SnailMail im Trend: Geld verdienen mit physischen Briefen

Unter dem Begriff „Snail Mail“ bauen junge Kreative derzeit Abo-Clubs auf, um Geld zu verdienen. Das Prinzip ist bekannt, etwa von Patreon. Nutzer zahlen monatlich einen geringen Betrag und erhalten dafür exklusive Inhalte. Das Produkt landet hier allerdings nicht im digitalen Feed oder Postfach, sondern im Briefkasten. Es geht nämlich um Post – von handgeschriebenen Briefen über Rezepte bis hin zu kleinen Kunstwerken.
Der Trend lebt vom Kontrast zur schnellen digitalen Kommunikation. Echte Post wirkt persönlicher und dürfte inmitten der digitalen Reizüberflutung gewissermaßen einen entschleunigten Effekt haben. In einer Zeit, in der KI Inhalte immer austauschbarer macht, scheint ein solches Konzept besonders gut anzukommen. Der Erfolg entsteht dabei paradoxerweise vor allem digital. TikTok und Instagram dienen als Schaufenster, Produktions-Tagebuch und Vertriebskanal. Auf TikTok gibt es bereits über 150.000 Beiträge mit dem Hashtag „Snail Mail“, was so viel wie Schneckenpost bedeutet.
CNBC hat einige SnailMail-Anbieter interviewt – darunter auch Kiki Klassen, die rund 900 Briefe pro Monat an ihren „Lucky Duck Mail Club“. Für rund 8 US-Dollar erhalten Abonnenten getippte Briefe und illustrierte Postkarten. Damit soll sie bereits einen Monatsumsatz von 4.385 US-Dollar erzielt haben. Die 25-jährige Künstlerin Trinity Shiroma betreibt laut CNBC den „Architecture Club“, in dem sie jeden Monat bekannte Gebäude oder Orte illustriert. Abonnenten erhalten Drucke, Begleitbriefe und kleine Bastelprojekte. Bo Natakhin aus Toronto setzt wiederum auf ein Koch-Zine per Post: Seine erste Ausgabe soll ein 52-seitiges Mini-Kochbuch mit Pasta-Rezepten gewesen sein.
Ob man damit in der Praxis wirklich zuverlässig Geld verdienen kann, ist allerdings fraglich. In einem Reddit-Thread zur Gründung eines Snail-Mail-Clubs ist die Stimmung eher nüchtern. Viele Nutzer mögen die Idee zwar grundsätzlich, zweifeln aber an der langfristigen Profitabilität und gehen von einem hohen monatlichen Produktionsdruck aus. Ein Betreiber eines eigenen Mail-Clubs fügt hinzu, dass ein klares Konzept und ein unterscheidbares Profil wichtig seien – sonst werde Marketing schwierig. Der Top-Kommentar bringt die Stimmung im Thread auf den Punkt: „Nette Idee, aber kein großer Geldbringer.“





