Notebookcheck

Jubiläumskolumne - Geschäftsmodelle

Stefan Hinum, 09.03.2015

10 Jahre Notebookcheck. Ein Anlass für den Unternehmens-Erbsenzähler eine Kolumne mit der Entstehungsgeschichte, Anekdoten sowie Einblicken hinter die Kulissen der Website unter das Volk zu werfen.

10 Jahre Notebookcheck
10 Jahre Notebookcheck

5.Teil: Wie finanziert man Onlinemedien – ein permanentes Rätsel mit verschiedenen Lösungsansätzen



Da sei doch gleich mal auf diesen Artikel verwiesen: http://www.notebookcheck.com/Der-schoene-Traum-Gratis-Internet-ohne-Werbung.88466.0.html 

In der Verlagsszene setzt sich derzeit die Meinung durch, dass es zukünftig nicht ein erfolgreiches Finanzierungsmodell für Websites geben wird, sondern etliche, die jeweils von mehreren Sites genutzt werden. Ich skizziere das jetzt nur kurz.

1. Paywalls (Bezahlschranken): Von beträchtlichen Teilen der Verlagsbranche als unvermeidbare Rettung angesehen mit verschiedenen Varianten

a) Vollständige Paywall: Seitenaufrufe nur nach Bezahlung möglich; Nachteil stark beschränkter Besucherzahlen

b) Metered Paywall: Bestimmte Seitenanzahl im Monat gratis möglich; kann durch Cookie-Löschung leicht umgangen werden

c) Social Payment: Gelegentliche Aufforderung zur freiwilligen Bezahlung; bringt nur bescheidene Erträge

d) Freemium: Bestimmte Inhalte gratis, andere kostenpflichtig

e) “Paywall-Bundle” (von mir so genannt): für mehrere Websites wird ein gemeinsamer Preis fällig; ist für alle Varianten von a bis d möglich

2. Werbung:

a) zwingend Werbung: der Klassiker, die Notebookcheck-Lösung

b) seltene Untervariante, bei der Leser sich von der Werbung freikaufen können, zB Golem

3. Spenden: funktioniert bei Wikipedia, sonst nur selten

4. Finanzierung durch Steuerzahler

a) in DEVerwertungsgesellschaft Wort: nicht zuletzt aufgrund unfassbarer Bürokratie nicht mehr als Zubrot

b) Vollfinanzierung durch Steuerzahler – nur für bestimmte Medien vorgesehen, geht wohl auch nur wenn Draghi Geld bis zum Sankt Nimmerleinstag aus dem Nichts erschafft

5) Corporate Blog: Medium mit Shop finanziell verbunden; meist ist unabhängiger content schwer aufrecht zu erhalten


Traditionell ist 2a am häufigsten. Allmählich werden die verschiedenen Paywall-Varianten häufiger. Ob sich irgendetwas dauerhaft überall durchsetzt, wird letztlich der Leser entscheiden. Notebookcheck setzt eisern auf 2a, aber natürlich können uns Leservorlieben zu einem Umdenken zwingen.

Mir ist aufgefallen, dass mehrere Leser sich in Kommentaren gewundert haben, dass wir nicht auf Spendenfinanzierung setzen. Versuche haben gezeigt, dass die verbale Bereitschaft der Leser zu spenden gelinde gesagt ungleich größer als die tatsächliche Geldüberweisung ist.


Bei der Werbefinanzierung gibt es natürlich eine gewaltige Vielfalt an Werbeformen. In letzter Zeit bemerken wir in geradezu epidemischem Ausmaß etwas, was euphemistisch “content marketing” genannt wird. Dabei vermischen sich redaktionelle Inhalte mehr oder weniger mit Werbung. Streng genommen ist das sogar illegal, wenn die vom Gesetzgeber verlangte klare Kennzeichnung von Werbung nur unzureichend umgesetzt wird. Der Werbekunde will ja, dass die Produktplatzierung nicht als Werbung wahrgenommen wird. Schlimm ist, dass dem Leser objektiver Inhalt vorgegaukelt wird. In Kommentaren werfen uns Leser immer wieder vor, dass Bewertungen in unseren Tests gekauft seien. Als CFO kann ich ganz klar versichern, das dem niemals so war. Bei uns fließen keinerlei Zuwendungen für bessere Bewertungen oder freundlichere Texte. Es klingt pathetisch, aber ich sehe Notebookcheck als heldenhaften Fels in der Brandung, was die Verweigerung von content marketing betrifft. Die Werbung wird meist anonym oder für viele Websites gemeinsam durch große Werbenetzwerke gebucht ohne dass es einen direkten Kontakt zwischen Werbekunden und Redaktion gibt. Die wenigen gesponserten Einladungen von Redakteuren zu Herstellerveranstaltungen werden von uns übrigens öffentlich zugänglich vermerkt: http://www.notebookcheck.com/Transparenz.96617.0.html


Zitat vom allseits bekannten Tech-Blogger Sascha Pallenberg zu seiner Abschaffung von jeglicher Bannerwerbung auf Mobilegeeks: “Ich will jetzt keine Vergleiche zum horizontalen Gewerbe herstellen, aber ein wenig fuehle ich mich da wie ein Content-Nutte deren Zuhaelter jeden Abend zum abkassieren kommt.” Mit Zuhälter meint er Vermarkter.

Ich mag diese Art von Humor. Notebookcheck jedenfalls steht auch weiterhin als rattenscharfe Edelnutte zur Verfügung! Damit muss auch nicht weiter erläutert werden, warum wir zu 85-90% männliche Besucher haben.

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Autor: Stefan Hinum,  9.03.2015 (Update: 26.03.2015)
Stefan Hinum
Stefan Hinum - Founder, Geschäftsführer, CFO
Mein Tätigkeitsfeld umfasst Finanzen (auch Werbung), die Koordination fremdsprachiger Sprachsektionen sowie die Test-Bibliothek. Im Prä-Notebookcheck-Zeitalter war ich Programmierer für Buchhaltungs-Software.