Neue KI soll Pflanzen und Bäumen "zuhören" und sogar antworten

Pflanzen reagieren auf ihre Umgebung mit schwachen elektrischen Signalen. Das Start-up Electric Plant will diese nutzen, um Anbaubetrieben Aufschluss darüber zu geben, was ihre Pflanzen benötigen. Dafür hat das Unternehmen drei Jahre lang Bombadil entwickelt, ein großes Sprachmodell, das die Signale von etwa 125 Pflanzenarten interpretieren soll. Nun hat Electric Plant in einer ersten Finanzierungsrunde umgerechnet rund 10 Millionen Euro eingesammelt, um seine Sensoren und das KI-Modell auf den Markt zu bringen.
Der Ansatz beruht auf der Annahme, dass die elektrische Aktivität von Pflanzen Rückschlüsse auf ihren inneren Zustand erlaubt. Bodensonden, tragbare Spektroskope und Satellitenbilder helfen bereits bei der Überwachung von Nutzpflanzen. Laut Electric-Plant-Mitgründer Justin Mast erfassen diese Verfahren deren Bedürfnisse allerdings nicht immer in Echtzeit.
Die Sensoren von Electric Plant werden mit Edelstahlschrauben an Pflanzen mit verholzten Stämmen befestigt. Die Schrauben dringen dabei in das Kambium ein, eine Schicht lebenden Gewebes unter der Rinde. Die Sensoren erfassen winzige elektrische Veränderungen im Mikrovoltbereich und übertragen die Daten über ein stromsparendes Funknetz an eine Basisstation. Anschließend analysiert Bombadil die Messwerte in der Cloud und übermittelt die Ergebnisse an die Kunden.
Anhand dieser Informationen können Anbaubetriebe ihre Bewässerung und Düngung anpassen. Laut Mast kosten die Sensoren wenige Dutzend Euro, während manche bisherigen Überwachungssysteme mehrere Tausend Euro kosten. Für genaue Ergebnisse seien zudem nur etwa zwei Sensoren pro rund 4.000 Quadratmeter nötig.
Bombadil interpretiert derzeit elektrische Signale von rund 125 Arten, darunter Farne, Mammutbäume, Tomaten und Dahlien. Laut Mast kann das System die Erträge steigern und gleichzeitig den Wasserverbrauch um 20 Prozent oder mehr senken.
Langfristig hoffen die Gründer, mit ihrer Technik eine Möglichkeit zu schaffen, mit Pflanzen zu "sprechen". Derzeit konzentrieren sie sich jedoch darauf, Signale zu interpretieren, statt einen Dialog zu führen. Justin Mast erklärt:
Wir hören mehr zu, als wir sprechen. Aber Zuhören ist der erste Schritt.
Mast hat Electric Plant gemeinsam mit dem Neurowissenschaftler Lee von Kraus gegründet, der bereits mit der DARPA zusammengearbeitet hat. Die erste Finanzierungsrunde über umgerechnet rund 10 Millionen Euro haben Onto Ventures und Climactic angeführt. Beteiligt haben sich außerdem Ponderosa, Endeavor Catalyst, Ludlow, Michigan Rise, The Fund, Schox VC und Dug Song. Die Namen seiner ersten Kunden hat Electric Plant bislang nicht bekannt gegeben. Mögliche Einsatzgebiete der Technik sind jedoch die Land- und Forstwirtschaft.






