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Project Hail Mary gehört zu den bisher ambitioniertesten Filmprojekten des Jahres
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Project Hail Mary zeigt warum technische Geräte physische Tasten brauchen

Die Adaption von Project Hail Mary durch Phil Lord und Christopher Miller kam am 20. März 2026 in die Kinos, und ich habe mir den Film gerade angesehen. Abgesehen von der gesamten "Science-Fiction" Prämisse ist die Darstellung der taktilen, physischen Tasten und Schalter im Film eine interessante Kritik an modernen Geräten, die von Touchscreens dominiert werden. Dieser Artikel enthält Spoiler.
Anubhav Sharma, 👁 Anubhav Sharma (übersetzt von Enrico Frahn) Veröffentlicht am 🇺🇸
Movies / TV-Shows Opinion / Kommentar
Kommentar von Anubhav Sharma
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Dieser Artikel enthält Spoiler

Als Ryland Grace auf der Hail Mary aufwacht, ist das Erste, was er sieht, kein Glascockpit oder eine holografische Anzeige. Stattdessen besteht das Schiff überwiegend aus Kippschaltern, physischen Hebeln und Tasten, die tatsächliche Kraft zum Betätigen erfordern. Diese Designentscheidung von Phil Lord und Christopher Miller bezieht sich nicht nur auf die "used future"-Ästhetik aus Ridley Scotts Aliens oder Interstellar. Während ich Project Hail Mary gesehen habe, fiel mir die Bedeutung dieser Bedienelemente als Anker für einen Charakter auf, der sein Gedächtnis verloren hat und die Welt wieder "real" erleben muss. In einer risikoreichen Situation, in der ein zufälliger Softwarefehler oder ein gesprungenes Display das Ende bedeuten könnte, zeigt der Film physische Hardware als die verlässlichste Form von Kontrolle. Aus der Sicht von jemandem, der das Buch noch nicht gelesen hat, erklärt sich so, warum ich dies für wichtig halte.

Ein Hinweis: Auch andere Filme haben dies in der Vergangenheit gemacht, einige davon wurden bereits erwähnt. Project Hail Mary ist lediglich der neueste Film auf dieser Liste.

Sogar Rockys Raumschiff gibt dem Piloten haptisches Feedback

Die technische Ausstattung des Hail Mary ist ein deutlicher Kontrapunkt zu aktuellen Trends in der Luft- und Raumfahrt. Betrachtet man etwa die SpaceX-Dragon-Kapsel, wird die Bedienoberfläche nahezu vollständig über Touchscreens gesteuert. Auf Livestreams oder Pressefotos wirkt das zwar schlank und minimalistisch, doch es fehlt die haptische Sicherheit, die in einer Notfallsituation notwendig ist. Im Film bedient Grace die Steuerungen oft ohne dabei hinzusehen, und verlässt sich dabei auf sein reines Muscle-Memory und das taktile Feedback der mechanischen Schalter. Das realistischste Pendant dazu ist wohl der Boeing Starliner, der für kritische Systeme mehr physische Schalter besitzt als die Konkurrenz.

Für einen Charakter, der mit Amnesie kämpft, muss die Welt greifbar und spürbar wirken. In einer solch hochriskanten Umgebung, in der ein zufälliger Softwarefehler oder ein gesprungener Bildschirm das Ende der Menschheit bedeuten könnte, zeigt der Film, dass physische Hardware zweifellos die ultimative Form von Zuverlässigkeit ist. Diese Logik überträgt der Film sogar auf die außerirdische Technologie. Rockys Raumschiff, obwohl aus exotischen Materialien wie Xenonit gebaut, nutzt offenbar vibrationale und musikalische Schnittstellen, um dem Piloten kontinuierliches Feedback zu geben.

Das Raumschiff hat unzählige physische Tasten und Knöpfe

Es ist eigentlich nicht nötig, greifbare Beweise für etwas so Grundlegendes zu haben, aber reale Daten untermauern den "Old-School"-Ansatz aus Project Hail Mary sehr gut. Laut einem Interview von Hush-Kit berichten F-35-Piloten von einer Fehlerquote von fast 20 Prozent wenn sie versuchen, Touchscreens unter hoher G-Belastung oder bei starker Turbulenz zu bedienen. Diese Problematik zeigt sich auch in der wissenschaftlichen Forschung, insbesondere in der Ende 2025 erschienenen Studie auf ResearchGate mit dem Titel "The Impact of Tangibility in the Input of Secondary Car Controls". Die Daten zeigen, dass 80 Prozent der Teilnehmer Eingabefehler machen, wenn sie Touchscreens in stressigen Simulationen nutzen. Bei der Bedienung physischer Tasten lag die Fehlerquote hingegen deutlich niedriger bei 20 Prozent.

Dieser Leistungsunterschied hat erhebliche Auswirkungen auf Sicherheit und Effizienz im Alltag. Ein Benchmark-Test der schwedischen Publikation Vi Bilägare zeigt, dass grundlegende Aufgaben in einem knopflastigen Volvo von 2005 nur 10 Sekunden dauern, während die gleichen Vorgänge auf einer modernen reinen Touchscreen-Oberfläche 44,6 Sekunden in Anspruch nahmen. Diese vierfache Verlängerung der Ablenkungszeit ist genau der Grund, warum der Euro NCAP seine Sicherheitsprotokolle für Januar 2026 aktualisiert hat. Die Organisation bestraft nun offiziell Hersteller, die keine physischen Bedienelemente für essenzielle Funktionen wie den Scheibenwischer, Blinker oder Warnblinker bereitstellen. Die Branche beginnt zu erkennen, dass "sauberes" Design oft nur eine Fassade für Ineffizienz ist. Selbst Apple und Tesla haben begonnen, physische Bedienelemente in ihre neuesten Geräte zurückzubringen. Manche Dinge sollten einfach nicht in einem Menü versteckt werden.

Beim Dreh von Project Hail Mary wurden keine Touchscreens beschädigt
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Beim Dreh von Project Hail Mary wurden keine Touchscreens beschädigt

Wenn ein Touchscreen verwendet wird, muss das Gehirn visuelle Ressourcen aufwenden, um sicherzustellen, dass der Finger genau über dem richtigen Pixel schwebt. In Project Hail Mary kann Grace beispielsweise seine Augen auf die Petrova-Task-Daten richten, während seine Hand den Hebel des Kühlsystems sucht – eine Sinneswahrnehmung wird so vollständig frei. Ein derartiges Zusammenspiel zwischen Mensch und Maschine kennt man aus Filmen wie 2001: Odyssee im Weltraum, ist aber weitgehend in Vergessenheit geraten, da man alles möglichst wie ein iPad gestalten wollte. Selbst TARS aus Interstellar war eine physische, klobige Einheit, die durch Bewegung und Gewicht mit der Welt interagierte, nicht nur über eine Stimme aus einem Lautsprecher. Wenn Technologie zu abstrakt wird, verlieren Nutzer ein Stück ihrer Handlungsfähigkeit.

Die wichtigste Erkenntnis für alle, die derzeit nicht auf einer Mission zu Tau Ceti sind, lautet: Werkzeuge sollten für uns arbeiten, nicht andersherum. Wenn ein Film über eines der fortschrittlichsten Raumschiffe zeigt, dass ein physischer Drehknopf der Gipfel der Technik ist, sollte man vielleicht aufhören, das "Ende der Tasten" in Laptops und Autos einfach zu akzeptieren. Taktiles Feedback ist mehr als befriedigende Klicks, es überbrückt die Reibung zwischen menschlichem Gedanken und mechanischer Handlung. Vielleicht ist das eine Überzeugung, für die es sich zu kämpfen lohnt. Die fortschrittlichste Benutzeroberfläche ist die, die man mit geschlossenen Augen bedienen kann.

Und mal ehrlich, Rocky hätte den Zentrifugalspin nicht abschalten können, um Grace zu retten, wenn es statt eines Hebels ein Touchscreen gewesen wäre. Nur als Hinweis.

Quelle(n)

Eigene, Amazon MGM Studios (YouTube), Team-BHP, Car and Driver, Researchgate, Hush-kit

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Autor: Anubhav Sharma, 26.03.2026 (Update: 26.03.2026)