SSD-Preise steigen um 303% innerhalb eines Jahres, KI verschärft NAND-Flash-Mangel

Die SSD-Preise steigen weiter, während die durch KI-Anwendungen verursachte Verknappung von NAND-Flash den Speichermarkt verändert. Berichten zufolge sind die Vertragspreise einiger SSDs innerhalb eines Jahres um 303 Prozent gestiegen. Weitere Preiserhöhungen werden erwartet.
Der Vertragspreis einer TLC-SSD mit 256GB hat im dritten Quartal 2026 rund 134,20 US-Dollar erreicht. Ein Jahr zuvor hatte er noch bei 33,30 Dollar gelegen. Das entspricht einem Anstieg um 303 Prozent im Jahresvergleich und rund 20 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Eine entsprechende SSD mit 512GB soll sich im selben Zeitraum von etwa 62,40 auf 252 Dollar verteuert haben. Der Preis eines TLC-NAND-Bausteins mit 1 Terabit ist Berichten zufolge in den sechs Monaten bis zum 21. Oktober um 123 Prozent gestiegen.
Diese Zahlen beziehen sich auf Vertragspreise und nicht auf Endkundenpreise im Handel. Sie bedeuten daher nicht, dass jede SSD für Privatkunden inzwischen viermal so teuer ist. Sie verdeutlichen jedoch den Kostendruck, der durch das knappere NAND-Flash-Angebot entsteht.
Mit weiteren Preiserhöhungen ist zu rechnen, wobei das Ausmaß je nach Produkt variieren dürfte. TrendForce prognostiziert für das vierte Quartal 2026 einen weiteren Anstieg der NAND-Flash-Vertragspreise um 15 bis 20 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Bei Enterprise-SSDs werden mit 23 bis 28 Prozent noch stärkere Erhöhungen erwartet, da Cloud-Anbieter ihre Infrastruktur für KI-Inferenz ausbauen.
Ein wesentlicher Preistreiber ist die Nachfrage nach Enterprise-SSDs mit QLC-Speicher und hoher Kapazität für KI-Inferenzsysteme. Gemessen an der Speicherkapazität erwartet TrendForce für 2026 einen Anstieg der Nachfrage nach Enterprise-SSDs um mehr als 80 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Große NAND-Hersteller bedienen vorrangig Unternehmenskunden, wodurch weniger Produktionskapazität für Endkundenprodukte übrig bleibt. SK hynix soll seine NAND-Produktion bis Ende 2026 bereits vollständig verplant haben. Micron hat mitgeteilt, dass mehr als 75 Prozent der für das Geschäftsjahr 2027 erwarteten Produktion bereits Kunden zugesagt sind. Branchenanalysen zufolge dürften neue Kapazitäten von SK hynix und Micron das Angebot erst Mitte bis Ende 2027 spürbar vergrößern.
Auch Kapazitätsengpässe bei SanDisk verschärfen die Lage. Nach Angaben des Unternehmens liegt die NAND-Produktionskapazität weiterhin rund 30 Prozent unter dem Höchststand von 2022. Während des vorherigen Branchenabschwungs sind Kapazitäten von etwa 560.000 Wafern pro Monat stillgelegt worden. Bis neue Fertigungskapazitäten in Betrieb gehen, dürften Jahre vergehen.
Die Folgen sind bereits bei Endkunden angekommen. Eine Gen4-NVMe-SSD mit 1TB hat beispielsweise in den USA Mitte Oktober durchschnittlich etwa 144 Dollar gekostet. Die Samsung 990 Evo Plus mit 1TB ist für 237 Dollar angeboten worden, gegenüber einem früheren Tiefstpreis von rund 59 Dollar. Die Preisentwicklung im deutschsprachigen Raum dürfte ähnlich verlaufen sein. PC-Hersteller versuchen unterdessen, die Kosten durch vorhandene Lagerbestände, geringere Bestellmengen und kleinere SSDs in einigen gängigen Laptops und Desktop-PCs zu begrenzen.








