die Entwicklung steckt in der neuen DB-Version, und die tauscht genau das ein, wofür viele Logseq gewählt haben: Statt einzelner Markdown-Dateien liegt ein Graph dann als eine SQLite-Datenbankdatei auf der Platte, im Explorer sichtbar als Binärdatei. Dafür bringt sie einen eingebauten MCP-Server mit, an den sich KI-Anwendungen direkt anschließen.

Joplin geht denselben Weg, nur konsequenter. Die Notizen liegen in einer SQLite-Datenbank im Profilordner, und selbst wer über das Dateisystem synchronisiert, bekommt keine lesbaren Textdateien. Joplin schreibt in der eigenen FAQ ungewöhnlich offen, das Sync-Verzeichnis sei im Grunde eine Datenbank und ausdrücklich nicht dafür gedacht, dass Nutzer darin herumeditieren. Anytype speichert zwar auch in einem frei wählbaren Ordner, dort liegen aber verschlüsselte Blobs. Zwei Punkte fehlen in vielen Vergleichen: Das Programm ist nicht quelloffen, nur die Protokolle stehen unter MIT-Lizenz, und ein Zurücksetzen des Passworts gibt es nicht. Wer die zwölf Wörter verliert, verliert laut Dokumentation die Daten.

Apple Notizen und OneNote bilden das andere Ende. Bei Apple gibt es keinen dokumentierten Ordner, kein offenes Format und keine Programmierschnittstelle für Notizen. Was funktioniert, sind Kurzbefehle, die Notizen finden, anlegen und ergänzen können, ein Umweg, aber ein gangbarer. Bei OneNote existiert eine Schnittstelle über Microsoft Graph, doch seit dem 31. März 2025 funktioniert dort keine reine App-Anmeldung mehr, es braucht immer einen angemeldeten Nutzer. Wer ganze Notizbücher sichern oder auslesen wolle, laufe in Grenzen, schreibt Microsoft selbst.

Zwei Neuigkeiten, die ältere Vergleiche überholen

Google hat NotebookLM am 16. Juli 2026 in Gemini Notebook umbenannt. Das Werkzeug bleibt dasselbe, vorhandene Notebooks bleiben erhalten, Links leiten weiter. Wer nach Anleitungen sucht, findet allerdings noch überwiegend den alten Namen.

Joplin hat KI eingebaut, und zwar lokal. Es gibt einen Chat, der wahlweise an Joplin Cloud, an einen OpenAI-kompatiblen Dienst oder an Anthropic geht. Interessanter ist die semantische Suche, also eine Suche nach Bedeutung statt nach Stichwort. Joplin lädt dafür ein rund 140 MB großes Modell auf den Rechner und baut den Suchindex vollständig lokal, kein Notizinhalt geht in eine Cloud. Dazu kommt ein eigener MCP-Server, also eine Andockstelle für KI-Werkzeuge, die nur auf dem eigenen Rechner lauscht. Fünf lesende Werkzeuge sind voreingestellt, die fünf schreibenden nicht.

Was die Cloud-Systeme mit deinen Inhalten machen

Bei den Cloud-Systemen lädst du deine Dateien beim Anbieter hoch, und dessen KI arbeitet damit. Das ist bequem, bedeutet aber, dass die Inhalte das Haus verlassen. Bei ChatGPT werden Inhalte aus Projekten in den Privatkunden-Tarifen zum Training verwendet, sofern du nicht in den Einstellungen widersprichst. Google und Notion formulieren es umgekehrt und trainieren nur, wenn du aktiv zustimmst oder Feedback gibst.

Tabelle mit den Grenzwerten von Gemini Notebook und ChatGPT für Quellen, Dateigröße, Anfragen und Preis
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Fünfzig Quellen kostenlos bei Gemini Notebook, fünf Dateien bei ChatGPT. Stand 25. Juli 2026 laut Anbieterangaben.

Wer was nehmen sollte

Wer eine KI dauerhaft an die eigenen Notizen lassen will, nimmt Obsidian. Nicht weil es das schönste Programm wäre, sondern weil ein Ordner mit Textdateien der einzige Zugang ist, der auch in fünf Jahren noch funktioniert, egal welches KI-Werkzeug dann aktuell ist. Der Nachteil ist Handarbeit, denn eine fertige KI-Funktion gibt es nicht, nur die Kommandozeile als Andockpunkt.

Wer das Gleiche will, aber fertig eingerichtet, nimmt Joplin. MCP-Server, lokale Semantiksuche und Chat sind eingebaut und kosten nichts extra. Alles davon ist ab Werk aus und wird einzeln zugeschaltet, die schreibenden Werkzeuge inbegriffen. Dass die Notizen in einer Datenbankdatei stecken, ist dann verkraftbar, weil der Zugang trotzdem offen ist.

Wer nur Dokumente befragen will, nimmt Gemini Notebook. Fünfzig Quellen pro Notebook sind kostenlos, das reicht für ein Studienfach oder ein Projekt. Ein Notizsystem ist es nicht und will auch keins sein. Dafür kann dort nichts kaputtgehen, weil die KI an die eigenen Dateien ohnehin nicht herankommt.

Wer ohnehin im Microsoft- oder Apple-Kosmos lebt, bleibt bei OneNote oder Apple Notizen und sollte die KI-Frage ehrlich abhaken. Beide Programme sind gut zum Schreiben. Als Grundlage für ein KI-gestütztes Wissenssystem sind sie es nicht, weil der Zugang von außen entweder fehlt oder eng begrenzt ist.

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> Notebook Test, Laptop Test und News > News > Newsarchiv > News 2026-07 > Dein zweites Gehirn: Obsidian, Notion und wer die KI reinlässt
Autor: Steffen Zahn, 31.07.2026 (Update: 27.07.2026)